Datenhighway: Österreichs SAP-Berater sehen ungenützte Potenziale

(vlnr): Robert Resch, Business Development bei SCC EDV Beratung; Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Axel Vetter, Head of S/4HANA bei SAP Zentral- und Osteuropa; Martin Katzer, Atos Vice President, Business & Plattform Solutions; Michael Bergmann, Geschäftsführer von Scheer Austria

(vlnr): Robert Resch, Business Development bei SCC EDV Beratung; Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Axel Vetter, Head of S/4HANA bei SAP Zentral- und Osteuropa; Martin Katzer, Atos Vice President, Business & Plattform Solutions; Michael Bergmann, Geschäftsführer von Scheer Austria

Wenn es um Künstliche Intelligenz, Big Data und neue Geschäftsmodelle geht, haben Österreichs Top-Managementberater ein Wörtchen mitzureden. Sie sehen derzeit einen klaren Trend in Richtung "Mieten statt Kaufen" und "Spracherkennung fürs Datenmanagement" – und darüber hinaus goldene Zeiten für den Arbeitsmarkt. Wie die Auffahrt auf den Datenhighway gelingen kann, darüber diskutierte die prominente Runde Ende Juni beim Round Table des trend im SAP-Forum.

Medienkooperation

(vlnr): Robert Resch, Business Development bei SCC EDV Beratung; Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Axel Vetter, Head of S/4HANA bei SAP Zentral- und Osteuropa; Martin Katzer, Atos Vice President, Business & Plattform Solutions; Michael Bergmann, Geschäftsführer von Scheer Austria

Manche stehen noch in der Garage, andere sind immerhin schon Richtung Auffahrt unterwegs. Und nur ganz wenige haben bereits die Überholspur erreicht. Für alle anderen heißt die Frage, wie die Auffahrt auf den Datenhighway gelingen kann. Darum ging es auch beim aktuellen Round Table des Magazins trend mit Vertretern führender IT-Dienstleister und Software-Unternehmen, moderiert von trend-Mitarbeiter Arne Johannsen.

Generell lassen sich zwei Tendenzen erkennen: „Digitalisierung wird einerseits genutzt, um administrative Tätigkeiten wie zum Beispiel das Rechnungswesen zu automatisieren und die Mitarbeiter für andere, anspruchsvollere Tätigkeiten freizuspielen. Zum anderen geht es um die Nutzung neuer, digital unterstützter Geschäftsmodelle“, fasst Axel Vetter, Head of S/4HANA bei SAP Zentral- und Osteuropa, die aktuelle Situation zusammen.

Vorrang für Effizienz


Robert Resch, Business Development bei SCC EDV Beratung

Robert Resch, Business Development bei SCC EDV Beratung

Allerdings liegt der Fokus der heimischen Unternehmen eindeutig bei der Optimierung. „Man kann ein großes Ungleichgewicht erkennen“, analysiert Robert Resch, verantwortlich für das Business Development bei scc EDV Beratung, „bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle stehen die Unternehmen erst am Beginn, bei der Prozessoptimierung sind sie bereits mittendrin.“ Bei einem Großteil der scc-Projekte gehe es über Fragestellungen der klassischen Automatisierung hinaus um durchgängige Prozessgestaltung. Besonders nachgefragt: Papierlose Geschäftsabläufe.

Michael Bergmann, Geschäftsführer von Scheer Austria

Michael Bergmann, Geschäftsführer von Scheer Austria

Ein Selbstläufer ist die Digitalisierung jedenfalls nicht. Auch wenn die Versprechungen gewaltig sind: Effizientere und kostengünstige Prozesse bei zusätzlichen Umsätzen durch neue, digitale Geschäftsfelder. Wer will das nicht? „Die Digitalisierung bietet große Chancen, aber man muss sich rechtzeitig damit beschäftigen, um die Entwicklung mitgestalten zu können und nicht nur davon betroffen zu sein“, bringt es Michael Bergmann, Geschäftsführer von Scheer Austria, auf den Punkt. Als warnendes Beispiel gelten Buchhandel und Reisebüros, die als erstes von neuen Online-Mitbewerbern betroffen waren – und zwar wirklich betroffen.

