Düngelmittel: Glyphosat-Zulassung auf der Kippe

Düngelmittel: Glyphosat-Zulassung auf der Kippe

Die Genehmigung des weltweit meistgebrauchten Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der Europäischen Union (EU) wackelt. Merkel könnte zum Zünglein an der Waage werden.

Deutschland könnte die Zulassung des umstrittenen Düngelmittel, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen, kippen. Denn Deutschland steuert auf eine Enthaltung bei der Abstimmung im Ständigen Ausschuss der EU zu. Damit ist nicht absehbar, ob die Ende Juni auslaufende Zulassung der umstrittenen Chemikalie verlängert wird. Grund sind die Mehrheitsverhältnisse in dem Gremium. Frankreich und andere Staaten wollen Glyphosat von den Äckern verbannen, andere EU-Staaten wünschen dagegen ebenso wie die EU-Kommission, dass das Herbizid weiterhin auf Felder gesprüht werden darf.

Morgen oder übermorgen soll Entscheidung gefällt werden

Nach ursprünglichen Planungen sollte der Ständige Ausschuss entweder noch am Mittwoch oder am Donnerstag eine Entscheidung fällen. In EU-Kreisen wurde es jedoch auch für denkbar gehalten, dass die Abstimmung verschoben wird, falls sich keine Mehrheit für die Zulassungserneuerung abzeichnet. Vieles hänge vom Verlauf der Diskussion in dem Ausschuss ab, hieß es.

"Die bislang geführten Gespräche haben noch nicht zu einer abschließenden Festlegung der Bundesregierung geführt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Können sich die Minister nicht einigen, wird sich Deutschland nach seinen Worten der Stimme in dem Gremium enthalten. In Regierungskreisen wurde nicht mit einer Einigung gerechnet.

MERKEL FÜR GENEHMIGUNG VON GLYPHOSAT

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel teile die Meinung von Agrarminister Christian Schmidt, sagte Seibert. Der CSU-Politiker befürwortet die Zulassungs-Verlängerung und stützt sich dabei auf Studien der EU-Lebensmittelbehörde Efsa und des deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung, die der Chemikalie bei sachgemäßer Anwendung Unbedenklichkeit bescheinigen. Dagegen lehnen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ebenso wie die anderen SPD-Minister den Wirkstoff unter Hinweis auf eine Untersuchung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC) ab, die das Pflanzengift als wahrscheinlich karzinogen einstuft.

In Deutschland wird Glyphosat unter dem Markenamen Roundup vom US-Agrarkonzern Monsanto vertrieben. Das Unternehmen erzielte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar. Da das Patent auf Glyphosat ausgelaufen ist, wird es mittlerweile auch von anderen Herstellern produziert. Bauernverbände dringen auf eine weitere Freigabe der Chemikalie, die als vergleichbar preiswert gilt und in der Landwirtschaft seit den 70er Jahren eingesetzt wird.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übergab dem Landwirtschaftsministerium in Berlin rund 145.000 Unterschriften gegen das Herbizid. "Solange die Risiken von Glyphosat nicht zweifelsfrei ausgeräumt sind, darf das Pflanzengift nicht wieder zugelassen werden", forderte die Organisation. Die Chemikalie sei nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit, sondern mit verantwortlich für das Artensterben in der Natur.

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