Das verflixte siebente Jahr: Servus TV stellt den Betrieb ein

Das verflixte siebente Jahr: Servus TV stellt den Betrieb ein

Das Medienimperium von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz bröckelt. Per OTS-Aussendung wurde bekanntgegeben, dass es für den Sender keine wirtschaftliche Perspektive mehr gibt und der Betrieb eingestellt wird. Alle 246 Mitarbeiter sollen bereits gekündigt worden sein.

Das von Red Bull Chef in Dietrich Mateschitz gegründete Medienimperium hat einen Riss in der Fassade bekommen. Per OTS-Aussendung wurde bekanntgegeben, dass der Fernseh-Ableger "ServusTV" seinen Betrieb einstellen wird.

"Obwohl wir Jahr für Jahr einen nahezu dreistelligen Millionenbetrag in Servus TV investiert haben, lässt sieben Jahre nach Einführung die aktuelle Markt- und Wettbewerbssituation keine wirklich positive Entwicklung erwarten", heißt es in der Aussendung. Nachsatz: "Der Sender ist daher für unser Unternehmen wirtschaftlich untragbar geworden."

Zu welchem Zeitpunkt der Sender genau "Off Air" genommen wird, war der Information nicht zu entnehmen. Kommunikationschef Alexander Winheim konnte die entsprechende Frage ad hoc nicht beantworten.

Den "genauen Zeitplan" für die Einstellung des ServusTV-Betriebs "werden wir professionell und gemeinsam mit unseren Mitarbeitern und Partnern erarbeiten", hieß es am Dienstag ergänzend aus der Pressestelle des Senders.Informationen zufolge steht eine Einstellung des Sendebetriebs Ende Juni im Raum. "Wir können den 30. Juni nicht bestätigen", hieß es dazu allerdings im Unternehmen.

Die Kündigungen

Die "Salzburger Nachrichten" berichteten online, dass alle 246 Mitarbeiter bereits gekündigt worden seien und es auch eine entsprechende AMS-Meldung gäbe. Das kommentierte Servus TV nur indirekt: "Die AMS Meldung muss formal mit einem Datum versehen sein", hieß es. Bestätigt wurde ein Mitarbeiterstand von "über 240".

Eine geplante Betriebsratsgründung soll der unmittelbare Auslöser für das Aus gewesen sein. Ferdinand Wegscheider, seit nicht einmal einem Monat Intendant von ServusTV, war vorerst nicht zu erreichen.

Mateschitz gegen einen Betriebsrat

Red-Bull-Chef Mateschitz hat am Dienstagnachmittag bestätigt, dass Initiativen zur Gründung eines Betriebsrats bei Servus TV mit dem Aus des Senders zusammenhängen. "Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich war, ist evident", erklärte er in einem Statement gegenüber der APA.

So richtig klar ist derzeit indes nicht, wer eigentlich einen Betriebsrat gründen wollte. Zu hören war von einem Rund-Mail, in dem eine Abstimmung darüber vorschlagen worden sei. Dieses sei von einer externen Mail-Adresse gekommen und habe Mateschitz empört.

In seiner Stellungnahme sprach Mateschitz nun davon, dass der Betriebsrat "anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer" zustande gekommen wäre. Doch "Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV", so Mateschitz. Diese hätte eine Betriebsratsgründung auf diesem Wege "nachhaltig beschädigt".


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Unter der Belegschaft von Servus TV hat am Dienstag große Betroffenheit geherrscht, als sie am Vormittag von Senderchef Ferdinand Wegscheider und Christopher Reindl, Geschäftsführer des Red Bull Media House, über die geplante Einstellung des Betriebs informiert wurde. "Die Leute waren geschockt", schilderten Mitarbeiter der APA.

Erst im April war es zu einer Rochade an der Senderspitze gekommen. Geschäftsführer Martin Blank ging nach rund sechs Jahren, der frühere Burgtheater-Direktor und interimistische Servus-Programmdirektor Matthias Hartmann gab die Programmagenden ab. Harald Maier übernahm die Kaufmännische Leitung.

