Do & Co-Gründer Attila Dogudan: "Zurück zu den Wurzeln"

Österreichs Gastro-Konzern Do & Co ist einer der größten Verlierer der Corona-Krise. Der Gründer Attila Dogudan ist sicher, trotzdem über die Runden zu kommen, und baut die Hauszustellung aus.

Do & Co-Gründer Attila Dogudan: "Zurück zu den Wurzeln"

HAUSZUSTELLER. Ohne Kündigungen wird es bei Attila Dogudan nicht gehen: "Nur Unternehmen, die überleben, können danach wieder Jobs schaffen."

Airlinecatering, Eventcatering, Hotels & Restaurants. Das sind die drei Divisionen des Gastronomiekonzerns Do & Co. Und alle drei sind durch den globalen Shutdown des öffentlichen Lebens fast zu Gänze stillgelegt. Fast alle Fluglinien haben ihren Betrieb entweder gänzlich oder größtenteils eingestellt - just während des Telefongesprächs mit dem trend ereilt den Gründer und CEO Attila Dogudan die Nachricht, dass auch die größte Airline der Welt, Emirates, ihre Flotte komplett am Boden lässt. Events finden fast keine mehr statt. Hotels und Restaurants mussten schließen.

Das Lebenswerk eines Mannes, der, abgesehen von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, wahrscheinlich die größte unternehmerische Leistung in Österreich während der letzten Jahrzehnte vollbracht hat, scheint innerhalb von zwei, drei Wochen ausradiert zu sein.

Dafür ist Attila Dogudan überraschend gefasst. "Wir sind ja nicht die Einzigen, es geht sehr vielen Unternehmen ähnlich. Auch ein Hutgeschäft verkauft derzeit keinen einzigen Hut." Zweifel, dass Do & Co diesen Supergau in sämtlichen Geschäftsfeldern nicht überleben könnte, hegt er keine Sekunde - und man nimmt ihm ab, dass er das nicht nur fürs Protokoll sagt. "Wir haben eine wirklich hohe Liquidität. Ich nenne den Betrag nicht, aber sie reicht für sehr lange Zeit. Do & Co hat immer sehr konservativ gewirtschaftet und Reserven angelegt."

Den langen Atem wird es auch brauchen. Der Unternehmer rechnet durchaus damit, dass die Krise in seinen Branchen "bis zu einem Jahr und mehr" dauern wird. Von 12.000 auf rund 15.000 Mitarbeiter weltweit wollte Do & Co bis zum Sommer 2020 aufstocken, so sah die Prognose aus. Jetzt geht es rasend schnell in die andere Richtung. Mehrere Wochen noch werden Dogudan und seine Führungsmannschaft damit beschäftigt sein, das Personalthema in den Griff zu kriegen.

Kosten runter

Denn es ist nicht auszuschließen, dass Do & Co heuer 50 Prozent oder mehr seines Umsatzes verliert. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Der erst kürzlich abgeschlossene Vertrag mit British Airways, ein Meilenstein für das Unternehmen, steht erst einmal hauptsächlich auf dem Papier; das Großprojekt Fußball-Europameisterschaft 2020 ist abgesagt. Etwas Geschäft gibt es noch in England, der Türkei - Turkish Airways fliegen noch eingeschränkt - und in den USA. Die Kosten, bei einem Dienstleister überwiegend Personalkosten, müssen rasch und radikal sinken.

Sonst reichen auch die Reserven von Do & Co nicht ewig. In fast allen der 20 Länder, in denen der Konzern tätig ist, haben die Regierungen - ähnlich wie in Österreich - Hilfspakete geschnürt. Dogudan, seine Länderchefs und andere Schlüsselkräfte verhandeln nahezu rund um die Uhr in jedem Staat über Unterstützungen, vor allem in Richtung Kurzarbeit, "um möglichst viele Leute im Unternehmen halten zu können".

Kündigungen sind trotzdem unausweichlich. Es ist zu erwarten, dass rund ein Drittel der Beschäftigten seinen Job verlieren wird, das wären weltweit zirka 4.000 Leute. Attila Dogudan will sich auf keine Zahl festlegen, sagt aber:"Wenn bei einer Airline wie der AUA alle Flieger stehen, wird es mit Kurzarbeit alleine nicht funktionieren." Und: "Nur Unternehmen, die überleben, können danach wieder Jobs schaffen."


Do & Co
SITZ: Wien
BRANCHE: Catering
MITARBEITER: 12.000
UMSATZ: 847 Mio. Euro

Die verbleibenden Fixkosten, etwa Gebäudemieten, kann Do & Co aus der Liquidität bestreiten. Die riesigen Lebensmittellager stellen kein Problem dar, weil die täglich gelieferte Frischware verbraucht und der Rest lange haltbar ist. Und den Zugang zu den staatlichen Hilfen in Österreich beschreibt Dogudan als sehr schnell und unkompliziert.

