Casinos-Mehrheit geht nach Tschechien

Die tschechische Mehrheit bei den Casinos Austria ist fix. Die Staatsholding ÖBAG, mit 33,2 Prozent zweitgrößter Aktionär, verzichtet auf ihr Vorkaufsrecht. Die tschechische Sazka-Gruppe, kommt durch die Übernahme des Novomatic-Anteils auf zumindest 53,2 Prozent.

Robert Chvatal, CEO Saska Group (li.) und Thomas Schmid (ÖBAG)

Robert Chvatal, CEO Saska Group (li.) und Thomas Schmid (ÖBAG)

Die Casinos Austria sind bald nur noch dem Namen nach österreichisch. Die staatliche österreichische Beteiligungsagentur ÖBAG, mit 33,2 Prozent zweitgrößter Aktionär, verzichtet auf ihr Vorkaufsrecht. Der größte Aktionär, die Sazka Gruppe des tschechischen Milliardärs Karel Komarek, kommt damit durch die Übernahme des Novomatic-Anteils auf zumindest 53,2 Prozent.

Sazka und die ÖBAG haben einen Syndikatsvertrag geschlossen. Das Abkommen der beiden Kernaktionäre soll der ÖBAG Mitsprache bei wichtigen Entscheidungen im teilstaatlichen Glücksspielkonzern sichern. Damit "stellen wir sicher, dass in Zukunft nicht mehr der Streit zwischen Eigentümern, sondern ausschließlich das Wohl und das weitere Wachstum des Unternehmens im Mittelpunkt stehen", erklärte ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid, "dieser Vertrag wird Ruhe und Stabilität in das Unternehmen bringen.

Das Abkommen räume der ÖBAG Rechte "eines 50-Prozent-Eigentümers" ein. Der Beschluss im ÖBAG-Aufsichtsrat ist erfolgt.

Österreichische Vetorechte

Konkret erhält die ÖBAG ein Vetorecht bei einer Reihe von Punkten. So soll das "Österreich-Paket" die Zentrale, den Steuersitz sowie die österreichweit zwölf Casinos-Standorte und die Arbeitsplätze absichern. Auch der Erhalt der Marken "Casinos Austria" und "Österreichische Lotterien" wurde vereinbart. Weiters bekommt die ÖBAG ein Nominierungsrecht sowohl für den Aufsichtsrats-als auch den Vorstandschef. Die Sport- und Kulturförderung bleibe erhalten. Und Sazka darf keine konkurrierenden Geschäftsaktivitäten in Österreich haben. Die Laufzeit des Vertrags beträgt 15 Jahre. Die Verhandlungen dazu hätten drei Monate gedauert, hieß es.

"Die Geschichte des Postenschachers ist vorüber", sagte Sazka-Chef Robert Chvatal in der Pressekonferenz. Ziel sei es den Wert das Casinos und ihrer Tochter, den Österreichischen Lotterien, zu steigern. Als einer der größten Lotterie-Anbieter Europas wolle man Erfahrungen aus anderen Ländern einbringen. Sazka habe bewusst auf das Spiel "Mehrheitsaktionär gegen Minderheitsaktionär" verzichtet. Es sei eines der größten Investments aus Tschechien in Österreich.

Gemeinsame Investitionen

Sazka und die Casinos Austria sollen künftig auch gemeinsam Glücksspieltechnologie einkaufen. Die Tschechen können die Casinos Austria künftig in ihrer Konzernbilanz voll konsolidieren. Novomatic hatte Ende 2019 seinen Anteil von 17,2 Prozent an Sazka verkauft. Wenn auch die Casinos-Kleinaktionäre auf ihre Vorkaufsrechte verzichten, hält Sazka nach Abschluss des Kaufs der Novomatic-Anteile 55,5 Prozent. Das Closing erwartet Chvatal für Mitte des Jahres.

Schmid betonte, dass das "Österreich-Paket" bei den Casinos umfangreicher und stärker sei als bei anderen Syndikatsverträgen. In der ÖBAG, die die Beteiligungen an Telekom Austria, Casinos Austria, OMV, Post, Bundesimmobilien und Verbund verwaltet, gibt es zwei solcher Shareholder Agreements. Ihre Anteilsrechte an der OMV hat die Staatsholding mit Co-Aktionär Mubadala, dem Staatsfonds aus Abu Dhabi, syndiziert. Bei der Telekom Austria hat sich der Staat mit dem mexikanischen Mehrheitseigentümer America Movil zusammengetan.

Zweier-Vorstand bleibt

Am derzeitigen Zweier-Vorstand mit Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner und Vorstandsdirektor Martin Skopek, früher im Management von Komareks KKCG und Ex-Erste-Group-Manager, ändert sich durch den Syndikatsvertrag nichts. Einen dritten Vorstand für Finanzen soll es jedoch nicht mehr geben. Sazka und ÖBAG einigten sich weiters darauf, den Aufsichtsrat unter Umständen zu verkleinern. Fürs Erste soll es aber auch hier keine Änderungen geben. Zu den künftigen Mehrheitsverhältnissen in beiden Führungsgremien äußerte man sich nicht im Detail. Abstimmungen unter den beiden Partnern sollen jedenfalls im Vorfeld in einem Syndikatsausschuss erfolgen.

Ein Börsengang ist laut Schmid und Chvatal eine "langfristige Option". Dafür ist laut Schmid auch ein Regierungsbeschluss erforderlich.

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