Deutsche-Bank-Chef Sewing holt drei neue Vorstände

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing will sich auf "Stärken" des Finanzinstituts konzentrieren und das Digitalgeschäft gleichzeitig auf neue Beine stellen. 18.000 Mitarbeiter müssen gehen. Derei neue Vorstände kommen, drei gehen. Ein Ex-Vorstand des deutschen Softwarekonzerns SAP soll die Digitalisierung anschieben.

Deutsche-Bank-Chef Sewing holt drei neue Vorstände

Frankfurt. Für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist der Abbau von 18.000 Stellen im Zuge des Konzernumbaus unvermeidlich. "Wir haben keine andere Möglichkeit", sagte Sewing am Montag dem Sender n-tv. "Diese Bank muss sich auf ihre Stärken konzentrieren", fügte er hinzu. "Das machen wir jetzt und das bedeutet, dass wir Dinge schließen und das heißt auch Jobs abbauen."

Sewing hatte am Sonntag die "umfassendste Transformation der Deutschen Bank seit Jahrzehnten". Er kündigte den Rückzug aus Teilen des Investmentbankings sowie dem Aktienhandel an . Die Bank soll sich wieder stärker auf ihre einstigen Stärken besinnen und die Strategie wieder der Finanzierung und Beratung von Unternehmen fokussieren.

Der erst im April des Vorjahres zum Vorstandschef bestellte Sewing will das deutsche Bankhaus aus der Dauerkrise herausführen, die nach der Finanzkrise 2009 ihren Lauf nahm. Die deutschen Banker waren in den 1990er-Jahren in den weltweiten Aktienhandel eingestiegen. Die Investmentbank-Abteilung war lange Jahre für Milliardengewinne zuständig. Im Zuge der Finanzkrise hagelet es geradezu Milliardenstrafen.

Ein Fünftel der Belegschaft muss gehen

Im Zuge dessen soll die Mitarbeiterzahl bis 2020 um etwa ein Fünftel auf 74.000 reduziert werden. Künftig soll sich die Bank vor allem auf das Kundengeschäft besinnen. Der Konzernumbau wird insgesamt rund 7,4 Milliarden Euro kosten.

Die Bank will zudem Vermögenswerte in Milliardenhöhe in eine Bad Bank ausgliedern, um se dort abzuwickeln. Der Wert wird auf 74 Milliarden Euro beziffert, der über die Bad Bank schrittweise aus der Bilanz verschwinden soll.

"Die Stärken der Bank sind insbesondere das globale Firmenkundengeschäft", bekräftigte Sewing gegenüber n-tv. "Aber natürlich haben wir daneben eine jetzt verkleinerte, sehr stark fokussierte Investmentbank", fügte er hinzu.

Ex-SAP-Vorstand übernimmt Digital-Agenda

Der Vorstandsvorsitzende will die Bank auch fit für die Digitalisierung machen. Neuer Digitalvorstand wird Bernd Leukert, ehemals Vorstandsmitglied bei SAP. "Die Bankenwelt wird auf Dauer insbesondere durch Technologie bestimmt und durch eine Top-Beratung", sagte Sewing. Für beides müsse die Deutsche Bank stehen. Leukert sei daher ein "Glücksgriff".

Bernd Leukert war gerade frei. Er wechselt nach seinem Ausscheiden aus dem SAP-Vorstand im Februar praktisch fliegend zur Deutschen Bank.

Leukert war erst Ende Februar beim deutschen Softwarekonzern SAP freiwillig ausgeschieden. Er war von 2014 bis 2019 Mitglied des Vorstand bei SAP. Über 25 Jahre war Leukert bei SAP maßgebend für die Produktentwicklung des Softwarekonzerns zuständig.

Zudem werden zwei weitere Manager in den Vorstand bestellt. Die gebürtige Amerikanerin Christiana Riley übernimmt ab sofort die regionale Verantwortung für das Geschäft in Nord- und Südamerika. Sie war zuvor Investmentbankerin und Beraterin bei McKinsey ehe sie im Jahr 2006 zur Deutschen Bank kam. Seit Ende 2015 ist Riley Finanzchefin der Unternehmens- und Investmentbank.

Stefan Simon wird Chief Administrative Officer (CAO) und für die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden und die Rechtsabteilung verantwortlich sein. Er war seit August 2016 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und leitete dessen Integritätsausschuss.

Neben den 18.000 Mitarbeitern werden auch drei Top-Manager gehen müssen.

Garth Ritchie, der die Bank bis Ende November weiter beraten wird, werden auch die Vorstände Sylvie Matherat und Frank Strauß die Bank zum 31. Juli verlassen.

Die Anleger haben den radikalen Schnitt, der von Aktionärsschützer und Analysten seit Jahren gefordert wurde, zunächst goutiert. Die Deutsche-Bank-Aktie [ISIN DE0005140008 ] hat am Montag [8.7.2019} in den ersten Handelsstunden um satte 2,5 Prozent zulegen können, doch war dies offenbar ein Strohfeuer. Gegen 11:20 Uhr [MEZ] notierte die Papier wieder im Minus mit rund zwei Prozent Abschlag gegenüber dem Eröffnungskurs.

Die Krise der Deutschen Bank lässt sich am Aktienkurs alleine über die vergangenen 5 Jahre eindrucksvoll nachlesen. Die Investoren schrieen mehrfach Alarm, drastische Maßnahmen blieben jedoch bis zuletzt aus.

Die Zahlen für das zweit Quartal sind alles andere als ein Lichtblick. Nach vorläufigen Zahlen erwartet die Geschäftsführung einen Verlust von etwa 500 Millionen Euro vor Steuern und 2,8 Milliarden Euro nach Steuern im Zeitraum April bis Ende Juni. Am 24. Juli sollen wie geplant die konkreten Zahlen bekannt gegeben werden.

Die Aktionäre werden sich weiter gedulden müssen, denn bis auf weiteres wird die Dividende ausfallen. Für die Jahre 2019 und 2020 wird es jedenfalls keine Dividende geben.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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