Corona-Bilanz im Handel: hohe Verluste, heftige Nachwehen

Die WKO-Sparte Handel zieht eine Bilanz des Schreckens über die Corona-Lockdown-Monate April und Mai. Mit Ausnahme der Grundversorgung waren die Einbußen massiv. Im Schnitt ist fast die Hälfte des Umsatzes ist weggebrochen. Die Folgen sind noch nicht ausgestanden.

Corona-Bilanz im Handel: hohe Verluste, heftige Nachwehen

Hinter der Maske, vor veschlossenen Geschäften: Der Corona-Shutdown hat den heimischen Handel schwer getroffen.

Der Corona-Shutdown hat im heimischen Handel eine tiefe Furche hinterlassen. Die Bilanz, die Peter Buchmüller, der scheidende Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) zieht, zeigt die dramatischen Geschäftseinbrüche, von denen abgesehen vom Lebensmittelbereich der gesamte stationäre Handel betroffen war. Die Einbußen im März und April waren demnach enorm. Der Umsatzentgang im Vergleich zu 2019 liegt bei zwei Milliarden Euro.

Wenn man den Lebensmittelhandel ausklammert - der im April sogar ein Plus von 12,6 Prozent verzeichnen konnte - dann liegen die Rückgänge gegenüber dem Vorjahr bei 46,2 Prozent, wobei einzelne Branchen besonders stark betroffen waren. Im Bau- und Heimwerkerbedarf beschränkte sich der Rückgang auf 10,0 Prozent, im Einzelhandel mit Sportartikeln, Uhren und Schmuck, Schuhen und Lederwaren, Möbel sowie Bekleidung lag er dagegen bei bis zu 70,9 Prozent.

Im EU-Vergleich liegen die Rückgänge damit im Mittelfeld. In Staaten ohne komplette Schließungen wie Finnland, Schweden, den Niederlanden und auch in Deutschland lagen sie klar darunter, in Spanien, Frankreich und Italien dagegen noch weit über denen in Österreich.

Online-Handel bügelt Verluste etwas aus

Eingebremst wurden die Verluste durch den Internet-Einzelhandel. Die kumulierten Online-Umsätze des heimischen Handels im März und April liegen bei 1,2 Milliarden Euro brutto und haben sich damit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Im April machte die Steigerung sogar 150 Prozent aus. Da hätten sich die Österreicher auch zur heimischen Wirtschaft bekannt, meinte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. Viele Online-Plattformen seien entstanden. "Digitalisierungsfit zu sein, zahlt sich aus", betonte Thalbauer.

Die Aussichten für die nächste drei Monate werden bei den österreichischen Unternehmen je nach Branche unterschiedlich eingeschätzt, scheinen jedoch insgesamt trüb. In einer von der KMU Forschung Austria unter 5.000 Unternehmen durchgeführten Untersuchung gaben 55 Prozent an, dass sie keine Verbesserung der Situation erwarten. 28 Prozent gehen sogar von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftsentwicklung aus. Nur 17 Prozent rechnen mit einer Wende ins Positive.

Hohes Ausfallrisiko

Die Herausforderungen werden Ende 2020 und Anfang 2021 ganz besonders sichtbar werden", meint auch Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria. Die Hälfte der Unternehmen muss Mindestumsätze zwischen 78 und 100 Prozent der Vorjahreswerte erreichen, um gewinnbringend wirtschaften zu können. Angesichts der Krisenmonate und der wenig rosigen Aussichten scheint das für viele unerreichbar. Für die andere Hälfte der Unternehmen liegt der Break-Even bei 78 Prozent der Vor-Corona-Umsätze.

Laut WKO erwirtschaften jedoch 38 Prozent der Unternehmen im gesamten Handelsbereich keinen Gewinn, was für die zweite Jahreshälfte und das Jahr 2021 ein enormes Ausfallrisiko mit sich bringt. WKO-Mann Buchmüller appelliert daher, weiter bei heimischen Unternehmen zu kaufen. "Sonst geht die Vielfalt im Handel verloren.

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