Alles nur ein Click


Martin Katzer, Atos Vice President, Business & Platform Solutions

Martin Katzer, Atos Vice President, Business & Platform Solutions

Am größten ist die digitale Herausforderung derzeit für Dienstleister und Unternehmen, die an private Endkunden verkaufen. Denn die Konsumenten sind anspruchsvoll: Bei Amazon und Booking.com geht alles schnell und man erreicht mit wenig Aufwand das Ziel. Entsprechend ist die Erwartungshaltung auch für alle anderen Service-, Bestell- oder Bezahlvorgänge. „Gesellschaft und Technik sind bei der Digitalisierung voraus, viele Unternehmen hinken hinterher“, beschreibt das Martin Katzer, Vice President Business & Platform Solutions bei Atos, „da sind die IT-Dienstleister gefordert.“ Möglich ist vieles. So hat Atos den Getränkehersteller Coca-Cola bei der Vernetzung seiner Getränkeautomaten unterstützt. Diese melden, was ihnen entnommen wird. „Durch den Abgleich mit Wetterdaten sowie Ferien- und Wochenend-Kalender kann hier der Bedarf prognostiziert werden und das Unternehmen hat die Möglichkeit, dort rechtzeitig einen zweiten oder dritten Automaten aufzustellen“, beschreibt Katzer das erfolgreiche Digitalisierungs-Projekt.

Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria

Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria

Es geht vor allem um Daten, Daten, Daten. Sie gelten als Gold des 21. Jahrhunderts. Aber wie schürft man es, ohne von der schieren Menge weggespült zu werden? „Wir arbeiten mit Kunden, die sich bewegen und verändern“, sagt Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria. Der Spezialist für Daten-Transformation hat sich erst kürzlich durch einen Zukauf im Bereich Künstliche Intelligenz verstärkt, dem nächsten großen Thema. „In der Regel bekommen wir von unseren Kunden große Datenmenge, die wir analysieren und auswerten“, sagt Huhn, „der nächste Schritt ist, unsere eigene Transformation Software weiter zu entwickeln, die aus den Erfahrungen der Anwendung lernt und dem Kunden passende Lösungen vorschlägt.“

Intelligente Preisschilder

Wie so etwas funktionieren kann, zeigt ein Beispiel eines Kunde von SNP im Einzelhandel: Elektronische Preisschilder, die auf Basis von Künstlicher Intelligenz den Preis je nach Nachfrage, Kaufverhalten und vielleicht Wetter variieren.

Derartige Projekte beschränken sich nicht auf Markenartikler oder Handelsunternehmen. „Auch in der Industrie wird darüber nachgedacht, wie man als First Mover ein digitales Geschäftsmodell entwickeln kann“, weiß Scheer-Geschäftsführer Bergmann. Ein Trend: Miet- und Nutzungsmodelle, wie sie beim Car-Sharing bereits umgesetzt werden. „Das bedeutet, ein Druckluft-Gerät nicht mehr zu kaufen, sondern für dessen Nutzung zu zahlen, inklusive Service und Wartung“, schildert Bergmann.

Manager für Daten-Müll


Axel Vetter, Head of S/4HANA bei SAP Zentral- und Osteuropa

Axel Vetter, Head of S/4HANA bei SAP Zentral- und Osteuropa

Für SAP-Manager Vetter hängt der Erfolg solcher Modelle davon ab, ob sie am Ende für den Nutzer wirklich passen. „Und da geht es nicht nur um die App, die leicht zu bedienen ist, sondern um das gesamte Kundenerlebnis“, so Vetter, „also ob die Versprechen eingehalten werden. Das muss wirklich End-to-End gedacht werden.“ Aus Sicht der Unternehmen geht es dabei vor allem um das Managen der zur Verfügung stehenden Daten, also die Auswahl, was wirklich relevant ist und was nicht. Mögliches neues Berufsbild: Data-Waste-Manager. Gerald Huhn: „Die Explosion der Daten ist die nächste große Herausforderung. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz ist eine Antwort darauf.“

Auch Robert Resch sieht hier ganz neue Möglichkeiten, etwa die Steuerung von IT-Systemen über Sprache oder eine Art von „Beschlagwortung“ von Dokumenten und Videos auf Basis von Sprache. „Das wäre eine Möglichkeit, die Informationsflut aufzubereiten und sinnvoll managen zu können.“

Aber was bremst die Entwicklung, warum sind die USA bei der Digitalisierung weiter? „Es mangelt in Europa an Risikobereitschaft bei Entrepreneuren und auch Kapitalgebern“, sagt Martin Katzer, „auch weil Scheitern in Europa ein Stigma ist, in den USA dagegen zu einer normalen Karriere gehört. Das ist eine andere Kultur.“

Zweite große Hürde: Der Mangel an Fachkräften. Für die Branche ist das immer schon ein Problem gewesen, jetzt wird es aber zum limitierenden Faktor. „Und da ist es kontraproduktiv, auch noch die Zugänge zu den entsprechenden Studienfächern zu beschränken“, kritisiert Robert Resch. Doch es gibt auch positive Signale: Im Vergleich zu früher steigt bei den Bewerbern die Zahl der jungen Frauen.





Martin Katzer, Atos Vice President, Business & Platform Solutions




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Gerald Huhn, Managing Director von SNP Austria










In Kooperation mit Temmel, Seywald & Partner.

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