CEO Joe Kaeser: Siemens ist "great again"

CEO Joe Kaeser: Siemens ist "great again"

Siemens CEO Joe Kaeser (re.) und Finanz-Chef (CFO) Ralf Thomas

Siemens-Chef Kaeser findet lobende Worte für seine 377.000 Mitarbeiter. Doch nun folgt der nächste, weitreichende Konzernumbau. Wichtige Unternehmensteile werden von Deutschland ins Ausland verlagert. Und aus fünf Konzernsparten werden drei. Die Gewerkschaften sind nicht amused. Kaeser will trotz Verschlankung neue Mitarbeiter einstellen. Ander Börse werden die Pläne mit einem Kursrutsch quittiert.

München. Siemens sei "great again" - und das seien keine "fake news" - das meinte Vorstandschef und CEO Joe Kaeser vor Analysten und Journalisten in München.

Dennoch verlegt der deutsche Elektronikriese in der nächsten Runde des Konzernumbaus die Führung wichtiger Unternehmensbereiche ins Ausland. Die bisher fünf Sparten werden in drei operative Einheiten für Gas und Energie, smarte Infrastruktur und digitale Industrie aufgeteilt. "Siemens ist gegenwärtig in einer sehr starken Position", sagte Siemens-Chef Kaeser.

Housten, Zug, Nürnberg und München

Die Energiesparte mit weltweit 71.000 Mitarbeitern und 21 Mrd. Euro Umsatz soll ihren Sitz im Zentrum der US-Ölindustrie in Houston (Bundesstaat Texas) haben. Diese Entscheidung dürfte auch mit der aggressiven Handelspolitik von Präsident Donald Trump zu tun haben.

"Mit diesem ganzen Handelszeug sind Unternehmen gezwungen, lokal zu werden", kommentierte Kaeser die Weltlage. Der neuen Infrastruktur-Einheit in Zug in der Schweiz werden ebenfalls 71.000 Mitarbeiter und 14 Mrd. Euro Umsatz zugeordnet.

Der Diamant

Von Nürnberg aus soll zudem das digitale Industriegeschäft - von Kaeser als "Diamant" bezeichnet - geleitet werden.

Diese Einheit hat 78.000 Mitarbeiter und 14 Mrd. Euro Umsatz. Neuester Zukauf ist für 600 Mio. Euro das US-Software-Unternehmen Mendix.

Schlanke Zentrale und zusätzliche Mitarbeiter

Die Siemens-Zentrale bleibt in München, soll aber "schlanker" werden. Daneben gibt es noch die internen Dienstleistungen fürs Geschäft, die Finanzen und Immobilien, die zusammengefasst werden sollen. Ein neuerliches Personal-Abbauprogramm ist mit der neuen Strategie "Vision 2020 plus" nicht verbunden.

Kaeser ließ anklingen, dass er eher an zusätzliche Mitarbeiter denkt. Der Siemens-Chef lobte die weltweit 377.000 Kollegen.

Beim letzten Strategieprogramm habe Siemens "nicht großartig" dagestanden. Führung sei notwendig gewesen. Heute ist das aus Kaesers Sicht anders: "Wir sind so stark, dass der größte Faktor, der den Erfolg behindern könnte, wir selbst sind."

Die Sorgen der Arbeitnehmer

Weniger begeistert gaben sich indes die Arbeitnehmer. "Die neue Ausrichtung darf nicht dazu führen, dass Marke und Identität von Siemens als vernetzter Technologiekonzern verloren gehen", mahnte Birgit Steinborn, die Chefin des Siemens-Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Der Siemens-Vorstand hatte die Umorganisation in den vergangenen Monaten mit dem Betriebsrat und der IG Metall abgesprochen. Die Arbeitnehmervertreter erteilten noch weitergehenden Überlegungen, den Konzern in eine Holding-Struktur umzuwandeln, bei der die Münchner Zentrale nur noch als Dach dreier eigenständiger Gesellschaften fungiert hätte, eine Absage.

"Den Weg in eine Holdingstruktur werden wir weiterhin nicht akzeptieren", betonte Jürgen Kerner, IG-Metall-Hauptkassierer und Mitglied des Aufsichtsrats. Denn die Arbeitnehmervertreter seien besorgt, dass dies den Weg in eine von den Finanzmärkten getriebene Zerschlagung des Konzerns ebnen könnte.

Neue Gesellschaften

Kaeser schloss zwar nicht aus, dass aus den drei operativen Einheiten künftig auch separate Gesellschaften werden könnten. "Das ist aber nicht die erste Priorität." Der Siemens-Chef will sich aber für die Zukunft alle Möglichkeiten offen halten, Vorrang habe die Schaffung von "Optionalität".

Einen separaten Börsengang mit dem "Diamanten" des digitalen Industriegeschäfts schloss Kaeser explizit als "nicht geplant" aus. Zuletzt hatte Siemens im Frühjahr die Medizintechnik-Sparte aufs Parkett gebracht.

Die mit einer weltweit sinkenden Nachfrage nach konventioneller Energieerzeugung kämpfende Kraftwerksparte holte zwar wieder mehr Aufträge, der Umsatz ging jedoch um ein Fünftel 3 Mrd. Euro zurück. Siemens will in diesem Bereich allein in Deutschland 3.000 Stellen abbauen. Der Kraftwerksbau und -service werden in die neue texanische Energiesparte integriert.

Das Ergebnis - 3. Quartal 2017/2018

Starker Euro. Trotz Gegenwinds durch den starken Euro sieht sich Siemens auf Kurs. Das Ergebnis stieg in den Monaten April bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro an. Unterm Strich beleiben 1,2 Milliarden Euro, 14 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Währungseffekte knabberten am Umsatz und am Auftragseingang.

Der Umsatz sank jedoch - hauptsächlich wegen des starken Euro und schlechter Geschäfte in der kriselnden Kraftwerksparte um vier Prozent auf 20,5 Mrd. Euro.

Die Aktie. Das Ergebnis und vor allem die schwächeren Gewinnentwicklung hatten die Anleger enttäuscht. Mitnahmeeffekte hatten der Siemens-Aktie einen Dämpfer verpasst: Der Aktienkurs ging um 4,4 Prozent zurück.

Volle Auftragsbücher. Stark sind derzeit vor allem die Auftragseingänge, die im dritten Quartal um 16 Prozent auf einen Wert von 22,8 Mrd. Euro zulegten. Ohne den schwachen Dollar wären es sogar 21 Prozent mehr gewesen. Die weltweiten Handelsstreitigkeiten machen aber auch den Siemens-Managern Sorgen.

Drei operative Einheiten. Aus fünf mach' drei - lautet die neue Formel der neuen Strategie "Vision 2020 plus". Im Zuge dessen will Siemens künftig nur noch auf die drei Sparten Gas und Energie, Smarte Infrastruktur und Digitale Industrie setzen. Die Agenden der Siemens-Zentrale in München sollen optimiert, weil verschlankt werden. Personalabbau hat CEO Kaeser nicht vor. Das GEgtenil: Es sollen zusätzliche Mitarbeiter engagiert werden. Starttermin ist der 1. Oktober. Weltweit hat Siemens derzeit 377.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Börsianer sehen Siemens nicht so "great again" wie es etwa CEO Joe Kaeser meint. Der Aktienkurs hat auf Kaesers Aussagen mit einem minus von 4,6 Prozent ausgeschlagen.

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