Große Enttäuschung

Auch wenn gestern, Montag, am Abend schon eine gedrückte Stimmung im "Greentower" in Wals-Siezenheim zu spüren gewesen sei, so seien doch die meisten Mitarbeiter von der traurigen Nachricht heute überrascht gewesen, hieß es. Die Rede war zuletzt von 264 Beschäftigten, die gekündigt und beim Arbeitsmarktservice gemeldet werden sollen.

Nach der Information über die Einstellung von Servus TV sollen sich am Dienstag zwei Dutzend Betroffene vor dem Gebäude des Senders teils mit Tränen in den Augen in die Arme gefallen sein. Viele Mitarbeiter wie Redakteure, Moderatoren und Nachrichtensprecher stünden nun vor dem Nichts, einige hätten für ihren Job bei Servus TV ihre Zelte im In- und Ausland - vor allem Deutschland - abgebrochen und seien mit ihren Familien nach Salzburg gezogen, wurde erzählt. Auch zugebuchte Produktionsfirmen und Leiharbeiter stünden nun mit leeren Händen da.

Erst vor rund zwei Wochen sei Red-Bull-Konzernchef Dietrich Mateschitz selbst in den Sender gekommen. Er habe mit den Mitarbeitern geredet und gemeint, alles laufe hervorragend. Heute machte auch hartnäckig das Gerücht die Runde, dass Mateschitz wegen eines Rund-Mails, das von einer externen Mail-Adresse gekommen sei, empört gewesen sei. Darin sei vorgeschlagen worden, online über die Gründung eines Betriebsrates abzustimmen - was neue, bessere Verträge zur Folge gehabt und den Konzern mehr Geld gekostet hätte.

Deshalb solle es dem Red Bull-Boss gereicht haben, berichteten Mitarbeiter. Doch es habe keine Zustimmung im Haus für die Gründung eines Betriebsrates gegeben. "Keiner hat auf das Abstimmungs-Mail positiv reagiert. Es war nie die Rede von einer Betriebsratsgründung", sagten Mitarbeiter zur APA. Einige Betroffene würden nun die Hoffnung hegen, anderweitig im Red Bull Media House unterzukommen.

Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) in Salzburg hat am Dienstag Sozialplanverhandlungen für die gekündigten Mitarbeiter von Servus TV gefordert. "Auch im Wissen, dass es derzeit noch keinen Betriebsrat bei dem Sender gibt", betonte Gewerkschaftsgeschäftsführer Gerald Forcher in einer Aussendung.

ServusTV hatte im April 1,5 Prozent Marktanteil. Nur selten übersprang der Sender seit seinem Start im Herbst 2009 die Zwei-Prozent-Marke. Erstmals gelang das im Oktober 2012, in diesem Monat übertrug man Felix Baumgartners Stratosphären-Sprung. Im Jahresschnitt 2015 waren 1,7 Prozent ausgewiesen worden, die beiden Jahre davor 1,5 Prozent.

Streaming kills TV

Mit ein Grund für die Einstellung des Sendebetriebes sind die generellen Veränderungen am globalen Medienmarkt. Im Red Bull Media House hat man erkannt, dass digitale Angebote die klassischen, linearen Programme zusehends verdrängen und der eigene Fernsehsender daher perspektivisch nur ein Verlustgeschäft sein kann.

Offen bliebt vorerst auch die Frage, wie es mit den weiteren TV-Angeboten aus dem Red Bull Media House, Red Bull TV und Terra Mater, weitergeht und ob ServusTV möglicherweise eine Fortsetzung als Streaming-Dienst finden wird.

Servus TV hatte sich unter anderem mit selbst produzierten Live-Talk-Sendungen aus dem Hangar 7 positioniert. Sport war dabei wie auch im übrigen Programm des Senders ein wichtiges Thema. Zahlreiche Sportler aus der Red Bull Welt waren im Hangar zu Gast. Servus hat unter anderem die MotoGP Rennen, Qualifyings und Trainings sowie in der "Servus Hockey Night" die Spiele der österreichischen Eishockey Bundesliga live übertragen.

Weitere Produkte des Red Bull Media House, darunter das Printmagazin "Servus in Stadt und Land" sind von der Einstellung des TV-Senders nicht betroffen.

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