Wickel hatte er nur - wieder einmal - mit der Gewerkschaft. Nachdem er kürzlich 800 Mitarbeiter in Österreich vorsorglich beim AMS angemeldet hatte, warf ihm die Gewerkschaft vida in einer geharnischten Aussendung umgehend unsoziales Verhalten und Kündigungen, "ohne mit der Wimper zu zucken" vor. Dogudan spricht von einer Vorsichtsmaßnahme, der selbstverständlich Verhandlungen über Alternativen folgten. Er ist erbost: "In so einer dramatischen Lage wieder nur einen Kleinkrieg anzuzetteln, zeugt von einer eigenartigen Geisteshaltung."

Im Unternehmen seien die Mitarbeiter hingegen höchst kooperativ. Fast alle, die auf der Payroll stehen und im Moment nichts zu tun haben, hätten sich bereiterklärt, sämtlich Urlaubstage aufzubrauchen und teilweise sogar unbezahlten Urlaub zu nehmen. Es werden auch Gutstunden aufgebaut, die Do & Co mit allfälligen künftigen Überstunden gegenrechnen kann.

Glück im Unglück

Das Ende November 2019 verlorene Bietermatch um den Airline-Caterer LSG, das Dogudan damals richtig geärgert hat, stellt sich im Nachhinein als Riesenglück heraus. Anderenfalls hätte er jetzt zusätzliche 9.000 Mitarbeiter im Konzern - und über 100 Küchen weltweit, in denen zur Zeit nicht einmal mehr ein Sandwich belegt wird. "Für diese Niederlage muss ich unendlich dankbar sein."

Auch persönlich macht Attila Dogudan gerade ein paar neue Erfahrungen. Der Workaholic, der sonst in seinem Jet von einem Geschäftstermin zum anderen um den Globus düst, sitzt in seinem Büro in Wien fest: "Ich war noch nie so lange am Stück in Österreich. Aber ich lerne dabei, dass ich viel von hier aus regeln kann und nicht überall vor Ort sein muss. Eine Videokonferenz zwischen Wien, London und Madrid via iPad funktioniert genauso." So mancher Blickwinkel ändert sich gerade: "Bis dato hast du als halb kaputt gegolten, wenn dein Unternehmen einmal zehn Prozent Umsatz in einem Jahr verloren hat. Jetzt erkennen wir, dass wir sogar viel Schlimmeres überleben können. So ein totaler Shutdown steht ja in keinem Lehrbuch."

Der Staat müsse gesunden Betrieben lediglich helfen, über Wasser zu bleiben - und mögliche Trittbrettfahrer abwehren, die sowieso pleite gegangen wären, etwa die Restaurantkette Vapiano. "Wenn das alles in Österreich am Ende 80 statt 40 Milliarden Euro kostet, dann ist es halt so. In diesem Fall ist eine keine Katastrophe, dafür nachher Geld zu drucken, weil es weltweit eh alle tun müssen." Im Übrigen könne sich Österreich möglicherweise als erstes Land in Europa wieder erholen.

Neben seinen Aktivitäten als Krisenfeuerwehr denkt das Management von Do & Co schon jetzt über Anpassungen bei den Businessmodellen nach, die notwendig sein werden. Unabhängig von der Corona-Katastrophe ging die Strategie schon vorher in die Richtung, parallel zum Großkundengeschäft Essen verstärkt direkt an die Endkonsumenten zu verkaufen; etwa über Shops, Restaurants und Onlineplattformen. Das soll nun beschleunigt werden, denn Dogudan glaubt nicht, dass im Airlinecatering, seinem Hauptstandbein, das Vorkrisenvolumen wieder erreicht wird.

Dieser Bereich wird essenziell schrumpfen, weil die Menschen weniger fliegen werden. "Aber die Menschen wollen essen, ganz gleich, wo; vielleicht halt weniger im Flugzeug. Da müssen wir innovativ sein. Zugleich arbeiten wir auch an neuen Modellen für Airlines, um in einer geänderten Situation die Kraft unserer Marken für beide Seiten wertsteigernd nutzen zu können."

Bereits auf Hochtouren laufen die Planungen für den raschen Ausbau der Essenszustellung an Haushalte oder Büros. "Fernsehen und gutes Essen sind ja in dieser Zeit für viele die einzigen Vergnügungen." Dogudan geht davon aus, dass Restaurants noch viele Wochen gesperrt bleiben und auch danach nur spärlich frequentiert werden. Lieferservices könnten demnach längerfristig boomen. "Wir haben als Delikatessenladen mit Zustellung begonnen. Jetzt kehren wir zu diesen Wurzeln zurück - aber hoffentlich nicht beim Umsatz."


Es ist auch diese große Portion Selbstironie, die den Selfmade-Unternehmer selbst die größten Rückschläge wegstecken lässt.



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