Check-in zur AUA-Betriebsversammlung führt zu mehr Flugausfällen

Check-in zur AUA-Betriebsversammlung führt zu mehr Flugausfällen

Schon ab 5.30 Uhr hatte die Belegschaft der AUA zur Betriebsversammlung eingecheckt. Die AUA ist zu mehr Geld gegen Arbeitszeitflexibilisierung bereit. 40 Prozent der Flüge sind am Donnerstag ausgefallen. Die Geschäftsführung ist sauer und sieht die Betriebsversammlung als Störung. Nun soll wieder verhandelt werden.

Schwechat/Wien. Die heutige Betriebsversammlung bei der AUA hat zu mehr Flugausfällen geführt als ursprünglich einkalkuliert wurde. Einfacher Grund: Es sind 150 Flüge ausgefallen, was rund 40 Prozent des Tagesaufkommens entspricht. Ursprünglich wurde nur von einem Ausfall von 70 Flügen ausgegangen. Auslöser war die Entscheidung des Betriebsrates, die AUA-Mitarbeiter schon ab 5.30 Uhr zu Gesprächen einzuladen und zu motivieren, bis zum offiziellen Beginn der Betriebsversammlung um 9.30 Uhr zu bleiben. Gegen 14 Uhr wurde dann die Betriebsversammlung beendet, nachdem für eine halbe Stunde die Beratungen noch in einem Warnstreik mündeten.

Die Geschäftsführung der Lufthansa-Tochter war über die Kampfmaßnahmen erbost. Vor allem die kurzfristig angesetzte Vorverlegung der Mitarbeiterberatungen war den Chefs ein Dorn im Auge. "Die kurzfristige Ausdehnung der Kampfmaßnahmen weist deutlich daraufhin, dass das Ziel der Gewerkschaft und des Betriebsrats eine Betriebsstörung ist", erklärte AUA-Chef Kay Kratky in einer ersten Stellungnahme. "Es ist für uns nicht nachvollziehbar und völlig inakzeptabel, dass höhere Gehaltsforderungen noch dazu bei einem verschärften Wettbewerb auf dem Rücken unserer Kunden ausgetragen werden." Laut Kratky sind über 12.000 Passagiere von den Streichungen betroffen.

Die Betriebsversammlung wurden einberufen, weil die laufenden KV-Verhandlungen stocken. Auch eine Streikdrohung steht im Raum. Das Unternehmen bietet unter anderem eine Gehaltserhöhung von 2,1 Prozent an, Betriebsrat und Gewerkschaft fordern mehr. Der Betriebsrat für das AUA-Flugpersonal hatte ursprünglich für den 6. und 7. März Betriebsversammlungen angesetzt, diese aber kurzfristig aufgrund von Krankheit verschoben.

Nun wollen beide Seiten im nächsten Schritt wieder zu Verhandlungen über den neuen Kollektivvertrag zurückkehren. In der Karwoche vor Ostern wird es jedenfalls keinen Streik mehr geben, sagte vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz.

"Wir hoffen, dass nächste Woche die Einladung zur Kollektivvertragsgesprächen kommt, die wir natürlich annehmen werden", so Schwarcz nach der Veranstaltung zur APA. Die Erste Lösung wäre es nun, am Verhandlungstisch zu einer Einigung zu kommen. Auch AUA-Sprecher Peter Thier sagte am Nachmittag, das Unternehmen hoffe, "dass wir jetzt bald zum Verhandlungstisch zurückkehren".

Die Streikdrohungen oder eine abermalige Einberufung der Betriebsversammlung, die nur "ausgesetzt ist und jederzeit wieder einberufen werden kann", sind noch nicht vom Tisch. Zugleich ließ vida-Gewerkschafter Schwarcz auch die Drohkulisse aufrecht.

Die heutige Betriebsversammlung wurde nur unterbrochen und könnte innerhalb von 24 Stunden wieder einberufen werden. Auch haben die AUA-Bord-Mitarbeiter heute einstimmig grünes Licht für einen Streik gegeben - eine neuerliche Urabstimmung vor einem Streik wäre also nicht mehr nötig. "Die Mitarbeiter haben die Gewerkschaft ermächtigt, dass wir die Arbeitskampfkarte ziehen können. Wir werden damit aber sehr verantwortungsvoll umgehen", sagt Schwarcz. Man werde sicher nicht wegen einer Kleinigkeit einen Streik ausrufen.

