Drei und T-Mobile geben Startschuss für 5G

Drei und T-Mobile geben Startschuss für 5G

Hutchison Drei Austria (Drei) und T-Mobile haben ihre 5G-Netze soweit getestet, dass sie nun kommerziell starten können. Massentauglich wird 5G erst im Jahr 2020. Experten rechnen damit, dass die Netzbetreiber in der zweiten Auktion tiefer in die Taschen greifen müssen, als zuletzt. Im Hintergrund läuft ein Vierkampf der 5G-Netzwerkausrüster.

Eine neue Qualität macht sich abseits von Mobilfunkmasten und Sendeanlagen breit, wenn es um die Ankündigung der neuen 5G-Mobilfunktechnologie geht. Die Netzbetreiber antichambrieren mit den Mächtigen der Republik. Drei hatte zuletzt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) empfangen, der sich das neue 5G-Netz von Hutchison Drei Austria (Drei) mit all seinen Funktionen, Möglichkeiten und Chancen im Testmodus zeigen ließ. Dem wollte T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth nicht nachstehen. Nach dem Motto "Unterm Kanzler geht's nicht". Mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und seiner Entourage angeführt von Verkehrsminister Norbert Hofer sowie der Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck wurde unter großem Medien-Tamtam bei T-Mobile der Startschuss für 5G gegeben.

Keine Lizenz zum Funken

Während T-Mobile schon seine 17 vorläufigen Test-Gemeinden für das neue 5G-Netz bekanntgegeben hat, gibt sich Drei-Generaldirektor Jan Trionow dazu noch etwas bedeckt. T-Mobile-Chef Bierwirth: "T-Mobile wird heute das erste Unternehmen sein in der Telekommunikationslandschaft in Europa, das ein 5G-Netz in den kommerziellen Echtbetrieb einschalten wird." Doch damit ist er nicht alleine zumindest nicht in Österreich. Zwei Stunden zuvor verkündete Drei-Chef Trionow die gleiche Botschaft - mit einer Einschränkung. "Wir sind nach 5G-Test nun bereit und werden in ausgewählten Pilotregionen starten. Wo wir 5G anbieten, sagen wir dann, wenn es soweit ist", meinte Trionow einsilbig schmunzelnd.

Der Startschuss für 5G alleine bedeutet noch nicht, dass die beiden Betreiber schon offiziell senden dürfen, trotz aller Vorschusslorbeeren der Spitzenvertreter von Österreichs Spitzenpolitikern. Kanzler Kurz auf der T-Mobile-Presseveranstaltung: „Österreich nimmt mit dem heutigen Tag eine Pionierrolle im 5G-Ausbau ein." Trotz medialer Anschubhilfe für T-Mobile wird es bei der Tochter der Deutschen Telekom noch genauso lange dauern wie bei Drei. Denn der kommerzielle Start kann offiziell erst dann erfolgen, wenn die Netzbetreiber auch den dafür notwendigen Bescheid zur Funkerlaubnis von der Telekomregulierungsbehörde RTR auf dem Tisch liegen haben. Dies wird frühestens Mitte April erwartet.

Wie viel die 5G-Dienste kosten, haben aber weder T-Mobile noch Drei verraten. "Wenn der Bescheid da ist, gehen wir sofort on air - mit kommerziellen Angeboten", sagt Drei-Chef Trionow. Geplant sind anfangs 5G-Router für Breitbandinternet. Aber zumindest ein 5G-Smartphone-Modell vom chinesischen Ausrüster ZTE hat Drei bereits im Angebot. T-Mobile will zunächst nur mit 5G-Routern in den Markt gehen.

Die neue Datenautobahn

Mit Übertragungsraten auf bis zu 10 Gigabit/Sekunde würde man mit 5G "von einer 4-spurigen zu einer 40-spurigen Autobahn" wechseln, sagt T-Mobile-Chef Bierwirth. Mit weiteren Fortschritten sei auch eine 400-spurige Autobahn denkbar. Doch nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Latenzzeiten sind der große Vorteil, den sich die Mobilfunker für die neue Mobilfunkgeneration versprechen. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für Gesundheitsanwendungen über Mobilfunknetz, Internet der Dinge (IoT) oder fürs Autonome Fahren.

"Der Massenmarkt für 5G erwarten wir für 2020", sagt Trionow. Das "Preisband" für die Smartphones der jüngsten Mobilfunkgeneration sei laut Trionow noch nicht so attraktiv. Soll heißen: Die derzeit wenigen am Markt erhältlichen 5G-Smartphone-Modelle sind noch zu teuer.

Drei will sich mit 5G neben Privatkunden vor allem auch auf Businesskunden fokussieren. "Wir sind der größte Privatkundenprovider, setzen aber auch auf das KMU-Geschäft", sagt Drei-CEO Trionow. Für globale agierenden Geschäftskunden hat Drei einen neuen Partner an Land gezogen. Mit Telefónica/O2 hat Drei ein Global Partnership eingegangen.

