Deutscher Wirtschaftsmotor bremst ab - Stimmung sinkt

Deutscher Wirtschaftsmotor bremst ab - Stimmung sinkt

Die Industrie brummt, aber das Wachstum lässt etwas nach. Und deutsche Manager sind im Moment nicht so richtig glücklich - unter anderem mit Griechenland.

Die Aussichten der deutschen Wirtschaft sind getrübt: Das DIW-Institut macht bei der Wachstumsprognose kräftige Abstriche. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex deutet daraufhin, dass es zu einer Abkühlung der Wirtschaft kommt. Die Gründe dafür sind vielfältig - trotz der zuletzt belebten Konjunktur infolge steigender Exporte, Industrieaufträge und Produktion. Das Griechenland-Chaos ist ein Grund für die Eintrübung der Stimmung.

Der deutsche Wirtschaftsmotor brummte zuletzt kräftig. Doch die zuletzt positiven Prognosen werden nun korrigiert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat nun seine Wachstumsprognose kräftig zusammengestrichen. Statt bisher 2,2 Prozent Wachstum wird die Deutsche Wirtschaft künftig langsamer wachsen. Für 2015 prognostizieren die DIW-Konjunkturforscher nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft nur noch um 1,9 Prozent wachsen.

„Die deutsche Wirtschaft erscheint derzeit stärker, als sie tatsächlich ist", sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,8 Prozent klingt auf den ersten Blick gut, doch dahinter stehen zahlreiche Sonderfaktoren wie der niedrige Ölpreis oder der für die deutschen Exporteure günstige Euro-Wechselkurs."

Fratzscher warnt vor den "enormen Risiken" eines Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland und ein Austritt des Landes aus dem Euro. "Das hätte fatale Folgen für Europa und würde somit auch der deutschen Wirtschaft schaden", warnt der DIW-Präsident. "Das Risiko von Ansteckungseffekten der Griechenlandkrise dürfen wir nicht unterschätzen." Die Unsicherheiten mit dem Griechenland-Debakel führten dazu, dass Unternehmen noch immer viel zu wenig investieren und nur zögerlich die Ausrüstungsinvestitionen vornähmen. "Wir haben bisher nicht einmal das Vorkrisenniveau erreicht", so Fratzscher. Ein Wiederaufflammen des Konflikts um Russland und die Ukraine würde die weltweite Konjunktur und damit auch die Investitionstätigkeit erneut belasten.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es hingegen für die DIW-Forscher: Die Kauflaune der Konsumenten hält sich weiterhin. Der private Verbrauch steigt weiterhin, weil auch die Beschäftigung noch immer anzieht.

Auf internationaler Ebene sieht das DIW die Wachstumsaussichten jedoch in positivem Licht. Nach einem unerwartet schwachen Auftaktquartal 2015 nimmt demnach die die Weltwirtschaft wieder Fahrt auf. In China verliert das Wachstum zwar mehr und mehr an Schwung, so das DIW. Strukturelle Gründe sowie zuletzt noch eine konjunkturelle Abkühlung seien die Gründe, warum auch Chinas Wirtschaft geringeres Wachstum verzeichnet. Die Wirtschaft in den Industrieländern entwickelt sich laut DIW – getragen von der Erholung der Konsumentwicklung – "insgesamt recht kräftig". Die Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt führe zu steigenden Einkommen der privaten Haushalte. Dadürch dürften wieder Investitionen angergt werden, die laut Prognose allerdings nur moderat ausfallen.

Manager sind skeptisch

Die miese Stimmung hat auch die Chefetagen der deutschen Unternehmen erreicht. Im Juni hat sich nun den zweiten Monat in Folge die Stimmung eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel von 108,5 auf 107,4 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut heute, Mittwoch, zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 108,1 Zählern gerechnet.

"Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gedämpft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten schlechter als im Vormonat.

Die Krise in Griechenland und der mögliche Euro-Austritts des Landes haben offenbar bei den Managern nachhaltige negative Wirkung erzielt. Wenngleich auch Analysten von einem akzeptablen Wachstum sprechen.

Dämpfer für die Börse

Das Chaos um die den Schuldenstreit mit Griechenland hat am Mittwoch die Börsen verunsichert, nachdem die vergangenen zwei Tag die Börse zulegen können. Europas Leitbörsen notierten um bis zu einem Prozent tiefer. Einzig der FTSE-100 in London konnte leicht hinzu gewinnen.

Die Geldgeber Griechenlands haben laut Ministerpräsident Alexis Tsipras die neuen Sparvorschläge Athens nicht akzeptiert, was sofort zu einer Belastung der Aktienkurse geführt hat. Der griechische Regierungschef hat vor seiner Abreise zu einem Treffen nach Brüssel sein Kabinett darüber informiert. Zuletzt hatte Tsipras noch davon gesprochen mit dem letzten Reformvorschlag vom Sonntag eine "endgültige Lösung" gefunden zu haben.

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