Chiphersteller ams will Osram übernehmen

Der steirische Chiphersteller ams will den börsenotierten deutschen Lichttechnikkonzern Osram übernehmen und bietet dafür bis zu 4,3 Milliarden Euro. Die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle sind ebenfalls an Osram interessiert.

Chiphersteller ams will Osram übernehmen

Der in der Schweiz börsennotierte steirische Sensor- und Chiphersteller ams AG (ISIN AT0000A18XM4) unternimmt einen Anlauf zur Übernahme des angeschlagenen Münchner Beleuchtungsherstellers Osram (ISIN DE000LED4000). Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz kündigte ein rund 4,3 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für Osram an.

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LED und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte derzeit schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen.

Die weiterhin schwachen Automärkte und hohe Umbaukosten hatten das Traditionsunternehmen im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal in die Verlustzone rutschen lassen. Konzernchef Olaf Berlien musste einräumen, dass der Zeitraum zwischen April und Juni für den MDAX-Konzern noch keine Belebung des Geschäfts zeigte.

Im Frühjahr hatte Osram mit einer Gewinnwarnung für große Unruhe unter den Investoren gesorgt und seine Serie von schlechten Nachrichten aus dem Jahr 2018 fortgesetzt. Momentan läuft ein Sparprogramm, durch das Osram die jährlichen Kosten bis zum Jahr 2021 um mehr als 200 Millionen Euro senken will.

Angebot über Finanzinvestoren

ams überbietet mit 38,50 Euro je Aktie das vorliegende mit dem Osram-Vorstand abgestimmte Offert der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle um zehn Prozent. Am Osram-Vorstand um Olaf Berlien hängt es nun, ob ams überhaupt zum Zug kommen kann. Denn dazu müsste er ein Stillhalteabkommen aufheben, das die Österreicher für einen Blick in die Bücher vereinbart hatten und das ihnen eigentlich für zwölf Monate ein Angebot verbietet.

ams hatte schon Anfang Juli öffentlich Interesse an Osram bekundet, dann aber vorläufig einen Rückzieher gemacht, wohl weil die Finanzierung nicht stand. Nun wollen die Banken HSBC und UBS diese finanzieren, einen Teil davon will ams später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

Die Übernahme sei zwar strategisch sinnvoll und werde ams zusätzliche Gewinne bescheren, schrieb Analyst Christian Sandherr vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Da viele Großaktionäre aber über den aktuellen Kurs bei Osram eingestiegen seien, werde ams das Offert eventuell nachbessern müssen. "Dem Osram-Vorstand wird es schwerfallen, dieses Angebot von vornherein zu verwerfen", sagte eine Person aus Aktionärskreisen. "Das ist schon ein ganzes Stück näher an einer fairen Bewertung.

Gemeinsame Stärken

ams-Chef Alexander Everke, ein ehemaliger Siemens-Manager, warb um Berliens Zustimmung: "Gemeinsam können wir uns mit unseren erstklassigen Mitarbeitern, Produkten und Technologien als ein weltweit führender Anbieter von Sensorlösungen und Photonik etablieren und unseren Kunden erhebliche Vorteile bieten." ams erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. "Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können." Analysten machen sich seit längerem über die zu starke Abhängigkeit von ams vom Großkunden Apple (ISIN US0378331005) Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von ams.

Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von "Front-End-LEDs" dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle sei auch ams zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit, hieß es in der Mitteilung. ams stellte eine Stärkung des Osram-Standorts in Regensburg in Aussicht. "Wir wollen Teile der Produktion von Asien nach Deutschland übersiedeln", sagte ams-Chef Everke. Am Osram-Sitz in München sollten "wichtige Funktionen" erhalten bleiben. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von ams aber verkauft werden. Bedingung für die Übernahme ist - wie bei Bain und Carlyle -, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.

Ein Osram-Sprecher gab sich reserviert: "Wir haben die Ankündigung zur Kenntnis genommen, uns liegt aber noch nichts dazu vor." Deshalb könne Osram dazu zunächst nicht Stellung nehmen. Ein Sprecher von Bain und Carlyle wollte sich zu dem drohenden Gegenangebot nicht äußern. Das vier Milliarden Euro schwere Angebot der beiden Finanzinvestoren, zu dem sie sich nach monatelanger Prüfung durchgerungen hatten, ist bereits in schweres Fahrwasser geraten. Der größte Osram-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Allianz Global Investors, hatte die 35 Euro als zu gering bezeichnet und angekündigt, die Offerte nicht anzunehmen. Damit schwanden die Chancen, auf 70 Prozent an Osram zu kommen.

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