Bereits im Februar hatte die Gewerkschaft vida Grünes Licht für "gewerkschaftliche Maßnahmen" bei der AUA gegeben. Diese reichten von Dienst nach Vorschrift über wiederholte Betriebsversammlungen bis hin zur Arbeitsniederlegung.

Ebenso einstimmig wie den Streikbeschluss befürwortet hätten die Mitarbeiter auch das aktuelle KV-Angebot der AUA als "zu wenig" abgelehnt. "1.200 von 1.200 waren dagegen", sagte Schwarcz.

Die Betriebsversammlung als Störung

Aus Sicht der AUA war die Betriebsversammlung sichtlich darauf ausgelegt, den Betrieb zu stören. Dabei habe die AUA klar signalisiert, zu Nachbesserungen, auch zu mehr Bezahlung, bereit zu sein, wenn es im Gegenzug zu einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit kommtr.

"Wir stehen euch morgen ab ca 5.30 zur Verfügung" heißt es im Schreiben von Betriebsratsobmann Rainer Stratberger, das vor der Sersammlung vershcickt wurde. "Ein Rahmenprogramm verkürzt euch die Zeit bis zum Beginn der Betriebsversammlung". vida-Gewerkschafter und AUA-Flugbegleiter Johannes Schwarcz spielte das am Vormittag gegenüber der APA herunter. Es seien lediglich "einige Betriebsräte vor Ort" gewesen, von einem Rahmenprogramm zu sprechen sei "weit übertrieben". Die Flüge seien ausgefallen "weil sie die Firma gestrichen hat", dies auf das Rahmenprogramm zu schieben sei "nicht angebracht".

Die Wirtschaftskammer hat sich freilich auch zu Wort gemeldet und Gewerkschaft samt AUA-Mitarbeiter ins Fadenkreuz der Kritik genommen. Die Arbeitnehmervertretung schieße mit ihren Maßnahmen "weit über das Ziel hinaus", schreibt Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ, in einer Aussendung.

Dem Kämmerfunktionär war vor allem die Vorverlegung der Betriebsversammlung ein Dorn im Auge. Der WKO-Obmann Klacska glaubte, dass die Aktion "offensichtlich darauf ausgerichtet war, maximalen Schaden anzurichten". Und er meint dafür auch die sichtbaren Beweise zu haben: "Auch die Tatsache, dass die Vorbesprechungen um 5.30 Uhr in den Dispatch-und Briefingräumen stattfanden, legt für Insider die Vermutung nahe, dass man jedenfalls sicherstellen wollte, dass möglichst alle Mitarbeiter davon erfasst werden."

Die AUA-Messlatte liegt nun bei Wizzair

Bei der AUA wird die Messlatte offenbar neu aufgelegt. Man dürfe nicht vergessen, dass die neuen Konkurrenten am Flughafen Wien um 30 bis 50 Prozent niedrigere Kosten haben. Insbesondere die ungarische Wizzair, die nun einige Flugzeuge in Wien stationiert, habe konzernweit osteuropäische Gehaltsstrukturen, die um 50 Prozent unter den Kosten der AUA lägen. Dass solche Unternehmen keinen Kollektivvertrag mit Konditionen wie bei der AUA oder Laudamotion abschließen werden, liege auf der Hand.

Unter den Ausfällen befanden sich Verbindungen zwischen Wien und Amsterdam, Basel, Bologna, Berlin, Belgrad, Brüssel, Bukarest, Kairo, Kopenhagen, Düsseldorf, Frankfurt, Genf, Graz, Hamburg, Innsbruck, Kiew, Köln, Leipzig, London, Lyon, Mailand, Minsk, Moskau, München, Paris, Prag, Sofia, Stuttgart, Teheran, Tel Aviv, Venedig, Warschau, Zagreb und Zürich. Auch die Flüge nach Washington und Toronto fallen aus. Der Flug nach Newark hingegen habe aus Wettergründen abgesagt werden müssen. An der Ostküste der USA tobt gerade ein Schneesturm.

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