Delta-Variante bremst Chinas Aufschwung

In China hat die Industrie im Juli an Fahrt verloren. Unternehmen kämpfen infolge neuer Lockdowns zur Eindämmung der Delta-Infektionswelle mit Lieferengpässen und höheren Kosten. Auch der Einzelhandel kann nicht als Wachstumsmotor dienen.

Delta-Variante bremst Chinas Aufschwung

Ein Container-Terminal in Chinas Industriemetropole Shenzen

Der schlimmste Ausbruch des Coronavirus seit einem Jahr mit der Delta-Variante, schwere Überschwemmungen, ein schwächerer Immobilienmarkt und Autoabsatz haben China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, unter Druck gesetzt. Die zuletzt gestiegenen Virus-Infektionen und Eindämmungsmaßnahmen der Politik fordern ihren Tribut.

Wegen neuer Corona-Ausbrüche mussten beispielsweise Fabriken und Häfen zeitweise geschlossen werden. Hinzu kamen noch schwere Überflutungen und heftige Regenfälle, etwa in der wirtschaftlich wichtigen Provinz Henan. Das verschärft ohnehin bestehende Lieferengpässe und treibt die Kosten nach oben. "Die Erholung der Binnenwirtschaft steht noch immer vor vielen Herausforderungen, die Produktionsbeschränkungen haben zugenommen", sagte der Sprecher des Statistikamtes, Fu Linghui. Die asiatischen Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die neuen Daten aus China.

Auch der Aufschwung in China verliert angesichts neuer staatlicher Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus an Schwung. Die Industrieproduktion in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wuchs im Juli nur noch um 6,4 Prozent zum Vorjahresmonat und damit weniger als erwartet, wie am Montag in Peking veröffentlichte Daten des Statistikamts zeigten. Analysten hatten mit 7,8 Prozent gerechnet, nachdem die Produktion Juni noch um 8,3 Prozent zugelegt hatte.

Prognosen werden gekappt

Chinas Regierung verfolgt eine Null-Covid-Strategie und regiert auf kleinere Ausbrüche mit Massentests, Kontaktverfolgung, Quarantäne und der Unterbrechung von Transportverbindungen. Auch hat sich das Land weitgehend vom Ausland abgeschottet. Nur wenige Einreisen werden erlaubt. Nach der Ankunft müssen Reisende jetzt für drei Wochen in eine Quarantäne-Einrichtung.

Erste Ökonomen haben ihre Wachtumsprognosen für China gesenkt. "Angesichts von Chinas Null-Toleranz-Ansatz gegenüber Covid werden künftige Ausbrüche weiterhin ein erhebliches Risiko für die konjunkturellen Aussichten darstellen, auch wenn inzwischen rund 60 Prozent der Bevölkerung geimpft sind", so Volkswirt Louis Kuijs von Oxford Economics. Die Experten des Finanzhauses ANZ senkten ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts heuer von 8,8 auf 8,3 Prozent.

"Die Daten von Juli deuten darauf hin, dass die Wirtschaft sehr schnell an Dampf verliert", sagte Raymond Yeung, ANZ-China-Ökonom der Finanzagentur Bloomberg. Die Rückkehr des Coronavirus mit der Delta-Variante schaffe im August zusätzliche Risiken. Nach Angaben der Behörden ist der jüngste Ausbruch aber schon wieder weitgehend unter Kontrolle gebracht worden. Allerdings ist noch unklar, wie schnell viele Beschränkungen wieder aufgehoben werden.

Preissteigerungen als Problem

Die höheren Rohstoffpreise dürften vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unter Druck setzen. Diese seien sind nicht in der Lage, die gestiegenen Kosten an die Käufer weiterzugeben, sagte ein Verkaufsleiter einer Fabrik für medizinische Geräte in der östlichen Provinz Jiangsu. "Wir trauen uns nicht, unsere Preise zu erhöhen... aber unsere Preise dürfen nicht fallen, sonst gibt es überhaupt keinen Gewinn", sagte er.

Angesichts der zuletzt schwächeren Wirtschaftsdaten nehmen die Spekulationen zu, wonach Regierung und Zentralbank die Konjunktur stärker stimulieren könnten. "Unserer Meinung nach gibt es jedoch vorerst wenig Anzeichen dafür, dass China seine Politik grundlegend ändern wird", erwarten die Commerzbank-Ökonomen. So beließ die Notenbank ihre Zinssätze für die mittelfristige Kreditfazilität zu Wochenbeginn unverändert gelassen, "was darauf hindeutet, dass die Behörden der Ansicht sind, dass die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen immer noch in einem annehmbaren Bereich liegen".

Starke Unternehmer mit Weitblick

Wie eine HAUSBANK mit Vertrauen erfolgreiche Firmengründer in ganz …

Das Waterdrop-Team: Christoph Hermann (l.), Martin Murray und Henry Murray (r.)

„Nachhaltigkeit ist ein Must-have“

Die Auszeichnung in der Kategorie „Nachhaltigkeit & Greentech – …

Christian Winkelhofer, Managing Director Neue Technologien Accenture Österreich

Wie das Metaverse unser Denken und Handeln verändern wird

Die Pandemie war für viele Unternehmen ein Weckruf, die eigene …

„Die Pandemie hat uns ein neues Denken gelehrt“

„Die Pandemie hat uns ein neues Denken gelehrt“

Vergaberecht. Rechtsanwalt Martin Schiefer und seine 35 Mitarbeiter …