CRRC: Zug um Zug nach Europa

Nach zähen Anfangsjahren verzeichnet die Europazentrale des weltgrößten Schienenfahrzeugbauers CRRC aus China Erfolge am heimischen Markt.

Chen Qiang, General Manager CRRC

Chen Qiang, General Manager CRRC und der Doppelstockzug, den man wohl bald auch auf der Westbahn sehen wird.

Wer Chen Qiang im 11. Stock des Ares-Tower auf der Wiener Donauplatte besucht, findet im CRRC-Büro eine ganze Reihe Miniatur-Zugmodelle. Ein Doppelstockzug, ähnlich wie die Wiesel-Nahverkehrszüge der ÖBB und die Garnituren der privaten Westbahn, sticht dabei besonders ins Auge. Dieser Zug werde schon bald durch Österreich rollen, sagt General Manager Chen, ein freundlicher 45-Jähriger im blauen Businessanzug.

Das macht hellhörig. CRRC, ein chinesischer Staatskonzern mit Sitz in Zhuzhou in der Provinz Hunan, hat seit 2015 seine Europazentrale in Wien. Bisher hat kaum jemand von den Aktivitäten Notiz genommen: Einige kleinere Aufträge für die tschechische Privatbahn Leo Express sowie ein Lok-Entwicklungsauftrag für die ÖBB-Tochter Rail Cargo Hungaria fielen auf.

Nur 2019 gab es kurz große Aufregung: CRRC sollte 15 Züge für die Westbahn liefern, es wäre der erste größere Auftrag für den Schienenfahrzeug-Weltmarktführer aus China in Mitteleuropa gewesen. Bei den europäischen Branchenriesen wie Siemens oder Alstom schrillten daraufhin die Alarmglocken. Letztlich stach die Schweizer Stadler Rail die Chinesen aus.

Gespräche mit Westbahn

Doch die Gespräche mit der Westbahn rissen nie ab, und nun dürfte CRRC vor einem zwar nicht großen, aber jedenfalls prestigereichen Deal mit der Privatbahn - Hauptaktionär: Hans Peter Haselsteiner - stehen. Ebenso wie die Westbahn gibt sich aber auch Herr Chen auf Nachfrage des trend hin verschwiegen „Zuerst muss der Hahn gezüchtet werden, dann werden die Eier gelegt“, erklärt er in seiner bilderreichen Sprache. „Wir äußern uns nicht dazu“, sagt eine Westbahn-Sprecherin. Details sollen Ende Mai kommuniziert werden.

Für CRRC, der mit dem Kauf der Vossloh-Lokomotivfabrik in Kiel 2020 ein Coup gelang, geht es jedenfalls in kleinen, aber steten Schritten vorwärts. „Wir bemühen uns nicht um große Stückzahlen, das ist bei staatlichen Aufträgen in Europa kompliziert“, bestätigt Chen, dass man künftig eine Politik der kleinen Schritte verfolge. Man braucht kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass man sich das Kürzel CRRC für die nächsten Jahre merken wird müssen.


Mehr über die Pläne für das Wiener CRRC-Headquarter, neue Entwicklungsaufträge und die Folgen der Anti-China-Politik von Joe Biden für chinesische Hersteller in Europa lesen Sie in der trend. EDITION vom 30. April 2021.

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