Deutsche Bank prüft zweifelhafte Handelsgeschäfte

Die Bank vermutet Interessenkonflikte bei Kredit-Derivaten. Sechs Manager stehen im Visier der Prüfer. Nach einem Zeitungsbericht wird auch die Rolle von Ex-Manager Colin Fan wird untersucht, der alle Vorwürfe zurückweist.

Deutsche Bank prüft zweifelhafte Handelsgeschäfte

Frankfurt/London. Sechs teilweise hochrangige Investmentbanker der Deutschen Bank haben nach einem Medienbericht möglicherweise unzulässige Geschäfte auf eigene Rechnung gemacht.

Das "Wall Street Journal" berichtete am Freitag unter Berufung auf Insider, sie hätten privat in ein 750 Mio. Dollar (aktuell rund 670 Euro) schweres strukturiertes Wertpapier investiert, das sie im Dienste der Bank für den französischen Versicherer Axa ausgeklügelt hatten. "Derzeit prüfen wir eine Transaktion, die bei ihrer Strukturierung 2009 möglicherweise einen nicht hinnehmbaren Interessenkonflikt darstellte", erklärte die größte deutsche Bank, ohne Namen zu nennen. Einer der ins Visier der internen Prüfer geratenen Banker ist der Zeitung zufolge Colin Fan, der bis zum Herbst 2015 einer von zwei Chefs der Investmentbanking-Sparte war.

Fan hatte damals den Kredithandel geleitet. Er gilt als einer der engsten Vertrauen des ehemaligen Vorstandschefs Anshu Jain und hatte die Bank bald nach Jains Abschied verlassen. Dem Zeitungsbericht zufolge soll er allein mit einem Einsatz von rund einer Million Dollar neun Millionen Dollar verdient haben. Insgesamt habe das Sextett nach Schätzungen der internen Prüfer ein Investment von 4,5 Mio. Dollar verachtfacht. Ein Sprecher Fans wies ein Fehlverhalten des Managers zurück. Er sei "jederzeit vollständig transparent gewesen" und habe alle Vorschriften eingehalten, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Bank hat daran offenbar Zweifel. Langfrist-Boni an die ins Visier geratenen Händler seien ausgesetzt worden. "Nach Abschluss unserer Untersuchungen werden wir gegebenenfalls Disziplinarmaßnahmen einleiten und unsere Kontrollen weiter prüfen, um die Gefahr einer Wiederholung möglichst gering zu halten", erklärte sie.

Dem Bericht zufolge wird auch geprüft, ob die Geschäfte zu Lasten der Bank gingen. Mit dem Derivat konnten Investoren auf Bewertungs-Differenzen zwischen Kredit-Indizes und den zugrundeliegenden Unternehmen wetten. Laut dem Bericht wollte die Deutsche Bank das Risiko dabei nicht auf die eigenen Bücher nehmen. Ein Hedgefonds übernahm den riskanteren Teil, und die Mitarbeiter investierten privat.

Kunden seien nicht zu Schaden gekommen, betonte die Bank. Aufgefallen waren die Geschäfte von Fan und seinen Kollegen erst Jahre später, als die Deutsche Bank ihre Bilanz durchforstete, weil sie die darin verborgenen Risiken reduzieren will.

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