Die 3D-Häuser-Drucker aus Amstetten

Die 3D-Häuser-Drucker aus Amstetten

Andreas Ludwig, CEO des niederösterreichischen Industriebetriebs Umdasch, wartet nicht bis in die Zukunft überrollt und geht in die Offensive.

Große Ideen entstehen nicht nur in Gegenden wie Silicon Valley, sondern auch in Amstetten. Der Industriekonzern Umdasch, der bei gigantischen Bauwerken wie dem Burj Al Arab in Dubai mitmischt, steht vor seinem nächsten Coup. Seine 3D-Drucker aus dem eigenen Haus stehen kurz vor der Serienreife und macht auch seine Old Economy-Sparte fit für die Zukunft.

Für den niederösterreichische Industriekonzern Umdasch ist Amstetten das Tor zur Welt. Dort werden sämtliche Produkte produziert und an die 260 Standorte weltweit verschickt. Unaufregend wie der Standort der Firmenzentrale mögen für Außenstehenden auch die Fabrikate sein. Denn das Familienunternehmen macht den größten Teil seines Umsatzes von 1,2 Milliarden Euro mit Schalungstechnik. Ein Gerüst mit dem Baufirmen Beton in Form gießen. „Das System funktioniert wie Lego“, erläutert Umdasch Chef Andreas Ludwig, der auf Einladung der britisch-österreichischen Gesellschaft und den Consultern Horváth & Partner gestern im Wiener Galaxy Gebäude sprach. Man kann ein und dasselbe Modul dazu verwenden in die Höhe oder in die Breite zu bauen.

Nur dass das Lego für Erwachsene dazu dient, mitunter gigantische Wolkenkratzer in Manhatten, Dubai, London oder Peking zu errichten. So waren Umdasch-Verschalungen beim Bau des Burj Al Arab, ein wichtiges Puzzle, um das Wachstum in die Höhe rasch voranzutreiben. Dass das Unternehmen mehr ist als nur ein einfach gestrickter Zulieferer für die Bauindustrie ist, zeigt sich auch an Innovationen, wie die Entwicklung einer Sensortechnik, mit der erstmals auf die Stunde genau festgestellt werden kann, wann der Beton trocken ist. „Die Technik bedeutet für Baufirmen eine große Kostenersparnis, denn so wissen diese erstmals genau, wann das nächste Stockwerk betoniert werden kann. Und Zeit ist gerade in der Baubranche Geld“, erläutert Ludwig. So bekamen die Amstettern auch deshalb einst den Zuschlag für die Verschalung des Burj Al Arab, eines der luxuriösesten und höchsten Luxushotels der Welt. „Wir konnten durch unsere Sensortechnik garantieren, dass die Baufirma pro Woche zwei Stockwerke errichten kann.“

Häuser aus dem 3D-Drucker für die Dritte Welt

Nun forscht der 150-Jahre alte Industriebetrieb an seinem nächsten großen Projekt. Den Bau von Häusern mittels 3D-Drucker. Die Amstettner zählen damit zu einem weltweit kleinen Kreis an Unternehmen, die an dieser neuen Möglichkeit schneller und damit kostengünstig Häuser zu bauen, tüfteln. Umdasch ist dazu bei einer darauf spezialisierten US-Firma eingestiegen und arbeitet mit Universitäten, auch in Österreich, zusammen. Erste Prototypen wurden bereits gebaut. Kleinere Häuser können so innerhalb weniger Stunden bis Tage im 3D-Druckverfahren entstehen. Die ersten 3D-Baudrucker des Konzerns sollen ab Anfang 2018 in die Serienproduktion gehen.
Dass die neue Technik aus dem eigenen Haus am eigenen Ast sägt und früher oder später Verschalungen überflüssig macht, glaubt Ludwig nicht. „Häuser aus dem Drucker sind vor allem für Wohnhäuser mit etwa zwei Stockwerken geeignet.“ Für Wolkenkratzer und andere Großbauten wie Staudämme wären nach wie vor Verschalungen nötig, um den Beton über große Höhen auftragen zu können. Der Einsatz der 3D-Drucker soll vor allen in Regionen mit besonders raschem Bevölkerungswachstum, wie in dritte Welt Länder stattfinden oder bei der Katastrophenhilfe. Nach einem Erdbeben könnten in dem betroffenen Gebiet in kurzer Zeit neue Gebäude gedruckt werden.

