Chinas Wirtschaft wächst erneut - schwächer als erwartet

Im 3. Quartal 2020 verzeichnet Chinas Wirtschaft erneut Zuwächse. Als erste große Volkswirtschaft bügelt China den durch die Coronakrise bedingten Wachstumseinbruch wieder aus. Analysten hatten allerdings ein höheres Wachstum kalkuliert.

Chinas Wirtschaft wächst erneut - schwächer als erwartet

Peking. Als Zeichen der anhaltenden Erholung nach dem Corona-Einbruch ist Chinas Wirtschaft im dritten Quartal erneut gewachsen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft legte im Vorjahresvergleich um 4,9 Prozent zu, wie das Pekinger Statistikamt am Montag mitteilte. Das ist zwar weniger, als viele Analysten erhofft hatten. Laut einer Umfrage des chinesischen Wirtschaftsmagazins Caixin war so im Durchschnitt mit einem Plus von 5,5 Prozent gerechnet worden.

Jedoch reichte China das Ergebnis, um den vorangegangenen Einbruch im Frühjahr mehr als auszugleichen. So legte Chinas Wirtschaft laut der offiziellen Angaben in den ersten neun Monaten des Jahres um 0,7 Prozent zu. Zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen im Jahr 1992 hatte China im ersten Quartal ein negatives Wirtschaftswachstum von 6,8 Prozent verzeichnet.

Die Wirtschaft sprang danach wieder an, weil das Land mit strengen Maßnahmen wie der Abriegelung von Millionenstädten, strikter Isolation und Einreisesperren das Virus schneller unter Kontrolle bringen konnte als andere Staaten. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum bereits wieder bei 3,2 Prozent gelegen.

Wie das Statistikamt weiter mitteilte, zeigten auch andere wichtige Indikatoren im dritten Quartal allgemeine Verbesserungen: Die Industrieproduktion stieg um 5,8 Prozent und die Einzelhandelsumsätze verzeichneten einen Anstieg von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Es gibt seit Monaten kaum noch neue Infektionen in China, so dass sich das Leben und die Wirtschaftstätigkeiten wieder normalisieren.

Allerdings will der Konsum noch immer nicht in allen Bereichen anspringen, trotz steuerlicher Anreize. Die Konsumenten halten sich zurück. Dazu kommt, dass viele Konsumenten ihre Jobs verloren haben, was sich somit auch in der Konsumstatistik niederschlägt.

Die Regierung in Peking hatte eine Reihe von fiskalischen Maßnahmen ergriffen, um der angegriffenen Wirtschaft auf die Beine zu helfen und die Beschäftigung zu sichern. Sie bemüht sich zugleich, die Exportlastigkeit des Wirtschaftsmodells zu verringern und die Potenziale der Binnenwirtschaft zu heben.

Este Erfolge zeigt die Entwicklung am Automarkt in China: Mit einem Absatzplus von 12,8 Prozent ist er im September den sechsten Monat in Folge gewachsen.

Der September wies überdies eine zunehmende Wirtschaftsdynamik in weiteren Bereichen auf: So stiegen die Einzelhandelsumsätze zum Vorjahr um 3,3 Prozent, nachdem es im August nur um magere 0,5 Prozent nach oben gegangen war. Und die Industrieproduktion zog um 6,9 Prozent an und somit ebenfalls kräftiger als im August mit damals 5,6 Prozent. "Die September-Daten haben die Erwartungen übertroffen. Dies signalisiert eine Beschleunigung zum Ende des Quartals hin", meint Analystin Frances Cheung von der Westpac Bank.

LBBW-Chefökonom Uwe Burkert sieht China mit Blick auf die Kurve der Wirtschaftsentwicklung insgesamt in einer "V-förmigen Erholung": Vor allem der private Konsum sei aber noch immer eher verhalten. Yoshikiyo Shimamine, Chefökonom beim Dai-ichi Life Research Institute in Tokio ergänzt: "Die Folgen der Coronakrise in diesem Bereich sind noch keineswegs komplett abgeschüttelt."

Der positive Ausblick

Ökonomen gehen davon aus, dass China in diesem Jahr die einzige große Volkswirtschaft sein wird, die das Jahr mit einem positiven Wachstum abschließen kann. Die Erholung gehe schneller als erwartet voran, hieß es so vergangene Woche in einer neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds.

Demnach werde die chinesische Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,9 Prozent zulegen, das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als in der Juni-Schätzung. Für 2021 rechnet der Währungsfonds unverändert mit einem Wachstum von 8,2 Prozent.

Neben umfangreicher Konjunkturhilfen profitierte Chinas Wirtschaft zuletzt auch wieder von einem erstarkten Außenhandel. Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft stiegen im September im Vorjahresvergleich um 9,9 Prozent, wie die Pekinger Zollverwaltung vergangene Woche mitgeteilt hatte. Die Importe hatten demnach im gleichen Zeitraum um 13,2 Prozent zugelegt.

Für Deutschland wird zunächst ein Rückgang um 6,0 Prozent in diesem Jahr und dann ein Anstieg um 4,2 Prozent erwartet. In den USA wird die Wirtschaft laut Prognose 2020 um 4,3 Prozent schrumpfen, um dann im kommenden Jahr um 3,1 Prozent zu wachsen.

Österreichs Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS erwarten für heuer 6,8 bzw. 6,7 Prozent Einbruch der Wirtschaftsleistung, für 2021 dann 4,4 bzw. 4,7 Prozent Anstieg, wobei das IHS jeweils etwas optimistischer ist als das Wifo. Im Juni sah man noch mindestens 7 Prozent Abschwächung für heuer. Dabei schrumpfte das BIP im ersten Halbjahr um 8,7 Prozent.

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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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