Christoph Edelmann - Der Guglhupf-Globalisierer

Christoph Edelmann will mit "Loipmayer Guglhupf" die Welt erobern.

Christoph Edelmann, Erfinder des "Loipmayer Guglhupf"

Kommunikationsprofi Christoph Edelmann erfüllt sich einen Traum und will mit der Marke "Loipmayer" den Guglhupf neben Sachertorte und Apfelstrudel als neues Aushängeschild der österreichischen Mehlspeis-Küche etablieren.

Am Anfang waren zwei Lücken. Die eine im Leben von Christoph Edelmann, 50, langjähriger PR-Spezialist in der IT-und Telekommunikationsbranche bei Libro und Telekom Austria, in einer Zeit, als gerade das Handy- und Internetzeitalter eingeläutet wurde. Seit 2002 Gründer und Betreiber des Kommunikationsberaters Accedo mit Tochtergesellschaften in Tschechien und der Slowakei: Immer nur Aufträge von Kunden abzuarbeiten war ihm irgendwann zu wenig.

Und dann war da diese Marktlücke, in einem Nischenbereich zwar, aber prominent in der Welt der internationalen Markenbotschafter im Allgemeinen und jener für Österreich als Mehlspeisenland im Besonderen. Da, so erkannte Edelmann, fristet der Guglhupf neben Sachertorte und Apfelstrudel ein eher bescheidenes Dasein.

Während die mit Schokolade umhüllte Wiener Hoteltradition und das Obstgeschnetzelte im Blätterteig ihre weltweit beachteten Botschafter gefunden haben, von Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler bis hin zu Arnold Schwarzenegger, wird die kranzförmige und gegupfte Rührteigkreation als Allerweltsprodukt unterschätzt. Edelmanns Schlussfolgerung: "Da liegt ein Potenzial in einer Größenordnung brach, wie es etwa nur die Italiener mit ihrem Panettone genutzt haben - die sind uns Lichtjahre voraus."

Loipmayer Guglhupf

Gedacht, getan. Vor etwa einem Jahr machte der umtriebige Experte für Markenentwicklung dann genau das, was er seinen Kunden schon immer empfahl. Er bastelte eine Story rund um das Produkt und erfand die Marke "Loipmayer" als fiktiven Hersteller: "Es war gar nicht so leicht, einen Familiennamen zu finden, den es nicht wirklich gibt und der dennoch alle Assoziationen erweckt, die man für so ein Produkt braucht" - die Tradition der Kaiserzeit, das österreichische Lebensgefühl, die Handarbeit.

Loipmayer Schönbrunner Guglhupf

Loipmayer Guplhupf gibt es als "Schönbrunner", "Ringstraßen" und "Walzer" Guglhupf sowie saisonal als Weihnachts- und Osterguglhupf sowie als Kärntner Reindling und als "Pannetone".

Dann entwickelte der Wahlburgenländer und leidenschaftliche Segler, der mit seiner Familie am Neusiedler See lebt, Guglhupfrezepte und suchte nach Herstellern, die seine Ideen umsetzen wollten. Im benachbarten Bad Sauerbrunn fand er in der Kurkonditorei Kaiser einen Produzenten, der eine lange Tradition als "Guglhupfmanufaktur" und genügend Potenzial hat, um seine Premiumware herstellen zu können.


Da liegt ein Potenzial brach, wie es nur die Italiener mit ihrem Panettone genutzt haben.

CHRISTOPH EDELMANN
Guglhupfhersteller

Seine Accedo stattete er schließlich noch mit einem Gewerbeschein für den Vertrieb von Lebensmitteln aus und verkauft nun den "Loipmayer-Original-Guglhupf" an Großabnehmer wie Hotels, Souvenirläden, internationale Onlineshops oder auch an Nobeladressen wie Meinl am Graben oder Merkur Hoher Markt. "Die Marke hat sehr rasch internationales Interesse geweckt. Und wenn dann eine New Yorker Kaffeehauskette anruft, ist das schon ein sehr befriedigendes Gefühl."

Der zweitbeste der Welt

Scheint so, als wäre der aktuelle Sidestep eine Spätfolge seiner beruflichen Anfänge, als er nach kurzer journalistischer Tätigkeit als Pressesprecher und Leiter der Kommunikationsabteilung bei der Agrarmarkt Austria anheuerte, der staatlichen Koordinierungsstelle für Agrarförderungen und - marketing. Die Branche hat offenbar Eindruck hinterlassen, die Bauern, ihre Traditionen, ihre Begeisterung für echte Lebensmittel. Immerhin gehörte zu seinen Agenden damals auch die Betreuung österreichischer Landwirte und Lebensmittelhersteller auf der Anuga, der weltgrößten Fachmesse der Branche in Köln.

Edelmann: "Meine Motivation ist mehrstufig. Zum einen wollte ich selbst einmal eine Markenarchitektur aufbauen. Und das im emotionalsten Bereich, den ich keine: der Lebensmittelherstellung. Und letztlich wollte ich eine assoziative Marke entwickeln, die alles das ausdrückt, was für Österreich wichtig ist."

Der Aufbau eines eigenen Loipmayer-Webshops ist nur mehr eine Frage der Zeit, von der der Hobbymusiker, der mit alten Freunden schon seit Jahren in einer Soul-und-Funk-Kombo die Bühnen unsicher macht, allerdings zu wenig hat.

Nur eines tut Edelmann doch leid, bei allem Bemühen: die Tatsache, lediglich den zweitbesten Guglhupf der Welt anbieten zu können. "Denn den besten, das ist ja klar", scherzt er, "macht immer noch die Oma."


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 1-3/2019 vom 11. Jänner 2019 entnommen.

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