Coolinary Society: Food-Scouts in delikater Mission

Coolinary Society": Dani Terbu (li) und Nina Mohimi führen Unternehmen zu den Social-Food-Trends

Coolinary Society": Dani Terbu (li) und Nina Mohimi führen Unternehmen zu den Social-Food-Trends

Als "Coolinary Society" stehen die Food-Web-Expertinnen Dani Terbu und Nina Mohimi Unternehmen in besonders delikaten Angelegenheiten zur Seite: Sie helfen Produzenten und dem Handel dabei, Food-Trends zu erkennen und damit erfolgreich zu sein.

Die Bäckerei Ströck trieb es in Faschingszeit besonders bunt: Den Krapfen, im Fasching das Lieblings-Gebäck der Österreicher, gab es zu der Zeit in zahlreichen bisher noch nicht gesehenen Varianten. Als Bratapfel getarnt mit Apfelmus- und Zimtfülle, mit Schaumgebäck-Verzierung und Zitronencreme-Füllung oder mit Kokosraspeln bestreut und mit Nougatcreme befüllt als Schneeball verkleidet.

Die genannten Varianten sind nur einige der neuen Spielarten des Klassikers der österreichischen Mehlspeis-Küche, die den Faschingswochen in die über 70 Filialen des Familienunternehmens gerollt sind. „Bei uns tragen sogar die Krapferl im Fasching Kostüme“ hieß es dazu auf der Website der im Osten Österreichs zu den größten ihrer Zunft zählenden Firma. „Es geht uns darum, uns von den Mitbewerbern zu differenzieren“, sagt Andrea Unger-Posch, Marketing-Managerin bei Ströck.

Angestoßen werden Kreationen wie die bunten Krapferl von internationalen Food-Trends, die bei Ströck über die gesamte Produktpalette hinweg bis hin zur Gestaltung der Filialen Eingang gefunden haben. Bio-Produkte waren dabei nur das Entrée, es folgten vegane Gebäcksorten, Take-Aways, Coffe-to-go in verschiedensten Varianten, die Latte dazu wahlweise auch laktosefrei, als Sojamilch oder Mandelmilch und viele weitere Produkt- und Konzeptideen.

Innovations-Scouting im Social Web

Innovation findet eben auch im traditionellen Bäcker-Geschäft an vielen Orten statt. Mit klassischem Brot, Gebäck und Brioche-Kipferl alleine kann man – besonders in Städten – die vielfältigen Geschmacksnerven der Bevölkerung längst nicht mehr treffen. Um bei den Trends, die mitunter nur ein paar Monate anhalten, den Überblick zu behalten kooperiert Ströck mit den Social-Food und Food-Web-Expertinnen Dani Terbu und Nina Mohimi. Essen, generell der Bereich Nahrungsmittel und Ernährung, gehört nämlich zu den Themenkreisen, die in den Sozialen Netzwerken am meisten Aufmerksamkeit generieren.

Faschingstreiben in der Backstube: Bunte Krapfen-Vielfalt bei Ströck.

Faschingstreiben in der Backstube: Bunte Krapfen-Vielfalt bei Ströck.

Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest sind fest in den Händen der „Foodistas“, die dort permanent Fotos und Videos von Essen in allen erdenklichen Formen posten. Hinzu kommen die unzählbaren Food-Blogger, Profi-Köche und Restaurants, die mit ihren kulinarischen Ideen, Kreationen und Rezepten im Internet ein regelrechtes Food-Web entstehen ließen. Und der Trend blüht und gedeiht stetig weiter. „Peak-Food ist noch lange nicht erreicht“, sagt Terbu.

Mit ihrer “Coolinary Society” bieten sich Terbu und Mohimi Unternehmen, Restaurants, Produzenten und dem Handel als Consulter an. „Es geht darum, Trends zu erkennen: Was ist im nächsten oder in den nächsten eineinhalb Jahren spannend? In welche Richtung sollte die Produktentwicklung und die Sortimentplanung gehen? Und, wenn man im Marketing in einer Firma ist, wie man Content verpacken muss, damit er für die Zielgruppe spannend ist“, erklärt Mohimi.

