Zum 13. Mal: "Big Blue" IBM schwächelt weiter

Zum 13. Mal: "Big Blue" IBM schwächelt weiter

IBM-Chefin Ginni Rometty beschwärt den" Wandel", der ihre Pläne durcheinander wirbelt.

Rückläufiger Umsatz und rückläufiger Gewinn lautet die Formel bei IBM abermals zum Abschluss eines Quartals. Der US-IT-Gigant hat mit dem Umbau nun schon im fünften Jahr zu kämpfen. Das Jammern hält sich freilich auf hohem Niveau. Trotz Gewinnrückgang stehen unterm Strich noch Milliardengewinne. Wie lange die Aktionäre noch mit der Abwärtsspirale zu besänftigen sind, wird sich weisen. Der Aktienkurs ging nachbörslich kräftig auf Talfahrt.

Armonk Die Durststrecke bei IBM geht weiter: Der US-Computerkonzern muss das dreizehnte Quartal mit sinkendem Umsatz verkraften und auch beim Gewinn deutliche Abstriche machen. Von April bis Juni sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 20,81 Mrd. Dollar (19,2 Mrd. Euro), wie IBM am Montagabend mitteilte. Der Gewinn ging um 17 Prozent auf 3,45 Mrd. Dollar zurück.

Der starke Dollar, der Auslandseinnahmen nach Umrechnung in die US-Währung verringert, machte IBM einen Strich durch die Rechnung. Indem das Management die Kosten senkte - beispielsweise die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um knapp fünf Prozent -, konnte ein noch stärkerer Gewinneinbruch verhindert werden.

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir uns weiter im Wandel befinden", kommentierte IBM-Chefin Ginni Rometty die Zahlen. Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2012 hat die ersten weibliche IBM-Chefin mit dem Umbau des Konzerns ihre Not. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht - für das dritte Quartal erwartet IBM einen ähnlichen Umsatz wie zuletzt, hieß es in einer Telefonkonferenz.

Mehr Fokus auf Wolkengeschäfte

Der Konzern will sich weg vom klassischen Computer-Geschäft und hin zu einem modernen Anbieter von Daten-Analyse und Cloud-Services - der Auslagerung von Daten und Programmen auf große Rechner im Internet - entwickeln. Das gestaltet sich allerdings schwierig.

Die zukunftsträchtigen Cloud-Dienste legen zwar kräftig zu - der Umsatz zog hier im letzten Quartal um 50 Prozent an. Ohne Berücksichtigung der ungünstigen Wechselkursentwicklung wären es sogar über 70 Prozent gewesen. Die Sparte wachse zu einem "signifikanten Teil des Geschäfts", berichtete Rometty.

Den Zug verpasst

Allerdings kämpft IBM mit starken Konkurrenten wie Microsoft oder Amazon. "IBM hat den Zug verpasst", sagte Experte Mark Vickery vom Analysehaus Zacks Investment Research. Zwar wachse das Cloud-Geschäft nun deutlich, aber der Konzern sei spät dran und bleibe weit abgeschlagen hinter den großen Wettbewerbern.

Auch bei den Länderniederlassungen, etwa in Österreich, wurde das Cloud-Geschäft lange Zeit vernachlässigt und unterschätzt. "Das ist kein Geschäftsmodell für IBM", hieß es noch im Jahr 2012, als die Konkurrenz neben Amazon sich auf den Verkauf von internetbasierten IT-Diensten fokussiert haben. Kaum ein halbes Jahr später hatte sich bei IBM quasi ein glatter Kulturwandel vollzogen und "Cloud" war bei "Big Blue" plötzlich in aller Munde.

Rückgänge bei der Hardware

Neben dem späten Einstieg ins zukunftsträchtige Cloudgeschäft. muss IBM nun auch Rückgänge in anderen Bereichen ausgleichen. So schrumpften die Erlöse in der Hardware-Sparte zuletzt um 32 Prozent. Ein Stück weit lassen sich diese Rückgänge mit Verkäufen erklären - ein Teil des Server-Geschäfts ging an den chinesischen Lenovo-Konzern, die verlustbringende Chipsparte an die von einem arabischen Staatsfonds kontrollierte Firma Globalfoundries.

Dennoch fiel das Minus überraschend deutlich aus, zumal im Berichtszeitraum neue Produkte der neuen Großrechner-Generation z13 in den Vertrieb geschickt wurden. Außerdem lief es auch in der Software- und in der Service-Sparte nicht rund, beide Geschäftsbereiche verbuchten Umsatzrückgänge um zehn Prozent.

Kräftiger Kursabschlag

Investoren zeigen bisher noch Geduld mit dem schwächelnden Riesen. Nachbörslich ging es zwar um fünf Prozent bergab mit der IBM-Aktie. Doch seit Jahresbeginn ist der Kurs um acht Prozent gestiegen. An operativer Stärke liege das jedoch nicht, warnte Analyst Vickery: "IBM verlässt sich auf Aktienrückkäufe und Kostensenkungen."

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