Deutsche Bank und Commerzbank: Der Kampf gegen das Misstrauen

Deutsche Bank und Commerzbank: Der Kampf gegen das Misstrauen

Eine an Turbulenzen reiche Woche hat am Freitag einen weiteren Tiefpunkt für die Deutsche Bank sowie für die Commerbank gebracht. Deutsche Bank-Chef John Cryan beschwichtigt, damit ihm vor allem die institutionellen Anleger nicht davon laufen, was einem weiteren Vertrauensverlust gleich kommen würde. Aber auch die Commerzbank kämpft mit massiven Verwerfungen. Und will sich neu erfinden.

Bei der Deutschen Bank in Frankfurt ist Feuer am Dach. Vorstandschef John Cryan hat alle Hände voll zu tun, um das Misstrauen gegenüber seiner Bank zurück zu gewinnen. Im Verlauf der Woche hatten vor allem Anleger sich abgewendet. Die Aktie ist auf Talfahrt. Der Höhepunkt war am Freitag, als die die Aktie der Deutschen Bank (DE0005140008) erstmals unter 10 Euro abgestürzt ist.

Die Aktie notierte kurz nach Handelsbeginn auf Rekordtief von 9,90 Euro. Um neun Prozent war der Kurs abgestürzt. Spekulationen um den Ausstieg von Hedgefonds bei der Deutschen Bank, die laut Bloomberg TV angeblich Gelder und überschüssige Positionen im Zuge mit komplizierten Derivat-Transaktionen abgezogen haben sollen, schickten die Aktie der Deutschen Bank einmal mehr auf Talfahrt. Der überwiegende Teil der rund 200 institutionellen Handelskunden sollen der Deutsche Bank aber noch die Treue halten.

Nichtsdetotrotz wurden auch die Kurse anderer Banken mit in die Tiefe gezogen. Erste Beobachter sorgten sich bereits darum, dass der Bankensektor wie einst zur Lehman-Pleite im Jahr 2008 mit in die Tiefe gezogen werden könnte. Auch damals vollzog sich der Absturz innerhalb weniger Wochen und verursachte die Lawine von Kursabstürzen.

Streit und Hausaufgaben

Anlass für das Misstrauen gegenüber der Deutschen Bank sind vor allem die jüngsten Rechtsstreitereien mit der US-Justiz. Das Justizministerium hatte die Deutsch-Banker auf rund 14 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. Es geht dabei um Hypothekengeschäfte, die noch vor der Finanzkrise im Jahr 2008 getätigt wurden.

Darüberhinaus hat die Bank noch immer nicht ihre Hausaufgaben gemacht, die infolge der Finanzkrise notwendig gewesen wären. Die Bank setzte bis zuletzt weiterhin auf das Investmentbanking. Das Problem: Der Bereich wurde durch strikte Regulierungsvorgaben stark begrenzt, was auf die Gewinnaussichten drückt. Und außerdem zählte die Bank - im übrigen wie der ebenso kriselnde deutsche Konkurrent Commerzbank - beim Bankenstresstest unter 51 großen Banken zu den schlechtesten zehn Banken. Der IWF hatte der Bank deshalb eine Rüge erteilt.

Deutsche-Bank-CEO Cryan will die Wogen auch bei seinen Mitarbeitern glätten. In einem E-Mail erklärte er, dass die Bank "Gegenstand heftiger Spekulationen geworden ist". Immer neue Gerüchte führten außerdem dazu, dass "unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt", so Cryan.

Der Bankchef erklärte, dass die Markt- und Kreditrisiken in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden seien. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute", meint der Cryan.

Nach einem Rekordtief unter zehn Euro konnte sich die Aktien am Freitagnachmittag erholen. Der Kurs erholte sich und notiert gegen 15:30 Uhr bei 10,75 Euro nur noch mit 1,75 Prozent im Minus. Zum Handelsauftakt notierte die Aktie mit minus neun Prozent.

Kürzlich aufkommende Gerüchte, der Staat müsste der Bank kommen, haben bereits Anfang der Woche die Bank auf Talfahrt geschickt. Zuletzt wurde von politischer Seite aber auch im eigenen Haus dementiert, dass derartige Stützzahlungen in Aussicht gestellt wurden. Auch ein möglicher Einstieg des Staates wurde heftig dementiert. Für Kapitalanleger war auch das wenig beruhigend. Die Bank-Aktie war deshalb diese Woche im Sinkflug.

Die Deutsche Bank kommt zudem nicht aus einem ganzen Strudel von Skandalen heraus. Seit dem Jahr 2010 stolpert das einst stolze deutsche Kreditinstitut von einem Skandal in den nächsten. Das hat nicht nur dem Renommee geschadet, sondern freilich viel Geld verschlungen (siehe unten) .