Dabei wird nicht nur das Essen, sondern auch die Verpackung von Lebensmitteln oder ihre Präsentation in Verkaufsregalen beobachtet: Wie können sie verbessert werden, damit sie sich von anderen Produkten abheben, besser eingeschätzt und letztlich auch mehr gekauft werden?

Reisen als Horizonterweiterung

Erkenntnisse gewinnen die Social-Food-Expertinnen dabei nicht nur bei ihren Internet-Analysen, sondern auch auf Reisen, in Österreich ebenso wie in Asien, Skandinavien oder in den USA – Regionen, aus denen immer wieder neue Food-Trends kommen. Und sie besuchen auch Küchen-Messen, immer auf der Suche nach dem Neuen. Ihr Leben, eine permanente Entdeckungsreise. „Auf unseren Reisen verbringen wir auch viel Zeit im Supermarkt, schauen uns an wonach die Leute greifen. Wobei wir inzwischen sehr gut dabei sind, das möglichst unbemerkt zu tun. Für Tage im Supermarkt lassen wir auch unser Auto abschleppen“, scherzt Terbu.

Die so gewonnenen Eindrücke geben sie in Seminaren an Unternehmen weiter. „Es wäre schön, wenn man die Zeit hätte, die Welt selbst zu bereisen, aber das ist im normalen Arbeitsalltag schwer möglich. Die Zusammenarbeit mit den Coolinaries hilft uns, über den Tellerrand zu schauen. Zu erkennen, wohin die Reise geht und inspiriert uns, darüber nachzudenken, wie wir das selbst umsetzen können“, sagt Ströck-Managerin Unger-Posch.

Hash-Tags zum Erfolg

“Unternehmen fehlt oft die Zeit. Sie können sich langfristigen Entwicklungen beschäftigen, aber nicht mit kurzfristigen Trends. Produkt- oder Quality-Manager schauen sich nicht Instagram-Hashtags durch und überlegen, wie sie damit die Millennials erreichen können“, weiß Mohimi. Als Ausgangspunkt dafür empfiehlt sie unter anderem Hashtags wie #chefmode, #thekitchn, #f52grams, #onmytable oder #cleaneating.

Um die Millennials ansprechen zu können reiche es aber auch nicht aus, auf Instagram cool zu sein. Mohimi: „Millennials haben einen ganz anderen Lebensstil. Für die sind andere Botschaften wichtig, sie haben viel mehr als andere Generationen das Gefühl, für sich und die Welt etwas Gutes tun zu müssen.

Die scharfen Seiten des Webs: Fotos vom Tabasco-Instagram-Account @tabasco. Auf das Bild klicken, um zum Account zu gelangen.

Die scharfen Seiten des Webs: Fotos vom Tabasco-Instagram-Account @tabasco. Auf das Bild klicken, um zum Account zu gelangen.

Genau darum geht es auch in der Kooperation zwischen den Coolinaries und der in Österreich von Mautner Markhoff vertriebenen Marke Tabasco. Alexandra Helm, Brand Manager Tabasco Österreich dazu: „Das ist für uns ein wichtiges und spannendes Thema. Tabasco ist eine 150 Jahre alte Marke. Es geht uns darum, sie neu aufzuladen, sie auch für die Millennials interessant zu machen. Zu zeigen, dass die Chili-Sauce nicht nur scharf ist, sondern dass man damit zum Beispiel auch Drinks und Cocktails zaubern kann. Die Coolinaries helfen uns dabei, die Social-Media-Strategie dafür zu entwickeln, wie wir die Marke Tabasco auf Facebook und Instagram positionieren können und sollen.“

Ein Umstand der Tabasco bei den Millennials hilft ist, dass die Sauce ein veganes Produkt ist, denn „Vegan“ ist aktuell einer der Top-Food-Trends. Doch wie kann und sollte eine Kommunikation im Social Web angelegt sein? „Nicht nur Content verbreiten, sondern auch Service anbieten“, betonen die Social-Food-Expertinnen, „es ist in Österreich gar nicht so schwer, damit zu punkten, weil es mit Service noch gar nicht so weit her ist.“

