Deutsche Börse und London Stock Exchange wollen fusionieren

Deutsche Börse und London Stock Exchange wollen fusionieren

Eine große Börsenhochzeit zeichnet sich ab: Die Aktien der beiden Gesellschaften sind kräftig gestiegen. Die Deutsche Börse startet somit einen weiteren Übernahmeversuch.

Frankfurt/London. Die Deutsche Börse will sich mit der Börse in London LSE zusammenschließen. Wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten, sollen die Aktionäre der Deutschen Börse an dem neuen Konzern mit etwas über 54 Prozent die Mehrheit halten. Auf die Anteilseigner des Londoner Börsenbetreibers sollen die übrigen 45,6 Prozent entfallen. Die Kerngeschäfte beider Unternehmen würden auch danach unter ihrem bestehenden Markennamen weiterbetrieben.

Wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten, wird ein Zusammengehen geprüft. Die Gespräche dazu liefen. Wenn es zu einer Übereinkunft kommt, sollen die Anteilseigner der britischen und die der deutschen Börse ihre Aktien gegen Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen.

Der Kurs der Deutschen Börse ist um bis zu acht Prozent am Dienstag gestiegen. Gegen 17 Uhr notierten die Papier mit 4,8 Prozent im Plus. Der Aktienkurs der London Stock Exchange ist zeitweise sogar um fast 20 Prozent in die Höhe geklettert. Gegen 17 Uhr (MEZ) belif sich das Plus auf rund 15 Prozent.

Die Führungsetagen beider Unternehmen "bestätigen, dass sie in detaillierten Diskussionen über eine möglichen Fusion unter Gleichen" seien, teilte die LSE am Dienstag mit. Ziel sei es, eine gemeinsame Dachgesellschaft zu bilden. Wenn es zu einer Übereinkunft kommt, sollen die Anteilseigner der britischen und der deutschen Börse ihre Aktien gegen Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen.

Der seit Sommer 2015 amtierende Deutsche-Börse -Chef Carsten Kengeter wagt einen neuen Anlauf für eine Großfusion. "Wir sind entschlossen, die Nummer eins oder zwei in allen Geschäftsbereichen zu werden, in denen wir operativ tätig sind", sagte Kengeter am vergangenen Donnerstag bei der Bilanzvorlage.

Die Deutsche Börse hatte vor einigen Jahren mehrere Fusionen angestrebt, die sich aber nicht realisieren ließen: Vor dem Aus für die Fusion mit der New York Stock Exchange waren bereits Pläne zur Übernahme der Londoner Börse LSE und zur Übernahme der Vierländerbörse Euronext geplatzt. Die Deutsche Börse hatte sich zuletzt anders orientiert und suchte ihr Heil vor allem in kleineren Partnerschaften in Asien.

Kengeters Vorgänger sind mit ihrem Traum eines großen Wurfs in der Vergangenheit etliche Male gescheitert.

Die Chronik der Übernahmeversuche

* 17. Juli 2000 Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

* Sommer 2003 Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

* Frühling 2004 Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

* August 2004 Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

* 13. Dezember 2004 Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

* 21. Februar 2006 Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

* 19. Mai 2006 Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

* Juni 2006 Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

* Dezember 2008 Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

* April 2011 Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

* Februar 2012 Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit den Amerikanern aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Post-Chef Georg Pölzl

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