Covid-Knick: voestalpine muss weitere 200 Millionen abschreiben

Die Covid-19-Krise lastet schwer auf der voestalpine. Das Unternehmen muss weitere Wertberichtigungen von rund 200 Millionen Euro vornehmen. Die Problemstellen liegen in Texas und in Kindberg.

voestalpine-Vorstandschef Herbert Eibensteiner

Konzern als Baustelle: voestalpine-Chef Herbert Eibesnteiner muss weitere Wertberichtigungen vornehmen.

Kindberg, Texas. Kein Titel eines Road-Movie á la Wim Wenders, sondern zwei Problemzonen, die dem voestalpine-Vorstand Sorgen bereiten und ihn jetzt dazu veranlassen, Wertberichtigungen von rund 200 Millionen Euro vorzunehmen.

Hintergrund ist die nicht enden wollende Covid-19-Pandemie. Die 2017 in Vollbetrieb gegangene Direktreduktionsanlage der voestalpine Texas produziert jährlich rund zwei Millionen Tonnen Eisenschwamm (HBI) als anspruchsvolles Vormaterial für die Stahlproduktion für globale Kunden. Schon im Jahr 2019 haben die hohen Eisenerzpreise und gleichzeitig niedrigen Schrottpreise die Rentabilität der Anlage stark getroffen: Der Eisenerzpreis wird von der steigenden Nachfrage aus China beeinflusst, während sich im Rest der Welt der Schrottpreis auf niedrigem Niveau bewegt. Diese Schere drückt auf die Nachfrage und Preise von HBI.

Eine Änderung ist nicht in Sicht. „Wir rechnen auch in den nächsten Jahren mit schwierigen Rahmenbedingungen. Daher müssen wir ein weiteres Mal unsere zukünftigen Erwartungen für unser Werk in Texas anpassen“ erklärt voestalpine-Vorstandschef Herbert Eibensteiner. Die Direktreduktionsanlage bleibe aber in den strategischen Überlegungen hinsichtlich der Dekarbonisierung der Stahlproduktion weiterhin ein wichtiger Baustein.

Tubular-Produktion unter Druck

In einem geringeren Umfang werden Firmenwertabschreibungen bei voestalpine Tubulars in Kindberg (Steiermark). Die diortige Produktion ist von den 2018 eingeführten US-Strafzöllen auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte („Section 232“) besonders betroffen. Mehr als die Hälfte der Produktion wird in die USA verkauft. Zudem hat der niedrige Ölpreis in der Öl- und Gasindustrie die Nachfrage nach den Rohren für gebremst.

"Nachdem auf unbestimmte Zeit mit Handelsbarrieren aufgrund der protektionistischen US-Handelspolitik gerechnet werden muss, wird – nach den außerplanmäßigen Abschreibungen im Geschäftsjahr 2019/20 – eine weitere Sonderabschreibung vorgenommen", erklärte der Konzern.

Ergebnis erholt sich

Eine positive Entwicklung zeichnet sich hingegen beim operativen Ergebnis (EBITDA) der voestalpine für das laufende Geschäftsjahr (2020/21) ab. Wie Wirtschaft zieht wieder an, und das macht sich auch bei dem Stahlkonzern bemerkbar. Vorausgesetzt dass es zu keinem neuerlichen Lockdown und damit zu Produktionsausfällen wie im Frühjahr kommt hat der Vorstand die Ergebnisprognose nun auf einen Rahmen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro angehoben. Im Juni war die untere Grenze noch bei 600 Millionen Euro gelegen.

Eiubensteiner sieht Licht am Ende des Tunnels: „Wir haben es in den letzten Monaten geschafft uns an die neue Situation anzupassen. Unser Fokus liegt nach wie vor auf ergebnisstabilisierenden Maßnahmen wie konsequentem Kosten- und Working Capital-Management sowie Cashflow-Generierung. Dessen ungeachtet bleiben die Unsicherheiten für den gesamten voestalpine-Konzern in den nächsten Monaten hoch."

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