Dank Übernahme von Tele2, die Mitte des Jahres auch markentechnisch unter dem Dach von Drei gelandet ist, setzt das Unternehmen nun auch verstärkt auf Firmenkunden. Der Ausbau von "Drei Business" sei neben Internet einer der aktuellen Wachstumstreiber. Der Anteil der Geschäftskunden sei von 12 Prozent 2016 auf 23 Prozent 2018 gestiegen, das mittelfristige Ziel seien 26 Prozent.

Drei konnte im Jahr 2018 den Umsatz um 9 Prozent auf 881 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr steigern. 2018 sank der Betriebsgewinn (EBIT) von "Drei" in Österreich um 5 Prozent auf 229 Mio. Euro, wie das Unternehmen bekannt gab. Ausschlaggebend für den Rückgang waren laut Trionow Abschreibungen infolge des Kaufs von Tele2.

Die Vergabe der Lizenzen für den neuen, schnelleren Mobilfunkstandard der fünften Generation hat dem Staat rund 188 Mio. Euro ein. A1 (Telekom Austria) gab 64 Mio. Euro aus, T-Mobile 57 Mio. Euro und Drei (Hutchison) 52 Mio. Euro. Die zweite Auktionsrunde für die 5G-Lizenzen im kommenden Frühjahr dürfte noch spannender werden, geht es dabei um Frequenzbänder, die österreichweit für die Abdeckung wichtig sind. Laut Insidern könnte mit der Auktion - zur Freude des Finanzministers - noch höhere Erlöse erzielt werden, sollte erneut der Auktionsmodus eine Preistreiberei wie bei der LTE-Versteigerung oder zuletzt im Februar bei der Versteigerung der ersten 5G-Frequenzen befeuern.

Der Kampf der Ausrüster

Die Telekom Austria hat bereits Tags zuvor Nokia als Hauptlieferant für die neue 5G-Netzinfrastruktur zu beauftragen. Spannend dürfte das Rennen der Netzwerkausrüster allemal noch werden. Rittern um die Aufträge zum Ausbau der neu zu errichtenden 5G-Infrastruktur der drei Betreiber, die jeweils Milliardenaufträge versprechen, gleich fünf Ausrüster. Huawei soll technologisch bei 5G noch die Nase vorn haben vor Ericsson, Nokia, ZTE und Samsung. Handyweltmarktführer Samsung will unbedingt im Konzert der vier großen Ausrüster künftig mitspielen und vor allem in Europa künftig auch als Netzausrüster mitmischen. Drei-Chef Trionow gibt sich zu Wahl der Lieferanten noch einsilbig: "Wir starten zunächst einmal mit ZTE." Der zweitgrößte chinesische Netzausrüster ist langjähriger Netzausrüster von Drei, dessen Konzernmutter Hutchison Whampoa in Hongkong ansässig ist. ZTE ist derzeit Lieferant des ersten 5G-Netzausbaus. "Was im Frühjahr nach der zweiten Auktion sein wird, wird man noch sehen", so Trionow.

T-Mobile hat die Entscheidung für den Infrastrukturlieferant noch nicht endgültig getroffen. Huawei ist derzeit der 5G-Netzausrüster der Deutschen für den Start. Soweit politische Gründe der Deutschen Telekom-Tochter nicht in die Quere kommen, könnte Huawei der Lieferant Nummer 1 für die 5G-Sendeanlagen werden. Die Gründe, die dagegen sprechen, sind politischer Natur. Huawei muss sich seit Jahren immer wieder Spionagevorwürfe stellen. Kritisiert wurde zuletzt immer wieder das Naheverhältnis des Unternehmens zur Volksarmee und der Kommunistischen Partei Chinas. Die USA hatte zuletzt Huawei vorgeworfenen, trotz Ausfuhrverbots Netztechnologie in den Iran verkauft zu haben. Zur Erinnerung: Weltweit gibt es seit Jahresende 2018 gleich mehrere Länder, die ihren Mobilfunkbetreibern untersagt haben, Huawei weiterhin als Netzwerkausrüster zu verpflichten.

Dabei geht es nicht nur um die nationale Sicherheit. Die Sorge, dass Betriebsgeheimnisse weiter gereicht werden, verstummt auch auf Seiten vieler Unternehmen nicht.

Die Analyse der Risiken

Die EU-Kommission pocht wegen möglicher Gefahren durch chinesische Technologie beim 5G-Aufbau auf ein europaweit abgestimmtes Vorgehen.

Mit Blick auf die 5G-Infrastruktur sollen die EU-Staaten zunächst bis Ende Juni jeweils nationale Risikoanalysen erstellen. Auf dieser Basis sollten die Länder dann ihre Sicherheitsanforderungen an die Netzwerk-Anbieter überarbeiten - vor allem für öffentliche Netzwerke.

Die EU-Staaten sollten dann untereinander Informationen austauschen, um bis Oktober mit Unterstützung der EU-Kommission eine europaweite Risikoanalyse zu erstellen. Auf deren Grundlage sollten dann einheitliche Sicherheitsstandards und -tests beschlossen werden. EU-Staaten hätten letztlich das Recht, Unternehmen vom 5G-Markt auszuschließen, wenn sie die nationale Sicherheit gefährdet sähen, betonte die EU-Kommission.

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