Christine Lagarde - Grande Dame der Finanzwelt soll EZB führen

Christine Lagarde - Grande Dame der Finanzwelt soll EZB führen

Christine Lagarde könnte die Präsidentin der EZB werden. Die IWF-Chefin lässt den Posten beim Internationalen Währungsfonds nach der EZB-Nominierung ruhen. Für die 63-Jährige Französin bedeutet dies eine Rückkehr nach Europa unter neuen Vorzeichen.

Frankfurt/Washington. Christine Lagarde soll künftig die Europäische Zentralbank (EZB) führen. Für die Französin bedeutet dies eine Rückkehr nach Europa unter neuen Vorzeichen.

Die 63-Jährige gilt als Grande Dame der Finanzwelt. Seit 2011 ist sie - nach dem unrühmlichen Abgang ihres Landsmannes Dominique Strauss-Kahn - die erste Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington. Ihr Amt trat sie inmitten der Euro-Schuldenkrise an.

In Griechenland weckt ihr Name einige Antipathien. Das pleitebedrohte Land wurde zwischen 2010 und 2018 mit milliardenschweren internationalen Krediten gestützt, an denen auch der IWF beteiligt war. Viele Menschen in dem Land warfen Lagarde allerdings vor, dafür zu strenge Auflagen und Bedingungen diktiert zu haben.

Bevor sie 2005 in die Politik ging, leitete die frühere Synchronschwimmerin eine der größten Kanzleien der Welt mit rund 4000 Anwälten. Für den Job pendelte Lagarde zwischen Büros in Hongkong, Chicago und Paris. Ihre zwei Kinder sah sie oft nur am Wochenende. Die Ehe wurde geschieden.

In die Politik kam sie 2005 zunächst als beigeordnete Ministerin für Außenhandel. 2007 machte der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy die gelernte Juristin, Ökonomin und Amerikanistin zur Wirtschafts- und Finanzministerin. Lagarde galt dabei als gut vernetzte, geschickte Verhandlerin. Sie selbst bezeichnete sich einmal als "Arbeitstier".

In der Vergangenheit musste sie sich allerdings auch mit unschönen Schlagzeilen herumschlagen. Ein Pariser Gericht urteilte 2016, dass sie in ihrer Zeit als französische Finanzministerin fahrlässig im Amt gehandelt habe. Der Gerichtshof der Republik sprach sie schuldig, verhängte aber keine Strafe. Lagarde habe eine Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht. Sie selbst hatte beteuert, nach bestem Gewissen gehandelt zu haben.

In der jüngeren Vergangenheit äußerte sich Lagarde immer wieder zur Wirtschafts- und Finanzpolitik von US-Präsident Donald Trump. So zeigte sie sich im April besorgt über die Unabhängigkeit von Notenbanken. Trump hat sich in die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve eingemischt.

Die endgültige Entscheidung für die Amtsübernahme ab 1. November ist aber noch nicht gefallen. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen unter anderem noch mit dem Europaparlament beraten, bevor sie abschließend abstimmen.

Der Stellvertreter übernimmt

Nach der Nominierung von IWF-Chefin Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) übernimmt ihr Stellvertreter David Lipton vorübergehend die Leitung des Internationalen Währungsfonds. Der US-Amerikaner sei zum Interimsgeneraldirektor des IWF ernannt worden, teilte die Finanzinstitution mit Sitz im Washington am Dienstag mit.

Lagarde war am Dienstag beim EU-Sondergipfel in Brüssel als künftige EZB-Präsidentin nominiert worden. Die 63-Jährige erklärte daraufhin, sie lasse ihren Posten an der IWF-Spitze während der Nominierungsphase ruhen. Lagarde war seit 2011 IWF-Chefin und die erste Frau auf dem Führungsposten der wichtigen Finanzorganisation. Ihre zweite Amtszeit endet eigentlich Mitte 2021. Traditionell steht ein Europäer an der Spitze des Internationalen Währungsfonds.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte Lagarde als geeignete Kandidatin für den Posten der EZB-Präsidentin. An der Spitze des IWF habe die Französin "viel Erfahrung gesammelt", sagte Merkel. Dadurch habe sich die 63-Jährige nach "allgemeiner Meinung" der Staats- und Regierungschefs als EZB-Chefin qualifiziert. Sie werde ihr Amt "mit Umsicht und großem Engagement" ausfüllen.

Nach dreitägigen harten Verhandlungen hatten sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Brüssel auf ein Paket für die Neubesetzung europäischer Spitzenposten geeinigt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wurde als Nachfolgerin von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgeschlagen. Der belgische Regierungschef Charles Michel soll künftiger EU-Ratspräsident werden. Als EU-Außenbeauftragter wurde der spanische Außenminister Josep Borrell nominiert.

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