Fernbus-Markt im Umbruch: Flixbus übernimmt Postbus

Fernbus-Markt im Umbruch: Flixbus übernimmt Postbus

Ein deutscher Deal mit Folgen: Die Postbus-Übernahme durch Flixbus wirkt auch bis nach Österreich.

Der Fernbusmarkt im deutschsprachigen Raum wird kräftig durchgerüttelt. Marktführer Flixbus schnappt sich den deutschen Postbus. Der Deal trifft auch die österreichischen Anbieter Blaguss mit Eurolines und Westbus sowie ÖBB "Hellö".

Berlin/Wien. Mit der Übernahme des Fernbusgeschäfts der Deutschen Post treibt Marktführer Flixbus seine Expansion voran. "Mit dem Erwerb des Postbus-Angebots stärken wir bewusst unser Kerngeschäft in Deutschland", sagte Geschäftsführer Andre Schwämmlein der Deutschen Presse-Agentur. Die ersten Postbus-Linien sollen ab November in das Flixbus-Netz integriert werden. Der Deal betrifft auch den Markt in Österreich.

Zum Kaufpreis wollte der Flixbus-Gründer keine Angaben machen. Der Deal werde aber zusätzliche Einnahmen von 15 bis 20 Millionen Euro jährlich bringen. Die Übernahme ist am Montag in Kraft getreten. Der Postbus war im November 2013 als Kooperation mit dem ADAC an den Start gegangen. Der Autoclub stieg im November 2014 aus dem Projekt aber wieder aus, die Post betrieb das Geschäft alleine weiter.

Sowohl Flixbus als auch Postbus bieten Fernbusreisen unter anderem nach Wien an und stehen auch direkt mit dem Fernbusangebot mehrere Anbieter in Konkurrenz.

Flixbus will seinen Expansionkurs mit der Übernahme fortsetzen. Im Vorjahr hatte das deutsche Unternehmen Konkurrenten MeinFernbus übernommen. Ende Juni hatte Flixbus mit der Übernahme des britischen Konkurrenten Megabus seine europaweite Expansion vorangetrieben. Anfang des Jahres besaß Flixbus, das im Februar 2013 gegründet wurde, nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Iges in Deutschland einen Marktanteil von 71 Prozent - vor Postbus mit 10 Prozent.

Neue Strecken, stärkere Frequenz

In einem ersten Schritt komme es nun darauf an, die Fahrpläne beider Anbieter anzupassen und das Streckennetz zu verbessern, sagte Schwämmlein. Bisher parallel fahrende Linien auf Verbindungen wie etwa München-Berlin sollen zugunsten neuer Ziele reduziert werden. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren und den grenzüberschreitenden Verkehr ausbauen, vor allem aber die Regionen stärken." Profitieren würden Kleinstädte, die bisher noch nicht an das Fernbus-Netz angeschlossen sind. Außerdem soll auf stark frequentierten Strecken die Busse künftig häufiger eingesetzt werden.

Flixbus will mit der Übernahme auch neue Kundengruppen gewinnen. "Während wir durch unsere Positionierung vor allem ein junges, online-affines Publikum ansprechen, hat die Post durch offline Vertriebskanäle auch Senioren oder Familien erreicht", erklärte der Flixbus-Gründer. "Wir möchten jetzt ein Produkt für alle Alters- und Zielgruppen bieten."

Darüber hinaus wollen Flixbus und Post in der Logistik zusammenarbeiten. Derzeit testet das Bonner Unternehmen einen Express-Kurierservice zwischen Hamburg und Berlin, bei dem DHL-Pakete taggleich mit dem Fernbus versendet werden. "Wir prüfen, wie wir diesen Service gemeinsam mit FlixBus ausweiten", sagte der Geschäftsführer von Deutsche Post Mobility, Joachim Wessels.

Flixbus bedient derzeit 900 Ziele, rund 450 davon im deutschsprachigen Raum, darunter auch Destination wie Wien, Graz, Linz oder Innsbruck. Postbus bietet Verbindungen zu 112 Zielen an, etwa 85 davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Juni 2016 hat Flixbus auch mit dem Wiener Busunternehmen Blaguss eine Kooperation abgeschlossen.

Der Kampf um Marktanteile in Österreich

In Österreich muss sich Flixbus auf Konkurrenz gefasst machen. Kooperationspartner Blaguss ist seit Ende 2011 mit 51 Prozent an der Fernbuslinie Westbus beteiligt, an der die private Bahngesellschaft Westbahn über ihre Mutter Rail Holding 49 Prozent hält. An Rail Holding hält wiederum Strabag-Hauptaktionär Hans Peter Haselsteiner mit seiner Stiftung 49,9 Prozent der Geschäftsanteile.

Über den Verbund Eurolines - dazu gehören europweit 32 internationale Busunternehmen - werden aus Österreich seit 1985 Fernbusreisen angeboten. Auch im Eurolines-Netz hält in Österreich die Blaguss-Gruppe das Steuer fest in der Hand. Seit Ende der 1980er Jahre schickt Blaguss von Wien aus seine Eurolines-Busse auf die Reise - zunächst in Richtung Zentral- und Südosteuropa, später dann auch gen Westeuropa, vor allem in Richtung Deutschland.

Und auch ein prominenter Neueinsteiger im österreichischen Fernbusgeschäft will kräftig mitmischen. Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) haben Mitte Juli 2016 eine eigene Fernbuslinie gestartet. ÖBB will mit "Hellö" ebenso auf den stark frequentierten Strecken nicht nur mitfahren. Und lockt derzeit seine Klientel mit Kampfpreisen und Komfortbussen.

Keine Bedenken

Die Fusion der Markführer auf dem deutschen Fernbusmarkt wird am deutschen Kartellamt nicht scheitern. Das Bundeskartellamt sei von der Deutschen Post und Flixbus-Eigner FlixMobility GmbH bereits vorab über die Pläne informiert worden, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Bonner Behörde.

Die Unternehmen hätten dem Kartellamt deutlich gemacht, dass der Zusammenschluss zu klein für eine Prüfung durch die Wettbewerbshüter sei - denn die dafür nötigen Umsatzschwellen würden von den Bus-Unternehmen nicht erreicht.

Diese sehen vor, dass mindestens eine der Firmen im Inland einen Mindest-Umsatz von 25 Mio. Euro erreicht oder die beteiligten Unternehmen einen weltweiten Umsatz von 500 Mio. Euro. "Auf der Grundlage der vorliegenden Informationen sieht das Bundeskartellamt derzeit keine Veranlassung für eine weitergehende Prüfung", betonte der Sprecher.

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