Digitalisierung im heimischen Bankensektor schreitet voran

Österreichs Banken haben in den vergangenen Jahren bereits umfassend auf die Digitalisierung reagiert – doch die Entwicklung ist weiter voll im Gang. Wie steht es im Jahr 2018 um die Online-Auftritte der Banken? Eine Momentaufnahme.

Digitalisierung im heimischen Bankensektor schreitet voran

Regionalisierung und Digitalisierung

Die vergangenen Jahre stellten für heimische Banken einerseits eine Phase der Erholung aus der Finanzkrise dar, andererseits forderte die Digitalisierung rasche Maßnahmen.

Doch auch abseits der Online-Auftritte und Apps gibt es einen interessanten Trend zu beobachten: die regionalen Veränderungen der Bankenwelt. Einen intensiven Change-Prozess gab es offensichtlich bei der Volksbank, die klassisch ihren Fokus im ländlichen Gebiet hat und in Wien nur einzelne Filialen betreibt. Hier kam es zu großen Umstrukturierungen und regionalen Zusammenlegungen von Standorten. Generell scheint diese Vereinfachung der Strukturen ein naheliegender Schritt zu sein. Kostenreduktion durch Zentralisierung, lautet hier wohl das Mantra.

Einen vergleichbaren Prozess, wenn auch regional ganz anders gelegen, gab es bei der Bank Austria. Hier ist die Konsolidierung nach wie vor im vollen Gange.

Digital statt regional?

Das Stichwort der „Digitalisierung“ mag für manche zu den Unwörtern des Jahres (oder des Jahrzehnts?) zählen, für andere ist es der Inbegriff des Fortschritts. Nimmt man österreichische Banken dahingehend unter die Lupe zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Die bereits angesprochene Volksbank hat ihr Onlinebanking geringfügig verändert, wirklich größere Neuerungen, gleich ob im Hinblick auf praktische Tools oder Optik, gab es vergleichsweise nicht.

Auch hier bewegen sich Volksbank und Bank Austria scheinbar im Gleichschritt, denn auch bei der UniCredit-Tochter wirkt das Onlinebanking vergleichsweise wenig modern – 2,8 Sterne als Bewertung im iTunes-Store sprechen auch eine klare Sprache darüber, wie die App der Bank bei Kundinnen und Kunden ankommt.

Digitale Vorreiter unter den Dinosauriern

Dass nicht nur smarte Start-Ups und einfallsreiche FinTechs, wie die aufstrebenden Jungunternehmerinnen und Unternehmer der Branche bezeichnet werden, starke Online-Angebote schaffen können, zeigte besonders die Erste Bank und Sparkasse vor. Mit „George“ wurde ein völlig neues Angebot, im Vergleich zur Konkurrenz recht frühzeitig, am Markt etabliert. Intensives Marketing sorgte für eine rasche Steigerung des Bekanntheitsgrades und gegen den Slogan, dass es sich bei „George“ um das „modernste Banking Österreichs“ handelt, gibt es momentan wenig einzuwenden.

Ebenfalls beachtlich nachgezogen hat auch Raiffeisen, wo Userinnen und User derzeit zwischen dem alten E-Banking und „Mein ELBA“ wählen können. Wer sich für die moderne Option entscheidet, bekommt allerlei Tools geboten und kann Anordnung und Optik des Onlinebankings nach den eigenen Wünschen adaptieren.

FinTechs in Österreich

Jene Start-Ups, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das heimische Bankensystem völlig umzukrempeln, werden als FinTechs bezeichnet. Sie versuchen neue Lösungen zu entwickeln, bei denen Banking üblicherweise nicht nur einfacher, sondern auch günstiger werden soll. Filialen? Fehlanzeige.

Eines der führenden Start-Ups ist N26. Unterstützt durch Investments in Millionenhöhe konnte das Unternehmen rasch wachsen und laut eigenen Angaben bereits über 200.000 Kundinnen und Kunden gewinnen. Von Deutschland aus gelang der Eintritt in den österreichischen Markt schnell und N26 erfreut sich besonders auch bei anderen Start-Ups großer Beliebtheit. Ermöglicht wird das schnelle Wachstum zusätzlich durch die Verlockung des kostenlos angebotenen Kontos. Um den Investorinnen und Investoren gerecht zu werden, wird derzeit auch bereits der Markteintritt in die USA vorangetrieben.

Ebenfalls erwähnenswert ist „Holvi“ – ein vergleichbares Start-Up, dessen Fokus ganz besonders auf Unternehmen und Freelancer liegt.

Das Beste aus zwei Welten

Schon der bisherige Überblick zeigt, dass die Branche in starker Bewegung ist. Ein ständiger Umbruch, vorangetrieben durch das Aufbrechen alter Strukturen und neuer Anforderungen der Kundinnen und Kunden, die immer stärker zu Userinnen und Usern werden. Doch wie lassen sich online und offline auf beste Weise verbinden?

Abseits der traditionellen Banken und doch auch nicht im Segment jener, die nur auf Online setzen, finden sich spannende weitere Anbieter. Ein besonders interessantes Beispiel ist die Santander Bank, die den Spagat zwischen Digitalisierung und Beratung vor Ort schaffen möchte. Über Wien verteilt finden sich einige Standorte der Bank, die eine Tochter der traditionsreichen, spanischen Banco Santander ist. Österreichweit gibt es rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – im Vergleich zu den heimischen Großbanken ein minimaler Wert und doch scheint es, als wäre stets für all jene, die persönliche Beratung suchen, ein Santander-Standort in annehmbarer Reichweite. Wer lieber auf Onlinebanking setzt, kann auf der Santander-Website auch gleich einen Budgetrechner nutzen oder einen Kredit beantragen – der gesamte Prozess läuft, wenn gewünscht, online ab.

Quo vadis, Kunde?

Die Vorgehensweise der Santander-Bank zeigt hervorragend, wohin sich die Branche insgesamt entwickelt. In der Verwaltung gibt es eine schlanke Struktur mit vergleichsweise wenigen Beschäftigten. Trotzdem sind Niederlassungen vor Ort vorhanden, sodass auch Kundengruppen angesprochen werden, die nicht jeden Banking-Vorgang online abwickeln möchten. Für jene, denen es gar nicht erst online, smart und digital genug sein kann, gibt es praktische Tools und unkomplizierte, vollständig digitalisierte Prozess. Mit gering gehaltenen Fixkosten wird so eine möglichst breite Schicht potentieller Kundinnen und Kunden angesprochen und versucht, das Beste aus zwei Welten in einem Angebot zu vereinen.

Die entscheidende Frage, wie sich der Bankensektor weiter entwickeln wird, kann jedoch nicht nur von Banken selbst beantwortet werden. Jetzt, in Zeiten des Banking2Go, stehen die Kundinnen und Kunden vor der Qual der Wahl. Sie werden entscheiden, ob sie noch Filialen benötigen, oder ob die Bank der Zukunft „nur“ am Smartphone verfügbar sein muss. Jetzt, wo eine breite Auswahl an Optionen über die vergangenen Jahre gewachsen ist, sind wir alle am Wort zu entscheiden, wohin die Reise geht – Richtung WWW oder doch eher zum Bankberater ums Eck.

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