Digitalisierung: KMU mit großem Handlungsbedarf

Digitalisierung: KMU mit großem Handlungsbedarf

Digitale

Österreichs Klein- und Mittelbetriebe sind sich der Bedeutung der Digitalisierung wohl bewusst, doch es hapert in vielen Fällen mit der Umsetzung. Eine neue Studie von Deloitte Österreich zeigt, dass noch erheblicher Aufholbedarf besteht.

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Neue technologische Möglichkeiten werden in den nächsten Jahren die Arbeitswelt und den Alltag aller entscheidend verändern. Routine-Arbeiten werden zunehmend von Maschinen übernommen, der Mensch ist zunehmend dort gefragt, wo Kreativität und Individualität gefragt sind.

Im Rechnungswesen haben Kreativität und Individualität per se nicht sonderlich viel Platz. Gerade dieser Bereich sollte daher einer derjenigen sein, in denen die Digitalisierung eine besonders große Rolle spielt. Im Rahmen einer Deloitte Österreich durchgeführten Studie hat sich jedoch gezeigt, das dem noch nicht so ist und dass es noch ein erhebliches Verbesserungspotenzial gibt. „Die österreichischen Mittelstandsunternehmen haben verstanden, dass die Digitalisierung ihre Geschäftswelt nachhaltig verändern wird“, erklärt Gerald Vlk, Partner bei Deloitte Österreich dazu. „Diese Erkenntnis muss nun ihren Niederschlag im unternehmerischen Alltag finden. Gerade im Rechnungswesen gibt es Verbesserungsbedarf.“

Viele Unternehmen stehen erst am Beginn der Automatisierung. Nur etwa jedes zweite Unternehmen hat OCR-Lösungen im Einsatz, mit deren Hilfe Eingangsrechnungen digitalisiert werden können. Mehr als die Hälfte der Unternehmen drucken digital erstellte Eingangs- und Ausgangsrechnungen immer noch aus. Statt Prozesse zu vereinfachen wird so ein Mehraufwand generiert, statt Kosten zu sparen werden zusätzliche Kosten generiert.

Deloitte Digitalisierung-Studie Oktober 2016

Deloitte Digitalisierung-Studie Oktober 2016

Herausforderungen bei der Digitalisierung

Die Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein für die Bedeutung der Digitalisierung - 95 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass sich dadurch ihre Geschäftsprozesse ändern - und der faktischen Umsetzung hat vielschichtige Ursachen, die sich unter dem Stichwort Unsicherheit subsumieren lassen.

So ist es etwa angesichts der Vielzahl der angebotenen Lösungen für die Unternehmen nicht leicht, den Überblick zu behalten und zukunftssichere Entscheidungen zu treffen. Ein weiterer Faktor ist, dass das technische Know-How der Unternehmen tendenziell mit ihrer Größe abnimmt. Das betrifft auch die umfangreichen Erfordernisse an IT-Sicherheit, die mit der Digitalisierung einhergehen. Tatsächlich erzielbare Kosteneinsparungen sind obendrein schwer zu kalkulieren und nicht gibt es bei den Unternehmen im Zusammenhang mit dem Umgang mit digitalen Dokumenten Unsicherheiten zu den Bereichen Datenschutz und Arbeitsrecht, aber auch bei der Regelung grenzüberschreitender Geschäfte.

An moderne Cloud-Lösungen wagen sich bisher überhaupt nur wenige Unternehmen. Im Rahmen der Deloitte-Studie gaben nur 15 Prozent der Unternehmen an, dass sie Cloud-Dienste verwenden. Sicherheitsbedenken sind ein ausschlaggebender Grund dafür. Durch neue Technologien wie Cloud-Services, mobile Endgeräte oder auch der Nutzung von sozialen Netzwerken steigen die potentiellen Risiken und die Notwendigkeit für Sicherheitsmaßnahmen.

Ausblick

Neun von zehn Unternehmen sind der Meinung, dass Digitalisierung und Automatisierung im nächsten Jahrzehnt eine große Rolle spielen werden. Dementsprechend stufen etwa 80 Prozent den Handlungsbedarf als zumindest mittel bis hoch ein. Das wäre auch wichtig, denn ein hoher Grad an Digitalisierung kann in den nächsten Jahren Wettbewerbsvorteile bringen und Österreich liegt Europa-Vergleich derzeit nicht im Spitzenfeld.

Da Standardprozesse die Voraussetzung für Automatisierung sind, werden sich auch KMU künftig zunehmend damit beschäftigen. Zusätzlich rückt auch ein weiteres Thema stark in den Fokus: Interne Kontrollen und Compliance. Der Fokus des Rechnungswesens wird in
diesem Bereich zukünftig stärker darauf liegen, automatisierte Arbeitsschritte durch Kontrollen abzusichern.

Auch die Arbeit der im Rechnungswesen aktiven Mitarbeiter wird sich in den nächsten Jahren verändern. Aus heutiger Sicht
werden Fähigkeiten in den Bereichen der Datenanalyse und der Interpretation von automatisch generierten Daten wichtig sein.


Service

Studie "Automatisierung und Digitalisierung im Rechnungswesen" von Deloitte Österreich; zum Download klicken Sie hier oder auf die untenstehende Abbildung.

Studie "Automatisierung und Digitalisierung im Rechnungswesen" von Deloitte Österreich

Studie "Automatisierung und Digitalisierung im Rechnungswesen" von Deloitte Österreich

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