Panama Papers: David Camerons schlechtes Krisenmanagement

Panama Papers: David Camerons schlechtes Krisenmanagement

Information Scheibchenweise: Cameron kommt in Erklärungsnot.

Die Wahrheit scheibchenweise ans Licht zu lassen, ist für Politiker stets riskant. Hochriskant. David Cameron, da sind sich die Kommentatoren in London einig, hat in Sachen "Panama Papers" das schlimmste Krisenmanagement hingelegt, das man sich denken kann. Fünf Erklärungen in vier Tagen - wer glaubt ihm jetzt noch?

Es geht um vergleichsweise eher lumpige 30.000 Pfund (37.161,83 Euro), die David Cameron mit seiner Frau im Offshore-Trust seines Vaters angelegt hatte. Jetzt geht die Frage um: Könnte der Wirbel um den Premier das "Brexit"-Referendum im Juni beeinflussen?

Die Kritik in den Medien ist unerbittlich. "Es ist für Cameron nun zu spät, um noch viel gegen den Schaden durch die sogenannten Panama Papers zu unternehmen", ätzt etwa der "Independent". Ausgerechnet Cameron, der sich stets vollmundig gegen Steuerflucht in Stellung bringt, meint das Blatt. Das böse Wort, das ihm jetzt anhängt, heißt "Heuchelei" - seine Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.

Krisenkommunikation: Salami-Taktik

Alles fing damit an, dass der Name seines 2010 gestorbenen Vaters Ian in den "Panama Papers" auftauchte. Es war nicht mal von einer Ungesetzlichkeit die Rede. Erste Reaktion in Downing Street am Montag: Das ist eine "Privatsache". Privatsache? - da horchen Medien doch gleich auf, wittern mehr, bohren weiter.

Das zweite Statement kam Dienstag, Originalton Cameron: "Ich habe keine Anteile, keine Offshore-Trusts, keine Offshore-Funds, nichts dergleichen." Doch die Presse fragte sich: Und was war früher?

Später am Tag schob Downing Street nochmals ein Statement hinterher, dass auch Frau und Kinder Camerons nicht von Offshore-Konten profitierten. Das konnte ebenso wenig beruhigen wie eine weitere Erklärung, dass sie auch in Zukunft keine Gelder aus solchen Quellen kriegen.

Erst am Donnerstag gab Cameron dann zu, dass er und seine Frau vor seiner Amtszeit Geld in einem Offshore-Trust seines Vaters in Panama angelegt hatten. Vor seinem Amtsantritt 2010 hätten sie die Anteile im Wert von rund 30 000 Pfund verkauft und dafür Steuern in Großbritannien bezahlt. Jetzt fragen sich viele in London: Warum erst so spät, ist das Alles, kommt da noch mehr?

Camerons Glaubwürdigkeit stark angekratzt

Wie so oft in der Politik: Es geht "nicht nur um die Fakten an und für sich - mehr als um alles andere geht es darum, wie man mit der Sache umgeht", meint der "Telegraph".

Der Zweifel nagt, schon gehen weitere Fragen um. Was ist mit den rund 300.000 Pfund, die Cameron von seinem Vater geerbt hat? Er drückt sich mehr als vage aus: "Ich kann natürlich nicht jede Quelle für jedes Bisschen von dem Geld ausmachen, und Dad ist nicht mehr da, um ihm diese Fragen zu stellen."

Noch steht Downing Street nicht in Flammen, noch fordert Labour-Chef Jeremy Corbyn nicht den Rücktritt des Premiers. Aber dessen Glaubwürdigkeit ist angeschlagen.

Eines steht fest: Die EU-Gegner, die für einen Austritt Großbritanniens kämpfen, werden das gnadenlos ausnutzen. Jeder weiß: Wenn die Briten am 23. Juni darüber abstimmen, ob sie aus der EU austreten oder drinbleiben, geht es auch um etwas ganz Anderes. Es geht um das politische Schicksal Camerons.

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