Deutschlands Arbeitslosigkeit nähert sich tiefstem Stand seit 1991

Deutschlands Arbeitslosigkeit nähert sich tiefstem Stand seit 1991

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai deutlich zurückgegangen und nähert sich trotz immer mehr arbeitssuchender Flüchtlinge dem tiefsten Stand seit Mitte 1991. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 2,664 Millionen Jobsuchende registriert, wie die Behörde am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das seien um 80.000 weniger gewesen als im April und um 98.000 weniger als vor einem Jahr.

Der Arbeitsmarkt entwickle sich mit der auslaufenden Frühjahrsbelebung insgesamt weiter positiv, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Im Euroraum weist Deutschland die geringste Erwerbslosigkeit auf. Die Wirtschaft äußerte sich besorgt, dass im mathematisch-technischen Bereich zusehends nicht nur Akademiker, sondern auch Facharbeiter fehlten.

Die Zahl der Arbeitslosen fiel etwas stärker als sonst im Mai üblich. Das schlug sich auch in den saisonbereinigten Zahlen nieder, aus denen jahreszeitliche Schwankungen herausgerechnet werden. Diese Zahl ging um 11.000 Erwerbslose zurück. Banken-Volkswirte hatten im Durchschnitt nur einen Rückgang um 5.000 erwartet. Sollte die Erwerbslosigkeit im Juni im gleichen Ausmaß wie in den Vorjahren um etwa 50.000 sinken, wäre die geringste Arbeitslosenzahl seit Juni 1991 erreicht.

BA-Chef Weise wies aber darauf hin, dass der Ausblick gespalten sei. Die Arbeitsagenturen vor Ort rechneten in den kommenden drei Monaten zwar weiter mit steigender Beschäftigung - gleichzeitig aber auch mit zunehmender Arbeitslosigkeit, weil das Arbeitskräfteangebot durch Flüchtlinge steige. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erreichte zuletzt laut Weise 31,21 Millionen und damit 681.000 mehr als vor einem Jahr. Die Erwerbstätigenzahl lag mit 43,36 Millionen um 544.000 höher als vor einem Jahr.

Die steigende Zahl von Flüchtlingen macht sich Weise zufolge bereits in der sogenannten Unterbeschäftigung bemerkbar, die saisonbereinigt um 18.000 gestiegen sei. Darin sind neben Arbeitslosen auch Menschen berücksichtigt, die zwar beschäftigungslos sind, wegen einer Qualifizierung oder Krankheit dem Arbeitsmarkt aber nicht zur Verfügung stehen. Es gebe mehr Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus den Asylherkunftsländern, sagte Weise. Das schlage sich in mehr Förderprogrammen für Ausländer nieder.

Für Volkswirte versprechen die Arbeitsmarktzahlen gute Aussichten für die Wirtschaft. "Der Stellenaufbau sollte sich fortsetzen und damit die Hauptstütze der deutschen Konjunktur, der private Konsum, weiter stark bleiben", erklärte Stefan Kipar von der BayernLB. In der Eurozone weist Deutschland nach europaweit vergleichbaren Zahlen mit einer saisonbereinigten Arbeitslosenrate von 4,2 Prozent den besten Wert auf. In der EU steht mit 4,1 Prozent nur Tschechien besser da.

Die Arbeitgeber mahnten, dass in Deutschland die von ihnen berechnete Fachkräftelücke im sogenannten MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) innerhalb von zwei Jahren um 70 Prozent gestiegen sei. Den Unternehmen fehlten nach diesen Schätzungen im April 171.400 Arbeitskräfte in diesen Bereichen. Dies seien zu 60 Prozent keine Akademiker, sondern Fachkräfte mit einer Berufsausbildung.

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