7 Sündenfälle der Deutschen Bank

Die Chronologie der teuren Pannenserie:

April 2015: Verstrickung in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze kosten die Deutsche Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Mrd. US-Dollar zahlen. Das Institut verständigt sich mit Behörden in den USA und Großbritannien auf einen Vergleich. Es ist die höchste bisher verhängte Strafe gegen eine Bank in diesem Fall.
Ende 2014: Der deutsche Branchenprimus legt 450 Mio. Euro für die Rückzahlung von Gebühren bei Verbraucherkrediten zurück. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass Bearbeitungsgebühren für Konsumentenkredite zusätzlich zu den Zinsen unzulässig sind.
Februar 2014: Die Bank zieht einen teuren Schlussstrich unter den Dauerstreit um die Pleite des Kirch-Medienkonzerns, beim dem hochrangige Manager durch allzu locker Aussagen in der Öffentlichkeit, den Niedergang des Medien-Imperium Kirch befeuert haben. 925 Mio. Euro kostet der am Oberlandesgericht München besiegelte Vergleich. Damit beendete die Bank die juristische Auseinandersetzung um eine Mitverantwortung für die Pleite des Kirch-Konzerns 2002.
Dezember 2013: Das Institut zahlt 1,9 Mrd. Dollar in einem Streit um Hypothekenpapiere in den USA. Die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac fühlten sich bei Hypothekengeschäften aus den Jahren 2005 bis 2007 übers Ohr gehauen.
Dezember 2013: Die EU-Kommission bestraft mehrere Finanzinstitute wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor mit Bußen von insgesamt 1,7 Mrd. Euro. Die Deutsche Bank muss mit 725 Mio. Euro die größte Zahlung leisten.
Mai 2012: Der Konzern steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte der US-Tochter MortgageIT gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, fließen 202 Mio. Dollar.
März 2012: Das Geldhaus legt einen Streit mit der Stadt Mailand über umstrittene Zinswetten gegen eine Millionen-Zahlung bei. Insgesamt erhält die italienische Wirtschaftsmetropole 455 Mio. Euro. Die Entschädigungszahlung teilen sich vier Banken.

In Summe hat die Deutsche Bank insgesamt Strafen in Höhe von 7,48 Milliarden Dollar (6,69 Mrd. Euro) bezahlen müssen. Bei der jüngsten Klage könnte sich die von den US-Behörden geforderte Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar jedoch noch deutlich reduzieren. Die Analysten von Analysten von JPMorgan rechnen mit bis zu 5,4 Milliarden Dollar.


Kaum besser geht es der Commerzbank. Sie hatte ebenso beim Stresstest quasi versagt. Und war unter den schlechtesten zehn Großbanken von insgesamt 51 Geldinstituten.

Der zweite Deutsche Patient

Die Commerzbank-Aktie (DE000CBK1001) hat seit Jahresbeginn ein Drittel des Wertes verloren. Und auch ihre Aktie ist am Freitag um 8,5 Prozent tiefer in den Handel gestartet. Bis am Nachmittag hat sich das Minus bei 3,17 Prozent eingependelt beim Kurs von 5,62 Prozent.

Die Commerzbank zieht nun die Notbremse. Das renommierte Bankhaus will nun mit massiven Kostensenkungen den freien Fall bremsen.

Diese Woche hat die Bank zunächst beschlossen 6000 Mitarbeiter so rasch wie möglich zu kündigen. Am Freitag war bereits von einem Abbau von rund 9600 Vollzeitstellen die Rede, die bis 2020 gestrichen werden sollen. Derzeit beschäftigt die Commerzbank 45.000 Mitarbeiter.

Ein rigoroser Strategiewechsel steht bei den Frankfurter Bankern auf dem Plan. Zum Kerngeschäft zählen künftig Privat- und Unternehmenskunden sowie mit Firmenkunden. Die Bank setzt dabei weiterhin auf sein Filialnetz mit 1050 Standorten. Vor allem will die Bank dabei auch ins Online-Banking investieren. 700 Millionen Euro sollen jährlich in die IT investiert werden.

Im Vorstand kommt der radikale Konzernumbau zum tragen: Der Chef der Mittelstandssparte, Markus Beumer, verlässt das Institut. Die neue Firmenkundensparte soll Michael Reuther übernehmen, der vom Investmentbanking kommt, dass soweit wie möglich eingestampft werden soll. Diese Bereich soll mit den Resten der Mittelstandssparte zusammengefügt werden.

Absturz ins Etappen: Die Commerzbank hat am Freitag einmal mehr kräftig verloren. Am Freitag notierte der Kurs bis zu 8,5 Prozent im Minus - am Nachmittag (16 Uhr) hatte sich der Kursverlust bei knapp drei Prozent eingependelt.

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