Kein Nachfrageeinbruch in Dubai erwartet

Doch das große Geschäft wird in den Metropolen der Welt gemacht. Einer der wichtigsten Märkte außerhalb Europas ist für Umdasch der mittlere Osten, wo sie etwa in Saudi Arabien oder Katar seit Jahrzehnten vertreten sind. Eine Immobilienblase in Städten des Mittleren Ostens, wie Dubai, nach dem Bauboom der letzten Jahre, fürchtet der Manager nicht. „Dort hängt alles am Ölpreis. Solange der nicht stärker nachgibt, wird der Bauboom weitergehen.“ Über die vielen riesigen Wolkenkratzer, die dort entstehen, wundert sich Ludwig aber dennoch im wieder. „Die Emirate sind eine riesige Wüste und an Fläche besteht alles andere als ein Mangel, trotzdem baut man extrem in die Höhe. Würde man die gleiche Baufläche in die Breite gehen, wäre es auch viel billiger.“
Vor wirtschaftlichen Einbrüchen ist das Unternehmen aber nicht gefeit, wie 2008 zeigte. „Während der des ersten Krisenjahres ist unsere Produktion um 67 Prozent eingebrochen“, erzählt Ludwig. Dieses Ausmaß hatte selbst das Management überrascht. Flexiblere Arbeitszeiten sollen nun aber solche heftigen Dämpfer zumindest mildern.

Zweistellige Zuwächse

Das Geschäft läuft gut. „So einen starken und weltweiten Aufschwung hatten wir seit 2002 nicht mehr. Wir profitieren davon und werden heuer zweistellig wachsen“, prognostiziert der Manager. Im Vorjahr fuhr der Konzern mit seinen 7.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro ein und konnte den Umsatz um elf Prozent steigern und schaffte einen Betriebserfolg von 100 Millionen Euro. Die Produktion ins Ausland zu verlagern, daran denkt Umdasch-Boss Ludwig nicht. „Einer der Gründe warum wir stets von Amstetten und einem kleineren Werk in Tschechien aus produzieren, ist, der hohe Automatisierungsgrad.“

Gummistiefel beleben das Shopbau-Business

Neben dem Verkauf und der Vermietung von Schalungskonstruktionen zählt der Ladenbau, zum zweitwichtigsten Umsatzsatzbringer des Unternehmens. Bei der Konzeption und dem Bau nobler Shops steht man dem Verschalungsbau, wenn es um Prestigeprojekte geht, um nichts nach. So errichten die Niederösterreicher Shops für internationale Luxusmarken wie für Ferrari oder Christan Dior und Museumshops wie das im berühmten Victoria & Albert Museum in London. Die neueste Spielwiese auf der sich das Unternehmen mit außergewöhnlichen Shopkonzepten betätigen kann, ist die Edel-Gummistiefelmarke Hunter. Auf der Insel stampft Umdasch derzeit rund 70 Shops aus dem Boden, eine davon auf der noblen Einkaufsmeile Regent Street. Großbritannien ist für den Konzern einer der wichtigsten europäischen Märkte, sowohl was die Bau-als auch die Shopsparte betrifft.

Investieren trotz Brexit

Den Brexit fürchtet Ludwig trotz des großen Engagements in Großbritannien nicht. „Es gibt nur einen Mitwerber und der ist als deutsches Unternehmen und daher mit denselben Rahmenbedingungen konfrontiert.“ Und er rechnet damit, dass die Baukonjunktur auf der Insel weiter stark bleiben wird. Für Ludwig also kein Grund wegen des Briten-Ausstiegs aus der EU, in Agonie zu verfallen und sieht die Entwicklungen durchaus pragmatisch. „Unsere drei Standorte in England sollen deshalb, wie schon vor dem Brexit geplant, um 15 Millionen Euro renoviert und ausgebaut werden." Als Familienunternehmen würde man ohnehin langfristige strategische Ziele verfolgen und sei durch Sanktionen wie für Russland oder bislang für den Iran gewohnt, mit völlig neuen Ausgangsbedingungen umzugehen. Den Brexit-Kurs, den die britische Premierministerin Theresa May fährt, gibt ihm jedoch Rätsel auf. „Auch nach ihrer jüngsten Rede am Freitag bin ich nicht viel schlauer als zuvor.“

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