Corona-Knick bei Firmengründungen

Die Folgen der Pandemie. In den Corona-Monaten zwischen April und Juni gab es in Österreich um 23 Prozent weniger Firmengründungen als im Vorjahr. Das neue Sicherheitsbedürfnis bremst den Unternehmer-Geist.

Ausgebremst durch Covid-19: Die Zahl der Firmengründer ist deutlich zurückgegangen.

Ausgebremst durch Covid-19: Die Zahl der Firmengründer ist deutlich zurückgegangen.

Vielleicht werden sie irgendwann einmal als Corona-Helden gefeiert, vielleicht aber auch als hoffnungslose Draufgänger abgehakt. 6.460 Neugründer gab es in Österreich zwischen April und Juni, darunter sind Solofirmen ebenso wie angehende Mittelständler, Berater ebenso wie Produktionsbetriebe. "Die jetzt gründen, haben sich auf die Rahmenbedingungen eingestellt", verkündete die Wirtschaftskammer bei der Bekanntgabe der Zahlen zweckoptimistisch.

Bei genauerem Hinsehen ist die Zahl 6.460 ernüchternd. Das sind 30 Prozent weniger als zwischen Jänner und März, und 23 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2019. Firmengründungen sind somit stärker eingebrochen als die Wirtschaft in Summe, die um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und um 12,8 Prozent im Jahresabstand schrumpfte. Weil noch zu Jahresbeginn so viele Menschen wie noch nie eine Neugründung wagten, ist das Minus in der ersten Jahreshälfte mit 8,6 Prozent insgesamt noch halbwegs moderat ausgefallen (siehe Grafik).

Quelle: WKO

Das erste Quartal 2020 war mit 9.185 Firmengründungen in Österreich rekordverdächtig, doch in den Corona-Monaten zwischen April und Juni gab es nur noch 6.460 (Quelle: WKÖ) - und damit ein Minus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch die psychologischen Folgen könnten auf längere Zeit verheerend sein. "Für Jungunternehmer ist Corona eine Katastrophe", sagt etwa Andreas Treichl, Chef der Erste Stiftung und designierter Präsident des Europäischen Forums Alpbach.

Die "Corona-Generation" erlebe, schreibt Hannes Androsch in seinem Ende September erscheinenden Buch "Was jetzt zu tun ist", dass "unternehmerischer Mut durch ein Virus und durch zu langsam bereit gestellte Staatshilfe bestraft werden kann und dass der geschützte Sektor sich dagegen als vergleichsweise sicherer Hafen präsentiert. Es ist zu befürchten, dass diese Generation vermehrt auf Nummer sicher gehen wird und wenig Neues wagt."

Ins selbe Horn stieß Karl-Heinz Strauß, CEO des Baukonzerns Porr, in einer Diskussion: "Wenn wir sagen, dass Sicherheit in Zukunft an Bedeutung gewinnt, dann werden wir keine Unternehmer mehr haben, dann werden alle in den Beamtenbereich drängen."


EFA2020

Die Folgen der Pandemie stehen im Zentrum des European Forum Alpbach #EFA2020, das unter dem Motto "Fundamentals" steht. Mehr dazu finden Sie im trend-Thema EFA2020


Lesen Sie mehr zu den Folgen der Pandemie und wie Corona die Welt verändert in der trend-Ausgabe 33-34 vom 14. August 2020.

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