Constantia oder keine Lust auf Etiketten

Der traditionsreiche Verpackungskonzern CONSTANTIA FLEXIBLES will seine hochprofitable Sparte "Labels" verkaufen, die für viele Weltmarken Etiketten produziert. Die Frage ist: warum?

Constantia oder keine Lust auf Etiketten

Die "Labels"-Sparte des Verpackungskonzerns Constantia Flexibles ist Weltmarktführer bei Etiketten für Bierflaschen, aber auch Konsumgüterhersteller ist das Unternehmen in der Etiketten-Weltspitze.

Ein voluminöser Deal zeichnet sich bei einem der traditionsreichsten Industriekonzerne Österreichs ab. Die auf Verpackungen spezialisierte Constantia Flexibles mit Sitz in Wien, die aus dem Imperium des Industriellen Herbert Turnauer hervorgegangen ist, überlegt, sich von einer ihrer Unternehmenssparten zu trennen. Wie der trend aus Finanzkreisen erfuhr, soll die Investmentbank Goldman Sachs beauftragt worden sein, einen Käufer für die Division "Labels" zu finden.

Diese produziert sämtliche Arten von Etiketten für Konsumgüter. Bei Etiketten für Bierflaschen ist man die Nummer eins der Welt mit Kunden wie Heineken, Budweiser oder Carlsberg. Auch viele Hersteller von Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten zählen zu den Abnehmern.

Die Labels-Sparte erzielte zuletzt knapp 600 Millionen Dollar (rund 550 Millionen Euro) Umsatz, was nicht ganz 30 Prozent der Gesamterlöse der Constantia Flexibles entspricht. Es handelt sich aber um den margenstärksten Geschäftszweig des Konzerns. Das Ebitda (Ergebnis vor Abschreibungen und Steuern) lag bei rund 100 Millionen Dollar. Da derzeit in der Branche wieder hohe Preise für Akquisitionen bezahlt werden, hofft das Management bei diesem Gewinn auf einen Kaufpreis von einer Milliarde Dollar oder darüber, so ist zu hören.

Daniel Smith, der Kommunikationschef von Constantia Flexibles, dementiert die geplante Transaktion nicht, gibt aber auf trend-Anfrage "keinen Kommentar" ab und verweist auf die Notwendigkeit einer Rücksprache in Paris.

Dort hat die börsennotierte Wendel Group ihren Sitz, die seit Ende 2014 knapp 61 Prozent an Constantia Flexibles hält. Wendel ist eine Holding, die sich langfristig an Unternehmen beteiligt, beispielsweise am bekannten französischen Baustoffproduzenten Saint-Gobain. Die Mehrheit an dem österreichischen Verpackungskonzern erwarb Wendel von dem Fonds Private Equity Partners, der seinerseits im Oktober 2009 die Constantia Packaging AG gekauft hatte, zu der auch Constantia Flexibles (neben Amag und Duropack) gehörte.

Der Einstieg dieses Finanzinvestors war notwendig geworden, nachdem der Immofinanz-Skandal die Constantia Privatbank und deren Eigentümerin, Christine de Castelbajac, die Tochter von Herbert Turnauer, in schwerste finanzielle Turbulenzen gebracht hatte. Einen Teil ihres Vermögens konnte Castelbajac in der Folge retten -die H. Turnauer Privatstiftung ist heute noch mit 27 Prozent an Constantia Flexibles beteiligt.

SCHULDEN ZAHLEN

Warum die Franzosen jetzt die hochprofitable "Labels"-Sparte loswerden möchten, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Sicher ist, dass Wendel beim Kauf der Constantia Flexibles (Preis: rund 2,3 Milliarden Euro) einen hohen Fremdkapital-Hebel eingesetzt hat. Vielleicht soll nun einfach die Verschuldung zurückgefahren werden. Möglicherweise ist die Not nach vielen Zukäufen - weltweit gibt es mittlerweile 55 Constantia-Werke - aber auch größer, sodass gröbere Sanierungsarbeiten anstehen.

Ein perfektes Übernahmeziel wäre der heimische Etikettenhersteller für den Weltmarktführer CCL Label aus dem kanadischen Ontario. Allerdings hätte der wohl sehr penible Prüfungen durch die internationalen Kartellbehörden zu erwarten.

Der Standort Österreich wäre durch einen Verkauf des Geschäftes übrigens wenig betroffen. Die meisten "Labels"-Produktionen der Constantia befinden sich in Deutschland und den USA.

Die Geschichte ist im trend Ausgabe 16/2017 am 21. April 2017 erschienen.
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