voestalpine-CEO Eder: "Umsatzziele nach unten korrigieren"

voestalpine-CEO Eder: "Umsatzziele nach unten korrigieren"

Voestalpine-CEO Wolfgang Eder: "Im Moment sind wir durch nichts betroffen, das China-Geschäft läuft wie geplant."

Der österreichische Stahlkonzern voestalpine stellt angesichts der jüngsten Turbulenzen in China seine Pläne für ein neues Edelstahlwerk in dem Land auf den Prüfstand. "Das Werk ist weiterhin eine Option, die weitere Vorgehensweise müssen wir uns aber in aller Ruhe ansehen", sagte Konzernchef Wolfgang Eder im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Der für 2015 geplante Baubeginn für das rund 140 Millionen Euro teure Werk sei jedenfalls nicht mehr zu halten. Aufgrund des Preisverfalls bei den Rohstoffen müsse der Konzern außerdem die Umsatzziele "nach unten korrigieren".

Eigentlich wollte voestalpine die Anlage bis Ende 2017 zusammen mit dem chinesischen Gießereiunternehmen Kocel in Yinchuan in Zentralchina errichten. Dort sollen Edelstahl-Produkte für die chinesische Auto- und Konsumgüterindustrie sowie den Maschinenbau hergestellt werden. Möglich sei, dass nun ein anderer Standort ins Auge gefasst werde, sagte Eder.

Schlechte Konjunkturdaten nährten zuletzt die Sorge, dass China sein Wachstumsziel von sieben Prozent in diesem Jahr verfehlen könnte - es wäre die geringste Steigerungsrate seit einem Vierteljahrhundert. "Kurz und auch mittelfristige Verwerfungen gibt es immer wieder", sagte Eder. An den Plänen, bis 2020 zehn neue Werke in China zu errichten, werde voestalpine nicht rütteln. "Nur weil es jetzt vielleicht zwei, drei Jahre Probleme gibt, verlasse ich nicht fluchtartig einen langfristig strategisch wichtigen Markt." Derzeit beschäftigt die Firma an 24 Standorten dort 2200 Mitarbeiter.

Auch eine Nachfrageeinbruch der Autobauer, für die China einer der wichtigsten Märkte ist, befürchtet Eder nicht. Vor allem in Europa brummen die Geschäfte. "Wir kommen mit der Produktion kaum nach", sagte Eder. Nach Gesprächen mit Hauptkunden in den vergangenen Tagen, erwartet er jedenfalls bis Jahresende keine Änderung des Abnahmeverhaltens. Die Automotive-Sparte steuert mit einem Umsatz von knapp vier Milliarden Euro gut ein Drittel zu den Gesamterlösen bei. voestalpine erzeugt etwa Bleche für Karosserieteile von Autos und beliefert die großen deutschen Hersteller. Zudem sind sie Weltmarktführer bei Eisenbahnweichen.

"China-Geschäft läuft wie geplant"

Obwohl Autobauer wie BMW oder Audi in China derzeit eine schwächere Nachfrage spüren, bangt der voestalpine-Chef nicht um seine Geschäfte. "Im Moment sind wir durch nichts betroffen, das China-Geschäft läuft wie geplant". Auch wenn die Autobranche deutliche Abstriche machen müsse, sei die Produktion für die nächsten zwei Jahre abgesichert.

voestalpine hat in China derzeit drei Zulieferwerke für die Automobilindustrie. Die Anlagen laufen noch bis Ende 2017 in einer Hochfahrphase. "Das was wir dort produzieren, wird entsprechend der Vereinbarungen untergebracht", sagte Eder. Der mit der Autobranche in China erzielte Umsatz lag zuletzt bei zehn Millionen Euro. Insgesamt macht der Konzern in dem Land rund 300 Millionen Euro Umsatz.

Mehr Sorgen bereitet Eder die teilweise stark gesunkenen Preise für viele Rohstoffe, die der Konzern an die Kunden weitergibt. "Schon alleine aufgrund des Verfalls der Rohstoffpreise in den letzten Jahren werden wir das Umsatzziel nach unten korrigieren müssen", sagte Eder. Bislang strebte voestalpine an, bis zum Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende März) die Erlöse auf 20 Milliarden Euro von zuletzt 11,2 Milliarden Euro zu steigern. Wichtiger sei, dass die Rentabilitätsziele erfüllt werden. "Die Ebitda-Marge von 14 Prozent könnte schon etwas früher als 2020/21 erreicht werden", sagte der Voestalpine-Chef. 2014/15 lag sie bei 13,7 Prozent.

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