Deutsche Bank verbucht größten Verlust in ihrer Geschichte

Deutsche Bank verbucht größten Verlust in ihrer Geschichte

Deutsche Bank CEO John Cryan muss Altlasten bereinigen.

Die Deutsche Bank hat 6,8 Milliarden Euro Verlust eingefahren. Die Traditionsbank wird vor allem durch die Kosten für Rechtsstreitigkeiten belastet. 5,2 Milliarden Euro wurden abgeschrieben. Die Restrukturierung kostet auch 9000 Arbeitsplätze. Die Sanierung dauert an. Die Postbank soll endlich verkauft werden.

Frankfurt. Die Deutsche Bank (ISIN DE0005140008) hat 2015 einen Rekordverlust von 6,8 Mrd. Euro geschrieben. Der Verlust ist somit noch höher als zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Allein im vierten Quartal 2015 belaufe sich der Verlust auf 2,1 Milliarden Euro, teilte das größte deutsche Kreditinstitut am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Grund für den hohen Verlust seien Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten sowie für die Restrukturierung des Unternehmens und Abfertigungen.

"Wir alle wissen, eine Restrukturierung kann sehr herausfordernd sein kann. Sie braucht Zeit, Entschlossenheit und Geduld", sagte der Co-Vorstandsvorsitzende und CEO der Deutschen Bank, John Cryan. Der seit Juli amtierende Chef will die Bank weniger abhängig von den heftigen Schwankungen an den Kapitalmärkten machen.

Zählbare Erfolge aus seinem Großreinemachen seien erst mittelfristig zu erwarten. "2016 wird ziemlich herausfordernd bleiben", sagte Cryan vor Analysten. Dieses Jahr werde der Höhepunkt der Restrukturierung. Bis die Bank aufgestellt sei, wie er sich das vorstelle, werde es 18 bis 24 Monate dauern. Im vierten Quartal 2015 schlug sich der Umbau offenbar bereits im Investmentbanking nieder, das einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vor Steuern ablieferte. Die Erträge brachen um 30 Prozent ein.

Bereinigung von Altlasten

"Die dringend erforderlichen Entscheidungen, die wir in der zweiten Jahreshälfte getroffen haben, haben zu einem Verlust nach Steuern im vierten Quartal und im Gesamtjahr beigetragen", erklärte Cryan. Die Bank arbeite weiter "hart daran", ihre "Altlasten zu bereinigen."

Cryan steht seit dem Sommer an der Spitze der Bank. "Der Umbau der Bank wird über das ganze Jahr hinweggehen", sagt Cryan. Die "Strategie 2020" sieht vor, das Tochterunternehmen Postbank zu verkaufen. Zudem will die Bank weltweit 9000 Stellen streichen. Die Bank beschäftigt weltweit 100.000 Mitarbeiter.

Der britische CEO will außerdem das Filialnetz ausdünnen. 200 von 700 Filialen sollen geschlossen werden. Und sich aus zehn Ländern soll sich die Bank nun zurückziehen. Insgesamt sollen bis 2018 knapp vier Milliarden Euro eingespart werden.

Verbessern will Cryan das Online-Banking-Angebot, in das der Bankenriese investieren will. Das Bankgeschäft soll jedenfalls effizienter werden.

Allein die Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten belaufen sich demnach im Gesamtjahr 2015 auf 5,2 Milliarden Euro. 2014 hatten sie bei zwei Milliarden Euro gelegen. Für die Restrukturierung des Konzerns und Abfertigungen musste die Deutsche Bank 2015 eine Milliarde Euro zahlen.

Die Aktie notierte am Donnerstag nach anfänglich geringen Kursabschlägen gegen 13 Uhr mit einem Minus von 3,88 Prozent bei 16,37 Euro.

EZB-Vorgabe: Höhere Mindestkernkapitalquote

Die EZB-Bankenaufsicht verlangt von der Deutschen Bank dickere Sicherheitspuffer. Das Geldhaus müsse heuer nach den aktuell geltenden Basel-III-Übergangsregeln eine Mindestkernkapitalquote von 10,75 Prozent erreichen, teilte Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag mit. Anfang des Jahres lag die Bank mit 12,52 Prozent deutlich darüber.

Wenn man den bereits vereinbarten Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank mit einrechne, liege die Quote sogar bei 12,9 Prozent, erklärten die Frankfurter. Im ersten Quartal 2016 sei mit einem Rückgang der Kapitalquote zu rechnen. Danach werde sie kontinuierlich steigen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Jahr alle Großbanken der Eurozone durchleuchtet. Nach dem sogenannten Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) verpasste sie den Geldhäusern individuelle Mindestkernkapitalquoten. Bei der Deutschen Bank stieg diese Quote von 10 auf 10,25 Prozent. Hinzu kommt im laufenden Jahr noch ein Aufschlag von 0,5 Prozentpunkten für global systemrelevante Banken. Die Deutsche Bank zählt zu den wenigen Geldhäusern, die ihre SREP-Quote veröffentlichen.

Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) bei voller Umsetzung der strengen Basel-III-Regeln sank zum Jahresende leicht auf 3,5 Prozent, womit das Institut schlechter dasteht als die meisten Konkurrenten. Die Quote beschreibt das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme.

Die Regulierer haben angekündigt, dass für die meisten Institute eine Leverage Ratio von 3 Prozent ausreichend ist. Für die Deutsche Bank und andere global systemrelevante Institute soll es jedoch "zusätzliche Anforderungen" geben. Wie hoch diese ausfallen, hat der Basler Ausschusses für Bankenaufsicht noch nicht festgelegt.

Brigitte Ederer

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