voestalpine-CEO Eibensteiner „Strom muss billiger werden!“

voestalpine-CEO Eibensteiner „Strom muss billiger werden!“

voestalpine-CEO Herbert Eibensteiner will bei der Politik für die „Hybrid-Voest“ werben.

Der neue CEO Herbert Eibensteiner skizziert erstmals einen konkreten Plan für eine CO2-ärmere voestalpine-Zukunft.

trend: Am Montag eröffnen Sie in Linz Ihre Wasserstoff-Pilotanlage. Bis bei Ihnen Wasserstoff Kohle und Koks zur Gänze ersetzt hat, wird es 2050 werden. Gibt es Zwischenschritte?
Herbert Eibensteiner : Wasserstoff ist tatsächlich ein sehr langfristiges Thema. Wir stehen eigentlich noch am Anfang und es ist mit einem gewissen Fragezeichen versehen. Deshalb haben wir uns gefragt: Was können wir bis dahin noch verbessern? Unser Konzept beinhaltet die Idee, die zwei kleineren Hochöfen in Linz und einen in Donawitz durch Elektroöfen abzulösen.

Das ist ja keine neue Technologie. Wie können Sie dennoch die bewährten Qualitäten produzieren?
Eibensteiner : Mit einer solchen Hybridlösung behalten wir ja zwei Hochöfen und können sie mit den dann neuen Elektroöfen optimal kombinieren. Und wir haben als Einsatzstoffe HBI, ein sehr sauberes Vormaterial, das wir in Texas produzieren, sowie Schrott, den wir von unseren eigenen Kunden zurückkaufen und von dem wir deshalb wissen, dass er höchste Qualität hat. Mit dieser Hybridkonstellation könnten wir rund ein Drittel unserer Emissionen – das sind drei bis vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr – einsparen und trotzdem höchste Stahlqualitäten liefern.

Wie weit sind Sie mit diesem Plan?
Eibensteiner : Bis Ende März soll klar sein, wie wirtschaftlich dieses Konzept ist und welche Parameter es für die Umsetzung braucht. Wir brauchen sowohl für Linz als auch für Donawitz die richtigen Stromnetze. Die bis 2026 für Linz zugesagte 220-kV-Leitung darf sich nicht verzögern, davor werden wir sicher nicht beginnen, zu investieren. Und wir brauchen grünen Strom in ausreichender Menge zu wettbewerbsfähigen Preisen. Drei Elektroöfen würden zusätzlich drei bis vier Terawattstunden benötigen. Derzeit wären die Preise deutlich zu hoch. Grüner Strom muss billiger werden!

Was würde das kosten?
Eibensteiner : Darüber werden wir Ende des laufenden Geschäftsjahres Aussagen machen können. Unter einer Milliarde Euro sind alle drei Öfen aber nicht zu haben.

Dazu brauchen Sie die Politik.
Eibensteiner : Wir zahlen dieses Jahr 100 Millionen Euro für CO2-Zertifikate, und das wird mehr werden. Unser Vorschlag ist, diese 100 Millionen zweckgewidmet z. B. in einen Innovationsfonds zu überführen, um in klimafreundliche Technologien zu investieren. Rechnen Sie das auf zehn Jahre hoch, und wir finanzieren uns die Investition quasi selbst. Und es braucht Incentives, um Strom billiger zu machen, eine Möglichkeit ist zum Beispiel die Befreiung von Abgaben oder Rückvergütungen. Wir haben diese Woche einen Brief an die Vorsitzenden aller Parteien im Parlament, an die Sozialpartner und an NGOs geschrieben, um ihnen unsere Ideen näher zu erklären. Natürlich hoffen wir, dass unser Vorschlag in der Politik auf Interesse stößt.

Und wenn nicht?
Eibensteiner : An diese Variante denken wir nicht. Wir denken, dass unser Projekt tragfähig ist.

Ab wann kommt H2 ins Spiel?
Eibensteiner : Es gibt Übergangsvarianten. Zum Teil wird man schrittweise Wasserstoff als Energieträger im Hochofenprozess verwenden und künftig auch in der HBI-Erzeugung. Das Einzigartige an unserem Konzept ist, dass wir unseren Markt selbst in dieser Konstellation mit höchsten Stahlqualitäten weiter bedienen können.


Zur Person

Herbert Eibensteiner ist seit 3. Juli 2019 Vorstandschef der voestalpine. Er ist keiner, der mit stolzgeschwellter Brust auf Imponiergehabe macht. Er wirkt uneitel und meist in sich ruhend. Eibensteiner ist nicht nur qua Ausbildung, sondern auch vom Typ her Techniker: Stahlwerke liegen ihm näher als Netzwerke. Der Linzer hat die voestalpine zu einem Zeitpunkt übernommen, da Qualitäten dieser Art durchaus gefragt sind.


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