Doppelmayr hievt Südamerika in die Lüfte

Doppelmayr hievt Südamerika in die Lüfte
Doppelmayr hievt Südamerika in die Lüfte

Linea Amarilla: Die gelbe Linie verbindet das auf 4000 Meter gelegene El Alto mit der auf 3600 Meter gelegenen Metropole La Paz.

Für den Vorarlberger Seilbahnhersteller Doppelmayr entwickelt sich Südamerika zum "Hot Spot": Jüngst wurde ein Vertrag für ein Stadtseilbahnprojekt in Bogota unterzeichnet, in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, werden zu den drei bestehenden Seilbahnlinien bis 2019 sechs weitere hinzukommen. Hauptmarkt bleibt für den Weltmarktführer aber nach wie vor Österreich.

In La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, muss man nicht stundenlang im Stau stehen oder in überfüllte Busse steigen. Stattdessen bringen die gelbe, grüne oder rote Linie die Menschen von einem Punkt zum andern - in der Luft und das 17 Stunden täglich. Die drei Linien der Stadtseilbahn befördern rund 6000 Menschen pro Stunde, La Paz hat das größte innerstädtische Seilbahnnetz der Welt.

Ausgeführt hat den Bau der Vorarlberger Seilbahnhersteller Doppelmayr, der auch die Masten lieferte. Nun sicherte sich das österreichische Unternehmen das nächsten Großauftrag: Bis 2019 werden sechs weitere Seilbahnlinien gebaut.

"Südamerika ist derzeit ein Hot Spot für Stadtseilbahnen", sagt Pressesprecher Ekkehard Assmann zu FORMAT.at. Aufgrund der "besonderen topographischen Lage" - Bogota liegt auf 2640 Meter, La Paz auf über 3000 Meter - und der wenig vorhandenen Verkehrsinfrastruktur in den Bergen bieten sich Seilbahnen als Transportmittel an.

Österreichisches Know-how gefragt

Das Know-how von Doppelmayr ist gefragt: Neben dem Projekt in Bolivien wurde Mitte Juli der Vertrag für eine Stadtseilbahn in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota unterzeichnet. Die 3,3 Kilometer lange kuppelbare Gondelbahn wird in den kommenden zwei Jahren realisiert, die 160 Gondeln fahren insgesamt vier Stationen an.

"Viele Bewohner aus Ciudad Bolivar arbeiten im Zentrum von Bogota, der Weg zu ihrem Arbeitsplatz kann jeden Tag bis zu zwei Stunden dauern", so Assmann. In der venezolanischen Hauptstadt Caracas fährt bereits der "Cabletren Bolivariano", auch in Chile war Doppelmayr bereits aktiv.

Im Gegensatz zu Skiliften müssten bei Stadtseilbahnen sehr viel längere Betriebszeiten, der Verkehr in der Stadt und technische Besonderheiten in den Kabinen berücksichtigt werden, so Assmann.

In Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, hat Doppelmayr auch schon ein Stadtseilbahnprojekt verwirklicht.

Österreich immer noch stärkster Markt

Wie hoch das Geschäftsvolumen für Bogota ist, wollte Doppelmayr nicht kommentieren. Laut Angaben von Procolombia, der kolumbianischen Handelsvertretung in Frankfurt, betragen die Kosten 9,4 Millionen Euro. Beim Ausbau des Netzes in La Paz beziffern bolivianische Medien das Geschäftsvolumen auf rund 450 Millionen Dollar (410 Millionen Euro).

Trotz der guten Auftragslage aus Südamerika sei laut Doppelmayr-Sprecher Assmann der Markt in Österreich noch nicht gesättigt. "Österreich ist unser stärkster Markt weltweit." 80 Prozent des Umsatzes macht das Vorarlberger Unternehmen mit Winterseilbahnen. Das Geschäft mit Stadtseilbahnen macht aktuell rund 10-15 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Im Geschäftsjahr 2013/14 erwirtschaftete Doppelmayr 858,3 Millionen Euro, ein Umsatzplus von knapp 8 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Ein Fünftel des Umsatzes wird in Österreich generiert, der Rest im Ausland. Doppelmayr beschäftigt weltweit 2452 Mitarbeiter (Vorjahr: 2378), davon die Hälfte (1265 nach 1204) in Österreich. Das Unternehmen hat bereits in 89 Länder weltweit exportiert.

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