Razzien bei Porsche wegen Dieselskandals

Razzien bei Porsche wegen Dieselskandals

Ein Großaufgebot von Ermittlern ist ins Hauptquartier von Porsche und weiteren zehn Gebäuden in Baden-Württemberg und Bayern eingezogen. Im Visier der deutschen Ermittler ist unter anderem auch ein Vorstandsmitglied des Sportwagenbauers.

Stuttgart. Der Volkswagenkonzern kommt nicht zur Ruhe. Der Abgasskandal schwelt auch nach der Neubestellung des neuen Konzernchefs Herbert Diess in der Vorwoche weiter.

Wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit dem Abgasskandal haben Staatsanwaltschaft und Polizei am Mittwoch zahlreiche Standorte der VW-Tochter Porsche in Baden Württemberg und Bayern durchsucht. Im Einsatz seien insgesamt 30 Staatsanwälte aus Stuttgart und 3 Kollegen der Staatsanwaltschaft München II sowie etwa 160 Einsatzkräfte aus den Landeskriminalämtern beider Bundesländer.

Gesucht werde nach Beweisen in dem bereits seit längerem laufenden Verfahren, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Durchsuchungen gab es dem Vernehmen nach auch bei Audi in Ingolstadt und in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Weitere Details zu den Razzien nannten die Strafverfolger mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Ein Porsche-Sprecher erklärte, die Ermittler hätten Unterlagen gesichtet und gesichert. Porsche und Audi würden in vollem Umfang mit den Behörden kooperieren. Die VW-Tochter Audi hatte große Sechszylinder-Dieselmotoren auch an Porsche geliefert, die dort etwa in Varianten des Cayenne eingesetzt werden.

Damit wird nun neben Audi und Volkswagen auch Porsche in die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals hineingezogen. Durchsuchungen gab es aber auch schon bei BMW und Daimler sowie dem Zulieferer Bosch. Den Autoherstellern wird vorgeworfen, illegale Abschalteinrichtungen der Abgasreinigungsanlage in Dieselautos eingebaut und falsche Werbung gemacht zu haben.

Die Dieselaffäre ist im September 2015 zunächst bei VW ausgebrochen. VW hatte gestanden Millionen von Autos mit einer Software ausgestattet zu haben, die ein volle Abgasreinigung nur im Tesbetrieb ermöglicht hatte. Im Straßenverkehr hatten die Autos deutlich mehr Schadstoffwerte ausgestoßen.

Den größten Autokonzern der Welt kostete die Diesel-Affäre vor allem aufgrund von Vergleichen und Schadenersatz in der USA bisher schon mehr als 25 Milliarden Euro. Autobeistzer in den USA wurden entschädigt. In Deutschland schauten die Autobesitzer durch die Finger.

Mehrere Verfahren sind in der Causa noch anhängig. Der Großteil der strafrechtlichen Untersuchungen gegen VW liegt bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Dort werden auch Vorwürfe der Marktmanipulation gegen hohe Manager untersucht.

Porsche hatte im Jahr 2016 einen freiwilligen Rückruf seines Modells Macan gestartet. Auch hier waren zuvor Zweifel über die Abgasreinigung aufgekommen. Für den Geländewagen Cayenne mit dem 3,0-Liter-TDI Dieselmotor hatte das deutsche Bundesverkehrsministerium im Somer 2017 ein Zulassungsverbot verfügt.

Porsche hatte bislang stets beteuert, betroffene Motoren von der VW-Tochter Audi bezogen zu haben.

Die Aktie von Porsche (ISIN DE000PAH0038) notierte am Mittwoch gegen 12:30 Uhr mit 1,15 Prozent im Minus zum Vortag. Die Papiere von Volkswagen (ISIN Vz.Aktien DE0007664039) notierten mit 0,15 Prozent im Minus.

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