Dutzende Großinvestoren verklagen VW auf Schadenersatz

Dutzende Großinvestoren verklagen VW auf Schadenersatz

VW im Visier der Justiz

Der Volkswagen-Konzern wird im Zuge des Abgasskandals überhäuft mit Schadenersatzklagen. Neben Dutzenden Großinvestoren haben auch tausende Privatanleger den Gang zu Gericht eingeschlagen. Die Deutsche Finanzaufsicht BaFin wird nun länger als geplant ermitteln.

Frankfurt/Wolfsburg. In Deutschland mehren sich im Diesel-Abgasskandal Schadensersatzklagen von Aktionären gegen Volkswagen. Die Kanzlei Nieding + Barth werde in dieser Woche am Landgericht Braunschweig die Klage eines institutionellen Anlegers als Musterverfahren einreichen, erklärte Aktionärsanwalt Klaus Nieding am Montag.

Insgesamt strengten 66 Investoren aus den USA und Großbritannien dieselbe Klage an, die Volkswagen einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz wegen verspäteter Bekanntgabe der illegalen Abgasmanipulation von Diesel-Fahrzeugen in den USA vorwirft. "Es geht um einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag", bestätigte Nieding, der auch Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist, einen Bericht der "Financial Times" (FT) vom Wochenende.

Zusätzlich habe die Kanzlei Schadensersatzklagen von mehreren tausend Privatanlegern gesammelt. Nieding zufolge erlitten sie mit VW-Aktien Verluste, weil der Wolfsburger Autobauer nicht sofort die Öffentlichkeit über seinen internen Kenntnisstand zu dem Gesetzesverstoß in den USA informiert habe. Volkswagen wollte zu den Klagen keine Stellungnahme abgeben.

Ob VW im September zu spät eine Pflichtveröffentlichung publizierte, untersucht seither auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin. Die Untersuchung der Kommunikation und möglichen Insiderhandels werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte eine Sprecherin der Behörde der Nachrichtenagentur Reuters. Der Sachverhalt sei komplex, und die BaFin müsse umfassende Informationen von VW einholen. Ob am Ende tatsächlich ein Fehlverhalten vorliege, sei davon abhängig, ob man dem Unternehmen aus damaliger Sicht Verfehlungen nachweisen könne.

Auch der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp hatte bereits Anfang Oktober vor dem Landgericht Braunschweig eine der ersten Anlegerklagen in Deutschland gegen Volkswagen eingereicht. Aktionärsklagen gegen VW koordiniert auch Bentham Europe, an dem der US-Hedgefonds Elliott beteiligt ist. In den USA wurden mittlerweile mehr als 650 Sammelklagen von Autokäufern und Anlegern eingereicht.

Wie die "FT" berichtete, wurde erst vergangene Woche der Pensionsfonds der staatlichen Verkehrsgesellschaft in Arkansas zu einem der führenden Kläger bestimmt. Zudem prüften auch die Pensionsfonds der Stadt Philadelphia und die niederländische Algemene Pensioen Groep (APG) sowie die Fondsgesellschaft Dimensional Fund Advisors Klagen.

In Österreich hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) eine Aktion gestartet. Mehr als 50.000 betroffene VW-Fahrer haben sich gemeldet. Da es in Österreich die Möglichkeit einer Sammelklage nicht gibt, haben die Konsumentenschützer eine Stiftung in den Niederlanden gegründet. Angestrebt werden Vergleichsverhandlungen mit VW.

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