Chinas langer Marsch in die Elektromobilität

Chinas langer Marsch in die Elektromobilität

Tesla steht mit dem günstigen "Model 3" vor dem Spring ins Reich der Mitte, derzeit dominieren dort aber noch die lokalen Hersteller. Die Wachstumsraten sind enorm, und auch die deutschen Anbieter wollen ein Stück vom Kuchen haben.

China gilt als das gelobte Land für Elektroautos. In dem von hoher Luftverschmutzung in Ballungsräumen geplagten Staat fördert die Regierung den Umstieg auf die umweltschonendere Mobilität massiv. Während sich in Deutschland ein Beschluss der Bundesregierung über Kaufanreize für Elektroautos in Deutschland hinzieht, subventioniert die Volksrepublik längst nicht nur deren Kauf. Sie investiert auch kräftig in Forschung und Infrastruktur. Der Erfolg lässt sich auf den Straßen sehen: 330.000 rein batteriegetriebene Fahrzeuge und Plug-in Hybride, die man an der Steckdose aufladen kann, kamen nach Daten des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen vergangenes Jahr auf Chinas Straßen. Das war etwa die Hälfte aller weltweit 2015 neu zugelassenen E-Mobile.

Der Elektroanteil werde weiter wachsen, auch wenn die Konjunktur in China lahmt, ist Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer sicher. Das Reich der Mitte will Weltmarktführer bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben werden. Die Vorgabe der Regierung ist klar: Wenn es den chinesischen Herstellern gelingt, sich bei der Batterietechnik zu etablieren, hätten sie der dominierenden westlichen Konkurrenz endlich etwas entgegenzusetzen. Zu den größeren Herstellern gehören Unternehmen wie BAIC und BYD (Build Your Dreams), mit denen auch der Stuttgarter Autokonzern Daimler zusammenarbeitet. Mercedes-Benz baut zusammen mit BYD den Elektrowagen Denza. Volkswagen importiert den kleinen e-Up. Demnächst soll dort auch der Golf mit Elektroantrieb an den Start gehen. Beherrscht wird der chinesischen Markt von zahlreichen kleinen Anbietern, die in Europa nur Fachleute kennen. Beispiele sind laut CAR-Institut Marken wie Zotye und Kandi mit 20.000 beziehungsweise 25.000 Elektroautos im vergangenen Jahr.

Plus 157 Prozent Anfang 2016

Die Zuwachsraten bei Elektroautos sind im Reich der Mitte nach wie vor hoch: In den ersten beiden Monaten 2016 kletterten die Neuzulassungen aller Hersteller nach Angaben des deutschen Branchenverbandes VDA um 157 Prozent. Dagegen schrumpften die Registrierungen in den USA um ein Prozent, obwohl der Elektroautopionier Tesla für Furore sorgt.

In Deutschland kletterten die Zulassungen um 80 Prozent, doch sind nach wie vor erst wenige Zehntausend reine Batteriefahrzeuge auf den Sraßen. Bis auf Norwegen, wo der Staat die Elektromobilität massiv ankurbelt, liegt der Anteil in vielen Ländern noch bei einem Prozent. Das gilt trotz der hohen Zuwachsraten auch für China. Noch - denn dank der staatlichen Förderung soll die Zahl der Elektroautos dort in den nächsten Jahren weiter kräftig steigen.

Teslas Model 3 könnte den Geschmack der Chinesen treffen

Im Ausland wird die Entwicklung in China daher genauestens beobachtet. Wenn die Branche sich in der kommenden Woche auf der Automesse in Peking (25. April bis 4. Mai) trifft, wird neben der Konjunkturschwäche auch dieses Thema diskutiert. Tesla-Gründer Elon Musk selbst wird sich nicht auf der wichtigen Messe blicken lassen, obwohl er bereits mit einem Sprung nach China liebäugelt. Mit einer Produktion in der Volksrepublik wäre es dem Konzern aus dem Silicon Valley möglich, die Verkaufspreise auf dem weltweit größten Automarkt um ein Drittel zu senken, hatte Musk unlängst erklärt. Bisher spielt Tesla in China kaum eine Rolle.

Mit dem neuen "Model 3" hat Musk nun einen Wagen angekündigt, der mit 35.000 Dollar weniger als die Hälfte der bisherigen Modelle kostet und damit für deutlich mehr Kunden erschwinglich ist. Die Vorbestellungen für den Wagen, der Ende 2017 auf den Markt kommen soll, sprangen Anfang April binnen einer Woche auf 325.000. Zum Vergleich: BMW verkaufte von seinen Elektro-Modellen i3 und i8 weltweit im vergangenen Jahr zusammen rund 30.000 Stück.

Dass sich der Erfolg reiner Elektroautos noch in Grenzen hält, liegt nach Ansicht des Autoexperten Stefan Bratzel vor allem daran, dass es erst wenige technisch ausgereifte Fahrzeuge gibt. Vor allem die geringe Reichweite der Batterien schreckt viele Käufer ab. Von staatlichen Kaufanreizen hält Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet, dagegen wenig. "Kaufprämien bergen die Gefahr, nur ein Strohfeuer auszulösen", sagt der Wissenschaftler. Eine finanzielle Stimulation der Nachfrage machte nur in einem Gesamtkonzept Sinn, bei dem der Staat neben der Entwicklung von Elektroautos auch in die Infrastruktur investiere. Hier könne sich der Westen einiges von China abschauen. Bratzel rechnet damit, dass Tesla eine Vorreiterrolle spielen wird: "Wird das Model 3 zum Erfolg, könnte das der Durchbruch für die Elektromobilität insgesamt bedeuten."

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