Drei ohne Rekordjubel Möchtegern-Zweiter

Drei ohne Rekordjubel Möchtegern-Zweiter

Drei-Chef Jan Trionow will einmal mehr den Gamechanger spielen. Er braucht noch eine Verlängerung, um T-Mobile Austria mit einem entscheidenden Dribbling zu überspielen.

Mobilfunkanbieter Hutchison Drei Austria (Drei) hat im Geschäftsjahr 2015 sein Rekordergebnis eingefahren. Und will es nur widerwillig feiern. Gleich mehrere Gründe führen dazu, den "Torjubel" sogar zu vermeiden. Doch das direkte Match gegen T-Mobile Austria geht in die Verlängerung. Der Matchplan steht.

Wien. Rekordergebnis! Glückseligkeit, Freude – Fehlanzeige. Im Torjubel müsste Hutchison Drei Austria (Drei) angesichts der Ergebnisse ganz laut sein, gilt es - wie bei Bayern München am gestrigen Mittwochabend , als gegen Juventus Turin in allerletzter Minute das Spiel gedreht wurde – ein epochales Ergebnis abzufeiern. Doch Mobilfunk ist nicht mehr das, was es in der Wachstumsphase einst war, wo Euphorie, Finten und Überraschungsmomente eine ganze Branche prägten. Oder sagen wir: Als Euphorie, Individualität und Fintenreichtum und quasi der Zug zum Tor ein Teil der Taktik und Strategie der Mobilfunker war - und den Matchplan geradezu bestimmt hat.

Der verheimlichte Rekord

Torjubel bei Drei? Fehlanzeige. Warum mit keiner Silbe das Wort „Rekordergebnis“ bei der Bekanntgabe der Jahresergebnisse verwendet wird, musste der Autor dieser Zeilen dem durchaus erfolgreichen Drei-Chef geradezu auspressen. Drei-Chef Jan Trionow reagiert mit fast preußischer Eiseskälte. Und Kalkül. Erst auf mehrfaches Nachfragen räumt Trionow dann ein und bekräftigt: „Selbstverständlich, das ist ein Rekordergebnis.“

Zu den Zahlen: Drei hat 2015 einmal mehr alles reingeworfen, was Key Performance Indicator (KPI) hergeben. Das dritte Geschäftsjahr nach der Übernahme von Orange Austria (per 1.1.2013) würde in einem sinkenden Markt einen jeden Unternehmenslenker auch nach außen zum emotionalen Überflug veranlassen. Umsatz um 7,0 Prozent auf 736 Millionen Euro gesteigert, Gewinn (EBIT) um 48 Prozent gegenüber dem kaum schlechteren Geschäftsjahr 2014 auf 252 Millionen Euro gesteigert. Das EBITDA (Gewinn vor Steuern, Abschreibungen, Zinsen) als einen weitern nicht ganz unwichtigen KPI, an dem Trionows Austria-Team in Hongkong genau gemessen wird, konnte um 48 Prozent auf 316 Millionen Euro gesteigert werden. Und die Kosten wurden von 212 Millionen Euro auf 181 Millionen Euro gesenkt


Man muss beim Jubel eine gewisse Demut haben

Das jahrelange Jammern über den Telekom-Regulator, sinkende Preise und Regierungen (Stichwort: Breitbandinitiative und fehlende Beachtung durchs BMVIT) blieb dafür genauso aus wie der Rekordtaumel.

Lediglich bei den Investitionen lässt Drei etwas nach. Im Jahr 2014 hatte der Österreichableger des Mischkonzerns Hutchison Whampoa aus Hongkong 135 Millionen Euro investiert, 2015 waren es noch 115 Millionen Euro und heuer wird’s laut Trionow in etwa genauso viel.

Die heimliche Nummer 2

Und warum kein Torjubel à la Bayern München beim gestrigen Match gegen Juventus Turin (Anm. das gestern nach einem 0-2 in ein 4-2 gedreht wurde) ? Trionow erklärt es nüchtern und trocken: „Man muss beim Jubel eine gewisse Demut haben.“ Und dem üblichen Sprech wie …“im Interesse der Kundenzufriedenheit“ … „und wir werden weiterhin unser Bestes geben“ ... "und investieren in Qualität..." .

Und da schließt sich fast wieder der Kreis zum Fußball: Superstars geben Interviews, die wenig originelle Einsichten bringen. „Weichspülerantworten“, nennen es die Journalisten-Kollegen vom Sport, wenn Emotionen verhindert, der überschwängliche Jubel in Interviews trotz Erfolg gezähmt und gar in der Regungslosigkeit erstarrt.

Doch Profifußball ist nicht Mobilfunk. Und die Zeiten des grenzenlosen Jubels der Mobilfunker ist passé. Das Zelebrieren von schneller, weiter, und Nummer-1- und Besserseins ist dem kalkulierten Imperativ gewichen.


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Ein zweiter Torjubel bleibt heute ebenso aus, obwohl Drei allen Grund dazu hätte. Drei hat 2015 zwar seinen Kundenstock um 5,0 Prozent auf 3,8 Millionen Kunden ausgebaut (plus 200.000 Neukunden) und somit sogar den Zweiten T-Mobile überdribbelt und auf Rang drei verdrängt. So sieht man es bei Drei.

Doch T-Mobile Austria und die Rechenarithmetik verderben Drei die Feierstimmung. Nichts ist mit Feierlaune und offiziellen Ankündigungen wie „Drei ist nun Zweiter“ oder „Drei überholt T-Mobile“. Mehr als Vielleicht-Nummer-Zwei oder Möchtegern-Nummer-2 scheint nicht drin. T-Mobile rechnet neuerdings die Zahl der SIM-Karten mit. Mit SIM-Karten etwa auch für Kühlschränke, Stromzähler, Heizungen und Garagenöffner hat T-Mobile den Ball mindestens auf dem Elfmeterpunkt liegen.

