"Dieselgate" kostet Volkswagen weitere Milliarden

"Dieselgate" kostet Volkswagen weitere Milliarden

Never-ending-Story: VW-Vorstandschef Matthias Müller kann "Dieselgate" einfach nicht abhaken.

"Dieselgate" kehrt zurück: Der Volkswagen-Konzern hat in einer Mitteilung an die Aktionäre mitgeteilt, dass es bei der Einigung mit den geschädigten US-Kunden Schwierigkeiten gibt. Die Kosten steigen um weitere Milliarden. Außerdem wurde in Deutschland ein hochrangiger Ex-Porsche-Vorstand verhaftet.

Wolfsburg/Hamburg. Der Dieselskandal hat den deutschen Volkswagen-Konzern gut zwei Jahre nach Bekanntwerden wieder fest im Griff. Weil sich die Umsetzung des Vergleichs mit geschädigten Autobesitzern in den USA schwieriger als gedacht gestaltet, erhöhte der Konzern die Vorsorge und rechnet mit Belastungen des Gewinns.

Der lange Schatten

Im dritten Quartal schlügen negative Sondereinflüsse von voraussichtlich rund 2,5 Mrd. Euro zu Buche, teilte Volkswagen am Freitag anlässlich einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg mit. Am Rande des Treffens dürfte auch die Verhaftung des früheren Porsche-Entwicklungsvorstands Wolfgang Hatz durch die Münchner Staatsanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen ein Thema sein. Mit ihm ist erstmals ein ehemaliges Vorstandsmitglied einer Konzerntochter von dem Dieselskandal betroffen.

Während wegen seiner Verhaftung die Nervosität im Management stieg, stand an der Börse vor allem die Gewinnwarnung im Vordergrund. Börsianer reagierten geschockt: "Da sieht man, dass die Affäre noch lange nicht ausgestanden ist... ", sagte ein Händler. "Da stellt sich die Frage, inwiefern das ein Fass ohne Boden ist", sagte ein anderer Börsianer.

Insgesamt kostet der Skandal um die millionenfache Manipulation von Dieselabgaswerten den Konzern bereits mehr als 20 Mrd. Euro. Die VW-Aktie (DE0007664039) drehte nach der Bekanntgabe der neuerlichen Belastungen ins Minus und brach zeitweise um mehr vier Prozent ein. Das Papier des Wolfsburger Konzerns war damit mit Abstand größter Verlierer im deutschen Börsenleitindex DAX. Der VW-Großaktionär Porsche SE geht unterdessen trotz des bei VW belastenden Effekts weiterhin von einem Konzernergebnis zwischen 2,1 und 3,1 Mrd. Euro aus.

Bis zu vier Prozent hatte die VW-Aktie am Freitag verloren. Gegen Mittag pendelte sich der Verlust bei rund 1,6 Prozent ein.

Am Vorabend hatte bereits die Nachricht von der Festnahme des früheren Entwicklungsvorstands der Sportwagentochter Porsche, Wolfgang Hatz, für Wirbel gesorgt. Er sitzt einem Insider zufolge wegen der Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Was ihm konkret vorgeworfen wird, wurde zunächst nicht bekannt.

Die Behörde bestätigte lediglich, dass in dem Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und illegaler Werbung ein zweiter Beschuldigter hinter Gitter gekommen sei. Hatz leitete zeitweise auch die Motorenentwicklung bei Audi und im Volkswagen-Konzern. Seit Anfang Juli sitzt bereits ein Ingenieur der Audi-Motorenentwicklung in München in Untersuchungshaft.

Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, Abgaswerte in den USA mit Hilfe einer illegalen Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Weltweit sind davon rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, allein in Europa sind es 8,5 Millionen.

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