Druck auf Booking.com wegen Preisklauseln

Druck auf Booking.com wegen Preisklauseln

Das US-Hotel-Buchungsportal Booking.com kommt in Europa unter Druck. Das deutsche Kartellamt untersagt die Bestpreis-Regeln des Internetdienstes. In Österreich fordern Hoteliers und Wirtschaftskammer die heimischen Wettbewerbshüter auf endlich zu handeln.

Berlin/Wien. Ein Urteil mit Folgen: Das deutsche Bundeskartellamt untersagt dem Hotelportal Booking.com die sogenannten Bestpreis-Regeln. Diese verstoßen gegen den Wettbewerb, meldete die "Süddeutsche Zeitung".

Es gebe so kaum Konkurrenz zwischen den Onlineportalen, aber auch zwischen den Hotels, die sich damit nicht über den Preis oder andere Konditionen differenzieren könnten, sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt.

Die Priceline -Tochter Booking.com ist mit Abstand Marktführer in Deutschland. Im Februar hatten die Wettbewerbshüter den Expedia - und HRS-Rivalen abgemahnt.

Bestpreisklauseln verpflichten die Herbergen, bei einzelnen Online-Dienstleistern etwa den jeweils niedrigsten Hotelpreis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die jeweils günstigsten Buchungs- und Stornierungskonditionen anzubieten.

Österreichs BWB am Zug

Die Wirtschaftskammer und die Hoteliervereinigung (ÖHV) begrüßen die Entscheidung des deutschen Bundeskartellamtes gegen die Bestpreisklauseln von Booking.com und sehen nun die heimischen Wettbewerbshüter am Zug. Deutsche Hotels müssen der Reiseplattform künftig nicht mehr die jeweils günstigsten Preise garantieren.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) müsse sich nun "einen diesbezüglichen Schritt auch für Österreich sehr genau ansehen", so der Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Siegfried Egger, und ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. Dazu gebe es bereits seit längerem einen intensiven Informationsaustausch.

Der Winterschlaf

"Europa ist in Bewegung gekommen - auch Österreich muss sich jetzt positionieren", bekräftigten die beiden Branchenvertreter. Sie fordern unternehmerische Freiheit bei der Gestaltung von Preisen und Konditionen sowie fairen Wettbewerb.

"Die österreichischen Behörden befinden sich weiterhin in einem seit Jahren anhaltenden Winterschlaf", kritisierte der Geschäftsführer des Tourismusberatungsunternehmens Prodinger, Thomas Reisenzahn, in einer Aussendung.

Das deutsche Bundeskartellamt untersagte Booking.com nun die erst heuer im Juli erneuerten Paritätsklauseln in den AGBs (Allgemeinen Geschäftsbedingungen) und sonstigen Vereinbarungen - "ein schönes Weihnachtsgeschenk für deutsche Hotels, wie Reisenzahn anmerkte.

Der europäische Marktführer unter den Reiseportalen darf somit keine Paritätsklauseln gegenüber seinen Hotelpartnern in Deutschland anwenden, sich also in seinen Verträgen mit deutschen Hotels nicht mehr die jeweils günstigsten Preise garantieren lassen. Andernfalls droht ein Bußgeld in bis zu dreistelliger Millionenhöhe. Booking.com muss dort die beanstandeten Klauseln aus seinen AGB und Preferred-Partner-Vereinbarungen bis Ende Jänner 2016 entfernen.

"In Österreich gibt es keine solchen Weihnachtsgeschenke von Seiten der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB)", ortete Reisenzahn ein "bisheriges Versagen der Behörden".

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