Daimler-Chef Zetsche will heuer erneut Gas geben

Der Stuttgarter Autobauer hat im abgelaufenen Quartal den Nettogewinn auf 2,8 Mrd. Euro verdoppelt, der Umsatz legte um elf Prozent auf 38,8 Mrd. Euro zu. Doch größeres Ungemach droht aus den USA. Daimler hat bereits eine "empfindliche" Strafe einkalkuliert.

Daimler-Chef Zetsche will heuer erneut Gas geben

Daimler-CEO Dieter Zetsche will das Wachstempo erhöhen.

Stuttgart. Die gute Nachricht zuerst: Daimler hat noch Luft nach oben. Soll heißen: Die Zeichen stehen auf Expansion. Trotz hervorragendem Ergebnis will der Daimler-CEO Dieter Zetsche nochmals eins drauf legen. Und beim Wachstum und Gewinn heuer richtig Gas geben.

Die zweite Botschaft ist allerdings alles andere als rühmlich und positiv: Gegen Daimler ermitteln Behörden in Deutschland und den USA wegen der Abgasbehandlung bei Dieselautos. Der Konzern erklärt, dass erhebliche Geldstrafen oder Rückrufaktionen möglich wären, um gleichzeitig zu betonen sich an die Vorgaben gehalten zu haben. Eine empfindliche Strafe könnte es in den USA geben.

"Hinter uns liegt ein äußerst erfolgreiches Quartal. Vor uns liegt eine Vielzahl an Möglichkeiten für weiteres profitables Wachstum", erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche zur Quartalsbilanz. Die Dieseldiskussion bremst laut Finanzchef Bodo Uebber die Rekordfahrt bisher nicht.

Der Nettogewinn ist mit 2,8 Mrd. Euro doppelt so hoch ausgefallen wie im Vorjahresquartal. Der Umsatz legte um elf Prozent auf 38,8 Mrd. Euro zu.

Auf Rekordkurs eingestellt

Daimler-Chef Dieter Zetsche will somit heuer auf Rekordfahrt steuern. Wichtig ist dabei freilich der Vergleich mit dem bayrischen Konkurrenten BMW. Daimler will den Vorsprung als weltweit führender Hersteller von Premiumfahrzeugen vor BMW noch ausbauen.

Die Daimler-Aktie tritt nach der Bekanntgebe der Ergebnisse dennoch auf Stelle und hatte zwischenzeitlich rund ein Prozent an Wert verloren. Der Börsenwert von Daimler beläuft sich auf rund 75 Mrd. Euro.

Dank besserer Aussichten für seine Pkw-Marke Mercedes-Benz setzte der Konzern die Prognose für Absatz, Umsatz und Gewinn am Mittwoch herauf. Der operative Gewinn soll nun "deutlich" und damit um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 12,9 Mrd. Euro zulegen. Bisher hatten die Schwaben nur einen "leichten" Anstieg in Aussicht gestellt.

In der Hauptsparte Pkw erwartet Daimler dank neuer Modelle wie der E-Klasse und SUVs nach dem kräftigen Anstieg im ersten Quartal ein Absatzplus von mehr als fünf Prozent. BMW traut sich bisher nur einen "leichten" Zuwachs zu, unter dem sie einen Anstieg von bis zu fünf Prozent verstehen. Von Januar bis März hatte die Marke mit dem Stern den Abstand zur Konkurrenz aus München vergrößert. Mercedes-Benz lieferte mit gut 560.000 Fahrzeugen 16 Prozent mehr aus. BMW schlug von der Kernmarke gut 503.000 Wagen los, ein Zuwachs von 5,2 Prozent.

Zu einer höheren Jahresprognose der Schwaben tragen auch günstige Währungseffekte und einige Sonderfaktoren bei. So verdoppelte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im ersten Quartal fast auf vier Milliarden Euro. Doch nur 30 Prozent des Zuwachses fuhr Daimler mit seinem operativen Geschäft ein, günstigere Wechselkurse spülten etwa genauso viel zusätzlich in die Kasse.

