"Casinos Austria wären auch mit einem Vorstand zu führen“

Casinos Austria Generaldirektor Alexander Labak

Casinos Austria Generaldirektor Alexander Labak

Casinos Austria Generaldirektor Alexander Labak im trend-Interview über seinen bevorstehenden Abgang. Er sieht die Rolle des Staates als Miteigentümer kritisch.

Der Generaldirektor der Casinos Austria AG (Casag), Alexander Labak, zieht in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin trend Bilanz über seine knapp zweijährige Tätigkeit beim teilstaatlichen Glücksspielkonzern. Er wird seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern. Laut trend-Informationen wird bei der Casag-Aufsichtsratssitzung am 19. März aber einer rascherer Wechsel beschlossen: Neue Unternehmenschefin soll Bettina Glatz-Kremsner werden. Dazu sagt Labak: „Wenn der Aufsichtsrat ein neues Team schon früher etablieren möchte, dann ist es auch okay.“

Er betont, dass er aus freien Stücken gehe: „Es war nie mein Ziel, mir hier einen lukrativen Pensionsvertrag zu ersitzen. Im Unterschied zu allen meinen früheren Tätigkeiten gibt es bei der Casag keine Möglichkeit einer Beteiligung für Manager, weshalb mir längerfristig die unternehmerische Komponente fehlt. Ich habe immer gesagt, dass ich nur für eine Periode bleibe.“

"Unzeitgemäße Machtansprüche"

Zum öffentlichen Druck in Richtung seiner Ablöse erklärt er: „Natürlich ist es nicht einfach, wenn versucht wird, jemanden mit falschen Behauptungen über die Medien zu diskreditieren. Das ist ein Spiel über die Bande, das mir nicht so gefällt. Diese Kultur ist verbesserungswürdig. Im Unternehmen und in Österreich generell. Wenn Sie ein Unternehmen modernisieren, gibt es vieles anzupacken. Die Casag ist nicht unbedingt eine Bastion des Wandels. Ich bin in 50 Jahren erst der dritte Generaldirektor; unser Aufsichtsratspräsident dient schon seit 22 Jahren. Wir haben hier ein Umfeld, in dem der Zentralbetriebsrat der Casag versucht, unzeitgemäße Machtansprüche zu verteidigen, und in dem sich die Eigentümer nicht immer einig sind. Aber ich sehe das als positive Erfahrung.“

Weiters sagt Labak gegenüber dem trend, man habe im Unternehmen Verantwortung vom Vorstand in die operativen Einheiten verlagert: „Dies bietet dem Aufsichtsrat bei der bevorstehenden Neubesetzung auch die Möglichkeit, die Zahl der Vorstände zu reduzieren. Es wäre das aus meiner Sicht eine Option und würde auch Kosten senken. Das Unternehmen wäre mit einem oder zwei Vorständen gut zu führen, auch wenn das die Gesellschafter vielleicht nicht so sehen.“

"Kritische Repolitisierung"

Labak ortet „im staatsnahen Bereich derzeit eine Repolitisierung, die ich kritisch sehe“ und beurteilt die Rolle der Republik als Miteigentümer der Casag „durchaus zwiespältig“. Konkret: „Der Staat bestimmt durch die hoheitliche Steuerpolitik letztlich seinen eigenen Unternehmensgewinn. Er kontrolliert sich als Aufsichtsbehörde letztlich selbst. Und er vergibt als Lizenzgeber an sich selbst Lizenzen. Das ist eine schwierige Gemengelage, weil sie den Staat gegenüber den anderen Eigentümern in eine außergewöhnliche Machtposition bringt. Man sollte in einer ruhigen Minute einmal emotionslos darüber nachdenken , ob dieses Setup, das historisch gewachsen ist, langfristig zielführend ist.“

Den Rückzug des Staates als Aktionär der Casinos hält Labak für „eine Möglichkeit, diese Zielkonflikte aufzulösen. Aber diese Option wird, glaube ich, derzeit industriepolitisch nicht angedacht.“


Das Interview mit Casinos Austria Generaldirektor Alexander Labak finden Sie in der trend-Ausgabe 10/2919 vom 8. März 2019

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