Und so sind dann die Deutschen mit ihrer Österreich-Dependance – freilich nach der Zählweise ihres eigenen Matchplans - dann doch wieder die Nummer 2. Alleine die Kunden zusammen zu zählen, wie es bisher gerechnet wurde, spielt offenbar in der Marktarithmetik als KPI nicht mehr die dominierende Rolle.

Doch Trionow gibt sich auch hier bescheiden: „Wichtig ist der Profit.“ Kontrollierte Offensive, statt ungestümes Anstürmen scheint die Strategie zu sein, aus der immer wieder kleine taktischen Spitzen ins Spiel eingebracht werden.

Um gleich einen anderen Joker zu ziehen: „Wir sind der zweitgrößte Breitband-Internetprovider.“ In Zahlen: Eine Million Kunden wollen laut Trionow ausschließlich über das Drei-Netz surfen, 300.000 Kunden nutzen die von Drei verkauften Router für den Internet-Zugang für zu Haus. Und LTE habe im Vorjahr Österreichweit komplett die jüngste Funkt-Technologie LTE ausgebaut bis auf wenige Regionen, wo es nicht wirtschaftlich ist. Dort hofft Trionow auf entsprechende Förderung von Bund und Länder.

Der unheimliche Markt

Wie sich das Marktspiel von Angebot und Nachfrage, Offensive und Verteidigung, heuer entwickeln wird, wollte Trionow nicht einschätzen. „Im Vorjahr sind die Preise gesunken.“ Just ab der Übernahme von Orange durch Drei im November 2012 kam es im Mobilfunkmarkt in Österreich zu einem kräftigen Preisanstieg – von 80 Basispunkten auf fast 110. Erst mit dem Eintritt von neuen Anbietern als MVNO (Mobile Vuirtual Network Operator; Anm. Mobilfunker ohne eigenes Netz) ab Jänner 2015 von Hofer Telecom gingen die Preise zurück. Ende Dezember 2015 liegt der Indexpreis bei 90 Punkten.

Profitiert haben von der Orange-Übernahme somit nicht nur Drei, sondern auch für Telekom Austria und T-Mobile war der Deal eine Steilvorlage, die mit Mobilfunk wieder Profite einnetzen können. Im Zeitraum 2011 bis Mitte 2015 haben sich auch die Marktanteile kaum mehr verändert und eher einzementiert. Die Schiedsrichter der Wettbewerbsbehörde in Brüssel wollten mit dem Drei-Deal im November 2012 genau diesen Effekt der Marktverharrung unterbinden. Und Wettbewerb fördern.

Ob es heuer wieder zu mehr Dynamik und Wettbewerb, zum Beispiel zum Weihnachtsgeschäft, und einer weiteren, aggressiveren Zuspitzung des Preiskampfes kommen wird, etwa durch neue Player wie sogenannte Mobile Virtual Network Operator (MVNO), wollte Trionow nicht sagen. Ob heuer noch weitere MVNO starten, bezweifelt der Drei-Teamchef - schon angesichts der sinkenden Preise.

Jedenfalls haben diese kleinen MVNO, die ohne eigenes Netz, aber als Mieter Infrastruktur der drei großen Netzbetreiber nutzen oder als Wiederverkaufer unter eigener Marke agieren, im Vorjahr den Markt ein wenig in Bewegung gebracht und insgesamt rund 5 Prozent Marktanteil erreicht. HoT (Hofer Telekom), Spusu, UPC Mobile und Tele2 mobile sind seit 2015 gestartet. Der jüngste Telekom-Monitor 2016 (stand 30.9.2015) des heimischen Telekomregulierers sieht die MVNO insgesamt noch bei rund 3 Prozent Marktanteil. T-Mobile war noch bei 28,5 Prozent, Marktleader Telekom Austria war bei 40,5 Prozent per 30.9.2015.

Zählweise hin, Matchplan her - Hutchison Drei Austria (Drei) hat das Spiel gedreht. Und dürfte von der Übernahme mehr profitiert haben, als die Konkurrenz das einbekennen will. Nach dem Anpfiff in Österreich im Jahr 2002 war Drei quasi von der Reservebank aus gestartet. Als 5. Mobilfunker versuchte Drei mit Videotelefonie und Gratishandys im Doppelpack den Markt von hinten aufzumischen.

Der lange Atem in der Verlängerung

Angesichts des langfristig ausgelegten Matchplans von Htuchison Whampoa in Honkong, gibt es kaum Zweifel, dass Konzern-Chef Canning Fok auch in Österreich die Nummer 2 anstrebt. Wer Fok kennt, weiß, dass er quasi als Gamechanger spätestens in der Verlängerung das Match gewinnen will. Und Drei spielt bereits das 14. Jahr in Österreich mit.

Drei-Teamchef Trionow kann in Österreich noch mit der durchgestrichenen Drei-Werbebotschaft „So einfach geht das nicht“ sich noch spielen. Eine zweite Botschaft „So läuft das nicht“ scheint der Matchplan von Drei für 2016 zu sein, um das "nicht" zu streichen. Die Redenschreiber haben die Jubel-Schlagzeilen für die Verlängerung schon vorbereitet, um das Unentschieden gegen T-Mobile auch in Bälde als Sieg mit dem entsprechenden Torjubel zu verkünden. So wie Bayern München gegen Juventus Turin in der allerletzten Minute noch nach dem 0-2 auf 2-2 stellt. Und zum Gamechanger in der Verlängerung zum 4-2 wurde – inklusive echtem Torjubel und Euphorie.

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