China "Konjunkturschock größer als durch Finanzkrise"

So stark sind Industrieproduktion, Handel und Investitionen in China ist in den ersten beiden Monaten des Jahres eingebrochen. Wie stark dass Wachstum anspringen müsste, um diesen Rückgang bis Ende 2020 wettzumachen.

China "Konjunkturschock größer als durch Finanzkrise"

Schrumpfende Industrie, einbrechende Einzelhandelsumsätze, steigende Arbeitslosigkeit: Die Folgen der Coronavirus-Epidemie hinterlassen deutliche Bremsspuren in der chinesischen Konjunktur. Die Industrie stellte im Jänner und Februar um 13,5 Prozent weniger her als ein Jahr zuvor, wie die am Montag veröffentlichten Zahlen des Statistikamtes zeigten.

Das war der schwächste Wert seit Jänner 1990, als die Aufzeichnungen begannen. Ökonomen hatten im Mittel ein leichtes Wachstum von 1,5 Prozent erwartet, wobei die Schätzungen stark voneinander abwichen. Noch im Dezember 2019 – also vor Beginn der Epidemie – hatte es ein Plus von 6,9 Prozent gegeben.

Handel: 20 Prozent weniger Umsatz
Die Investitionen brachen in den ersten beiden Monaten um 24,5 Prozent ein. Der Einzelhandel meldete einen Umsatzeinbruch von 20,5 Prozent, da die Verbraucher überfüllte Orte wie Einkaufszentren mieden. Die Arbeitslosenquote Chinas kletterte im Februar auf 6,2 Prozent von 5,2 Prozent im Dezember und erreichte damit den höchsten Stand seit der Veröffentlichung offizieller Aufzeichnungen.

Wird Monate bis zur Normalisierung dauern
"Nach den Daten zu urteilen, ist der Schock für Chinas Konjunktur durch die Coronavirus-Epidemie größer als der durch die globale Finanzkrise", sagte Chefvolkswirt Zhang Yi vom Finanzhaus Zhonghai Shengrong Capital Management. "Sie deuten darauf hin, dass die Wirtschaft im ersten Quartal mit hoher Wahrscheinlichkeit sinken wird." Viele Analysten erwarten, dass es noch Monate dauern könnte, bis sich die Wirtschaft wieder normalisiert. "Während sich die innenpolitischen Bedingungen in den kommenden Monaten langsam verbessern dürften, wird die zunehmende globale Störung durch das Coronavirus das Tempo der Erholung bremsen", sagte Ökonom Julian Evans-Pritchard von Capital Economics.

Das würde bedeuten, dass die Regierung in Peking ihr Wachstumsziel für 2020 überdenken müsste. Sie hat bisher noch keinen Zielwert verkündet, da die für den 5. März geplante jährliche Parlamentssitzung wegen der Epidemie verschoben wurde. Insidern zufolge diskutiert die Führungsspitze bereits darüber, ob das Ende 2019 vorläufig genannte Wachstumsziel von rund sechs Prozent gesenkt werden soll. "Wenn das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal negativ wird, würde ein enormer Druck entstehen, das Ziel für das Gesamtjahr zu erreichen - es sei denn, wir können im zweiten Quartal ein Wachstum von acht bis zehn Prozent erreichen", sagte Hua Changchun, Chefökonom bei Guotai Junan Securities.

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