Seetang und Fleischersatz aus Pilzen

„Nicht alles was in Amerika funktioniert wird bei uns ein Trend“, wissen Terbu und Mohimi aus Erfahrung ebenfalls. Doch es gibt Trends, die sich international klar abzeichnen, und die sie in ihren Seminaren und Workshops – auch für die größten österreichischen Handelsketten - gezielt herausarbeiten.

Einer davon sind Algen und Seetang. „Es wird nicht jeder und jede anfangen, Algen zu essen, aber es wird ein Massenmarkt“, ist sich Terbu sicher. Definitiv auch „Beauty-Food“, „Better-for-me-Food“. Essen, das eine Botschaft vermittelt, dass man damit sich und seiner Gesundheit etwas Gutes tut.

Pilze sind ebenfalls ein großes Thema. Unter Veganern ist der Kräuterseitling als Fleischersatz besonders beliebt – wegen seines Geschmacks und seiner Textur, die an Fleisch erinnert. Obendrein decken Pilze auch die „gesund-Nische“ ab.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen: Riegel für alle möglichen Lebenssituationen sind unter Millennials unfassbar beliebt, Milch, die nicht mehr als Milch tituliert ist und vorwiegend aus pflanzlichem Eiweiß hergestellt wird.

Social Food Ratgeber

„Wir geben Ratschläge, wir missionieren nicht mehr. Wir wollen auch niemanden etwas aufschwatzen, wir verkaufen auch nichts“, betonen Terbu und Mohimi. Dazu gäbe es auch keinen Grund: „Social Web ist einfach hier. Es ist egal, ob man es versteht oder nicht, ob man mitmacht oder nicht. Produktmanager brauchen auch selbst keinen Instagram-Account. Aber sie müssen die Realität erkennen.“

Aus ihrer Erfahrung wissen die Coolinaries, dass gestandene Manager immer noch Berührungsängste mit dem Social Web haben. Dass Unternehmen zwar eigene Social-Media-Teams haben, diese aber für Marketing-Zwecke einsetzen, nicht zur Trendforschung oder zur Produktentwicklung. Als wichtigsten Punkte, die Unternehmen rund um das Thema Social Food beherzigen sollten nennen die beiden Food-Scouts:

  1. Beobachten. Man kann digital viel machen, aber es wird nicht das ersetzen, was man im richtigen Leben beobachten kann. Mit den Menschen zu sprehcen gibt ein Gespür für die Zielgruppe: Wo bewegt sie sich, was bewegt sie? Eine Strategie könne sein Manager in Filialen zu schicken oder auch nur an die Hotline zu setzen.
  2. In den richtigen Lokalen essen. Etwa im Noma in Kopenhagen. Dabei gehe es nicht nur darum, in einem der weltbesten Lokale zu sein. Man könne dabei viel abseits vom Essen lernen. „Das Geld, das man für einen Platz zahlt, ist für das was man erlebt und lernt eigentlich nichts“, sind sich Terbu und Mohimi sicher.
  3. Netzwerke nutzen. Bekannte Persönlichkeiten herauspicken und diesen im Social Web folgen. Zum Start empfehlen die beiden Foodistas unter anderem Accounts wie die des Mühltalhofs (@muehltalhof), den der Wiener Bäckerei Créme de la Créme (@cremedelacremevienna), den von Bruder (@bruder.xyz) oder den der World 50 Best Restaurants (@theworlds50best)
  4. Selbstbewusst sein. Und schließlich: das eigene Talent hervorkehren. Terbu: „Wir haben in Österreich mindestens so gute Produkte, unsere Köche mindestens so viel Talent wie die in Skandinavien, aber hier fehlt die Grundneugierde. Man will immer nur Zweiter sein, niemals Erster. Die meisten Ideen sterben schon am Tisch.“

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