Dienstleister: Umsätze brechen um bis zu 65 Prozent ein

Ob Gaststätten, Veranstaltungen oder Friseure, die Umsätze im Dienstleistungssektor brechen massiv ein, wie erste Beispiele in der Gastronomie zeigen. Ähnliches spielt sich in Italien ab. Mit welchem Szenario Experten für die Dienstleistungsbranche in Österreich rechnen. Mit welchen kreativen Maßnahmen Gäste angelockt werden.

Dienstleister: Umsätze brechen um bis zu 65 Prozent ein

Bleiben in den Gaststätten bald viele Gäste aus?

In Landgasthäusern ist das Leben teilweise noch in Ordnung. Viele melden noch ein unverändertes Geschäft. Andere Gastronomiebetriebe verzeichnen bereits Rückgänge um bis zu 65 Prozent, wie der Obmann des WKÖ-Fachverbands Gastronomie, Mario Pulker, nun meldet. Selbst Skihütten, wie beispielsweise jene am Hochkönig auf der Steinbock Alm sind wie leergefegt.

Große Diskotheken müssten wohl schließen. "Spurlos vorübergehen wird es an niemandem", so Pulker. Für die Wirtschaftskammer sei die Lage noch schwierig, weil die Erlässe der Regierung nun mit drei Ministerien interpretiert werden müssen, so Pulker. So sei nicht geklärt, ob ein Lokal mit drei Räumen pro Raum oder in Summe 100 Gäste begrüßen dürfe. Auch ob eine Hochzeit mit 120 Personen nun zulässig ist oder nicht, sei noch zu bestimmen. Vorerst gelte es, Ruhe zu bewahren.

Erste Gaststätten räumen Tische weg, um Abstände zu vergrößern
Einige Lokale wiederum entwickeln kreative Lösungen, um dennoch Kunden anzulocken. Der Gastro-Unternehmer Mario Plachutta zum Beispiel kündigte an, ab dem morgigen Donnerstag in seinen sechs Gaststätten (dazu zählen das "Plachutta Wollzeile" oder das "Grünspan") die Anzahl der Tische und Sitzplätze zu reduzieren. Damit wolle man "den Gästen genug Abstand und Komfort bieten", wie es in einer Pressemitteilung hieß.

Türen werden für Gäste aufgehalten
Darüber hinaus werden an den Eingängen der Restaurants Mitarbeiter platziert, die den Gästen die Türen aufhalten und auf Wunsch Desinfektionsmöglichkeiten anbieten.

Italien: So hart wurden Dienstleister bereits getroffen
Wie sehr die Coronavirus-Krise die Dienstleister trifft, zeigt sich bereits am Beispiel Italien. Dort haben Unternehmen, die Services aller Art anbieten, nur am ersten Wochenende des Ausnahmezustandes 1,5 Millionen Euro verloren. Die Nachfrage nach Dienstleistungen ist in Norditalien um 40 Prozent zurückgegangen, berichtet die Dienstleistungsplattform ProntoPro.

Nach den jüngsten Entwicklungen erwartet die Österreich-Tochter ProntoPro.at ähnliche Effekte für Österreich, da ein Rückgang der Nachfrage nach Dienstleistungen bereits verzeichnet wird. „Bis zu zwei Millionen Euro könnten österreichische Dienstleister aufgrund der geringeren Nachfrage nur im März verlieren,“, schätzt ProntoPro-Chef Marco Ogliengo.

Klein- und mittelständische Betriebe besonders betroffen
Die hohen Umsatzrückgänge in Folge des Coronavirus trifft, wie in Italien zu sehen, vor allem kleine und mittelständische Dienstleister und da vor allem jene Regionen, die von steigenden Coronainfektionen besonders betroffen sind.

Corona-Hotspots: Anfragen brechen ein
Das Dienstleistungsportal ProntoPro mit Sitz in Mailand analysierte die Anfragen auf ihrer Homepage am ersten Wochenendes nach Bekanntgabe der ersten Fälle. Auf Grundlage des Umsatzes des letzten Jahres für den gleichen Zeitraum schätzt das Portal, dass die Fachleute nur an diesem ersten Wochenende in Italien Arbeitsaufträge bis zu einer Million Euro in den am stärksten betroffenen Provinzen Lombardei und Veneto verloren haben. In der Lombardei und im Veneto gingen die Anfragen in den ersten Tagen um 40 Prozent zurück.

Welche Dienstleister es am härtesten trifft
„Der starke Rückgang bei Nachfragen bei Services, die das soziale Leben betreffen wie etwa Events und Feste, aber auch bei Aktivitäten rund ums Haus wie Renovieren oder Gartenarbeit, trifft vor allem die kleinen Dienstleister in Italien hart", so ProntoPro-Boss Ogliengo.


Die neuen Richtlinien der österreichischen Behörden werden voraussichtlich ähnliche Auswirkungen haben

Ein Trend bei den Umsatzrückgängen, der sich durch die aktuelle Lage noch verschärfen dürfte. „Die neuen Richtlinien der österreichischen Behörden werden voraussichtlich ähnliche Auswirkungen auf das Dienstleistungsgewerbe in diesen Bereichen in Österreich haben“, prophezeit Ogliengo. Der Coronavirus-Notstand war auch auf nationaler Ebene spürbar, wo die Anfragen nach Dienstleistungen am selben Wochenende um 25 Prozent zurückgingen.

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