Zudem besserten höhere Buchwerte für die Beteiligung am digitalen Kartendienstleister Here die Bilanz auf. Ohne diese Sonderfaktoren läge die Rendite bei 9,0 statt der von Daimler genannten 9,8 Prozent, wie Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI vorrechnete.

Der Diesel hämmert weiter

Von der allmählich sinkenden Nachfrage nach Dieselautos, die durch den Abgasskandal bei Volkswagen und die Diskussion über Fahrverbote verursacht wird, spürt Daimler Finanzchef Uebber zufolge bisher nichts. "Auf europäischer Ebene sehen wir kaum Veränderungen im Anteil."

Der Diesel-Absatz sei bei Mercedes wegen des Marktwachstums noch gestiegen. Auch seien die Restwerte von geleasten Dieselfahrzeugen, die Daimlers Finanzsparte in den Büchern stehen hat, nicht gesunken.

Drohende Diesel-Strafe

Doch in Deutschland und den USA laufen noch Ermittlungen der Behörden, ob auch Mercedes bei der Abgasbehandlung gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen hat. Der Konzern betont, sich an die Vorgaben gehalten zu haben. Doch es sei nicht ausgeschlossen, dass die Behörden zu dem Schluss kämen, dass in Mercedes-Benz Dieselfahrzeugen möglicherweise unzulässige Funktionen enthalten seien, hieß es bereits im Geschäftsbericht für 2016.

Erhebliche Geldstrafen oder Rückrufaktionen wären möglich. "Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorgenannten Risiken erhebliche nachteilige Auswirkungen auf unsere Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage haben könnten", bekräftigte Daimler.

Eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen den Autobauer wegen irreführender Werbung zu emissionsarmen Diesel-Autos wird am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt.

Dieselabgase weit höher als erlaubt

Wegen überraschend hoher Stickoxid-Werte auch bei modernen Diesel-Autos macht die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks Druck auf die Autobranche. Die Anbieter sollten ihre Pkw auf eigene Kosten nachrüsten und so die Emissionen um mindestens die Hälfte senken, forderte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin: "Die Lösungen müssen von den Herstellern kommen."

Neue Daten des Umweltbundesamts (UBA) zeigen, dass auch neue Euro-6-Diesel auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viel gesundheitsschädliche Stickoxide ausstoßen wie erlaubt. Allerdings gelten die Grenzwerte der Euro-Abgasnormen bisher nur für Labortests.

Insgesamt ist der Stickoxid-Ausstoß der deutschen Diesel-Flotte demnach um rund ein Drittel höher als bisher offiziell angenommen. In vielen Städten überschreitet die daraus entstehende Luftverschmutzung regelmäßig die erlaubten Werte, weswegen mehrere EU-Verfahren gegen Deutschland laufen. Der Verkehr ist nicht die einzige, aber in Städten die wichtigste Quelle des Schadstoffs.

"Alle Vorschläge, die ich unterbreitet habe, um den Kommunen Lösungswege an die Hand zu geben, wurden abgelehnt", sagte Hendricks mit Blick auf eine "Blaue Plakette" für relativ saubere Autos. Nun müsse Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Industrie stärker in die Pflicht nehmen.

Stickoxide - oft als NOx abgekürzt - können unter anderem den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System schaden. Ab Herbst werden in der EU schrittweise Abgas-Messungen eingeführt, die den Ausstoß auf der Straße überprüfen, nicht nur im Labor.

Den UBA-Daten zufolge stoßen Diesel, die der strengsten Abgasnorm Euro 6 entsprechen, auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus - der Grenzwert fürs Labor liegt bei nur 80 Milligramm. Um den Wert zu ermitteln, wurden laut UBA anders als bisher für betriebswarme Motoren Messungen bei allen in Deutschland typischen Außentemperaturen berücksichtigt. An kühlen Tagen steigt der Stickoxid-Ausstoß demnach stark an, auch wenn der Motor warm ist.

Bei Diesel-Pkw der Normen Euro 5 und Euro 4 sind die Unterschiede zwischen Labor- und Alltagswerten ebenfalls groß. Das wurde einer breiten Öffentlichkeit im Zuge des Abgas-Skandals ab Herbst 2015 bekannt.

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