Illegale Deals: Europas Drogenmarkt wiegt 24 Milliarden

Illegale Deals: Europas Drogenmarkt wiegt 24 Milliarden
Illegale Deals: Europas Drogenmarkt wiegt 24 Milliarden

Heroin und Kokain werden vom Umsatz von Cannabis überholt.

Nach einem Report von Europol und Europäischer Drogenbeobachtungsstelle ist die Situation derzeit zwar stabil. Aber die Produzenten, Schmuggler und Verteiler agieren immer schneller. Schätzungen zufolge sollen illegale Drogen im Wert von 24 Milliarden Euro umgesetzt werden.

Europol und die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) haben ihren neuen Bericht zum illegalen Drogenmarkt in Europa veröffentlicht. Dieser war demnach im Jahr 2013 rund 24 Milliarden Euro schwer. Die Zahl der Konsumenten ist relativ stabil. Der Markt ist international organisiert. Kriminalität, Korruption und Geldwäsche geben sich die Hand.

Vom Gesamtmarkt entfielen geschätzte 38 Prozent (9,3 Milliarden Euro) auf Cannabis. Aufgrund des hohen Preises folgt Heroin, mit dem 6,8 Milliarden Euro lukriert werden. Es folgen Kokain (24 Prozent oder 5,67 Milliarden Euro), Amphetamine mit acht Prozent (1,8 Milliarden Euro) und Ecstasy mit einem Anteil von drei Prozent oder 700 Millionen Euro.

Laut der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) mit Sitz in Lissabon ist die Zahl der Konsumenten illegaler Drogen seit Jahren relativ stabil. Dafür schreitet die Globalisierung voran. Die dafür gebildeten kriminellen Netzwerke sind Allianzen, die über ethnische und geografische Grenzen hinweg reichen. Es gibt außerdem Hinweise auf Verbindungen zwischen organisiertem Verbrechen mit Drogengeschäften und Terrororganisationen

In Europa sei dies aber bisher nicht der Fall, weil die Terroraktivitäten zunehmend fragmentiert und entweder durch kleine 'Zellen' oder 'Einsame Wölfe' ausgeführt würden. Andere Finanzierungsquellen als Suchtgifte seien hier dominanter. Trotzdem gebe es hier eine potenzielle Gefahr für die Zukunft durch die Drogenkriminellen.

Das globale Geschäft

Der Marktreport spricht deutlich von einer Globalisierung des illegalen Drogenhandels. Herstellung und Transport werden diversifiziert, Suchtgift via Container-Schiffsverkehr seien eine direkte Konsequenz.

Die Sache Cannabis: Mehr als 80 Millionen Erwachsene haben bereits Cannabis benutzt, mehr als 22 Millionen im vergangenen Jahr. "Etwa ein Prozent der Erwachsenen in Europa verwendet es fast täglich, was die größten Bedenken bezüglich der damit verbundenen Gesundheits- und Sozialprobleme verursacht", heißt es in dem Bericht. Der Markt wird zunehmend durch in Europa Indoor-gezüchtete Hanfpflanzen dominiert. Das Harz hingegen kommt weiterhin vor allem aus Marokko und ist immer höher konzentriert, was den psychoaktiven Inhaltsstoff THC angeht. Der Trend bei den Polizeianzeigen deutet nach oben.

Beim prinzipiell gefährlicheren Heroin schrumpft derzeit offenbar der Markt in Europa. "Insgesamt deuten die vorhandenen Indikatoren auf einen Zurückgang des Bedarfs an dieser Droge im vergangenen Jahrzehnt hin", schreiben die Experten. In einzelnen Ländern und Regionen gebe es allerdings auch beunruhigende Trends. Die Opiat-Ersatzmittel Methadon und Buprenorphin hätten sich ebenfalls auf dem illegalen Markt etabliert.

Für die Verwendung von Buprenorphin hatte man vor Jahren gerade im österreichischen Gesundheitsministerium mit dessen mangelnder Eignung für eine illegale Verwendung im Vergleich zu lang wirksamen und oral einzunehmenden Morphinen argumentiert. Hinzu kommt laut den Fachleuten, dass zunehmend hoch wirksame synthetische Opiate wie Fentanyl (sehr wirksames Schmerzmittel aus der medizinischen Praxis) abgezweigt würden. 2014 gingen in diesem Bereich in Europa die Anzeigen zurück.

Letzteres ist in Europa auch bei Kokain der Fall. "Indikatoren für den Bedarf deuten auf einen generell stabilen bis ein wenig reduzierten Gebrauch hin (...)." Trotzdem wurden beispielsweise allein 2013 rund 690 Tonnen des Suchtgiftes international beschlagnahmt. Die Produktionsmenge dürfte rund 700 Millionen Tonnen - vor allem aus Kolumbien, Peru und Bolivien - betragen. Während ehemals die Transportwege vor allem Richtung Spanien, Portugal und Westeuropa gingen, scheint sich via Afrika und den arabischen Raum ein weiterer Schmuggelweg aufzutun.

Mode-Drogen

Viel dynamischer ist offenbar der Markt für Stimulanzien, zum Beispiel Amphetamin, MDMA (Ecstasy) und Metamphetamin. Die Konsumenten dieser Drogen würden sehr schnell von einer Substanz zur anderen wechseln, je nach Erhältlichkeit, Preis und Qualität. Zu diesem Thema kommt auch Österreich in dem Bericht vor - allerdings, weil hier Tschechien der offenbare Urheber ist. "Trotz der geringen Bedeutung in anderen Weltregionen war der signifikante Metamphetamin-Gebrauch in Europa vor allem auf Tschechien und die Slowakei beschränkt (...)." Dort werden viele der Substanzen in illegalen Labors produziert. Der Konsum diffundiere aber auch auf niedrigem Niveau in Richtung angrenzender Länder wie Österreich, Deutschland und Polen. Eine Problematik auf niedrigem Niveau wurde zuletzt von österreichischen Stellen in Oberösterreich geortet.

Bei den neuen psychoaktiven Substanzen gibt es "keine Zeichen einer Verlangsamung bei der Zahl der Stoffe, ihren Typen und der Erhältlichkeit", heißt es schließlich zu diesen synthetischen Drogen, die unter den verschiedensten Bezeichnungen gehandelt werden. Cathinone und Cannabis-ähnliche Stoffe gehören dazu. Sie sollen zum Teil Amphetamine, Ecstasy und Kokain "legal" ersetzen. 2015 allein wurden rund hundert neue Substanzen registriert, von der EMCDDA sind mehr als 560 in Beobachtung.

Ein Kennzeichen dieser Szene ist der Internethandel und die Herstellung im Fernen Osten. Beides hätte es China erlaubt, ein Großhändler für neue chemische und pharmazeutische Substanzen zu werden, heißt es in dem Report. Der Ferntransport von Waren im Zeitalter der Globalisierung per Container schafft neue Möglichkeiten zum Vertrieb. "Der Container-Verkehr hat sich in Rotterdam zwischen 1990 und 2014 von ehemals 7,4 Millionen Containern auf mehr als 20.000 pro Tag um den Faktor Sieben erhöht", heißt es in dem Report. Mit dabei können auch leicht illegale Drogen sein.

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