"Rien ne vas plus" für 500 Mitarbeiter bei Casinos Austria

Die tschechische Sazka-Gruppe fordert als neuer Mehrheitseigentümer ein millionenschweres Sparpaket, um weitere Verluste zu vermeiden. Nur so könnten die 12 Inlandsstandorte mit ihren Casinos-Spielbanken gerettet werden. Fast ein Drittel der Casinos-Austria-Beschäftigen müssen nun gehen.

"Rien ne vas plus" für 500 Mitarbeiter bei Casinos Austria

Wien. Die teilstaatlichen Casinos Austria fahren ein striktes Sparprogramm und streichen mit rund 500 von derzeit noch 1.700 fast ein Drittel der Jobs. Die 12 Inlandsstandorte bleiben nur, wenn das sogenannte "ReFIT"-Sparpaket erfolgreich umgesetzt wird. Einzelne Standorte werden redimensioniert. Das teilten die Casinos Mittwochnachmittag nach einem Sonder-Aufsichtsrat mit.

40 Mio. Euro sollen durch die Reduktion von Personal- und Sachkosten in den Casinos und in der Zentrale eingespart werden. Zentrale und Casino-Betriebe sollen durch Neuorganisationen zudem effizienter werden. Die Strategie werde neu ausgerichtet. So soll der Casinobetrieb operativ von anderen Bereichen der Unternehmensgruppe getrennt werden. Die Zentrale soll schlanker und einzelne Sandorte "redimensioniert" - also verkleinert - werden.

Neue Fitness mit maximaler Verlustvermeidung

Robert Chvatal, CEO des Casinos-Hauptanteilseigners Sazka-Gruppe spricht davon, dass von dem einst glanzvollen Spielcasino-Flaggschiff Casinos Austria nun "1.200 Arbeitsplätze gerettet werden". Die Casinos haben im Inland derzeit noch rund 1.700 Vollzeitstellen.

"Es geht nicht um Gewinnmaximierung, sondern um die Vermeidung zukünftiger Verluste", sagte Chvátal. "Es geht um die Rettung eines Unternehmens, das sich aufgrund seiner Struktur und der veränderten Welt in einer außerordentlich schwierigen Situation befindet. Wir wollen keine Casinos verkaufen, sondern sie für die Zukunft fit machen."

Die Sazka-Gruppe ist seit dem 26. Juni offiziell der Mehrheitseigentümer der Casinos Austria. Die Tschechen halten seitdem 55,5 Prozent der Anteile. Sie hatten zu dem Zeitpunkt den Anteil von 17,2 Prozent des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic übernommen (siehe Grafik unten). Die Republik Österreich ist mit 33,2 Prozent der zweitgrößte Aktionär der Casino Austria (33,2 Prozent).

Corona setzt der Krise die Krone auf

Mit dem heutigen Sparpaketsbeschluss werde nun ein Prozess für dessen Umsetzung in Gang gesetzt. "Die bevorstehenden Wochen und Monate werden herausfordernd und schwierig", so Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner. "Bei erfolgreicher Umsetzung des vorliegenden Konzepts wird aber nicht nur das Unternehmen stärker und erfolgreicher sein, als es je war, sondern es werden dadurch auch die herausragende Stellung von Casinos Austria und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze abgesichert."

Die Casinos-Chefin verwies auf die Coronakrise, die das Unternehmen massiv getroffen habe. Man habe nun schnell handeln müssen.

"Die ÖBAG hat sich insbesondere für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze sowie aller 12 Casino Standorte eingesetzt", betonte der Chef der Staatsholding ÖBAG, Thomas Schmid. "Es ist uns wichtig, die geplanten Maßnahmen sozial verträglich und mit Einbindung des Betriebsrates durchzuführen." Nur bei einer Umsetzung des massiven Sparkurses könne "das Unternehmen weiterhin erfolgreich bleiben".

Grundsätzlich betonte der zuletzt an mehreren Fronten unter Druck geratenen ÖBAG-Manager - Ermittlungen rund um mutmaßlichen Postenschacher bei den Casinos, Drogenermittlungen, es gilt die Unschuldsvermutung - dass die Casag "ein wichtiges Unternehmen im Portfolio der ÖBAG" sei. "Als wesentlicher touristischer Leitbetrieb und Steuerzahler leistet das Unternehmen einen bedeutenden Beitrag für den Wirtschaftsstandort Österreich. Die langfristige Wertsteigerung der Beteiligung sowie der Spielerschutz sind zentrale Eckpunkte einer erfolgreichen Unternehmensstrategie der Casag."

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