Casinos Austria: Eigner machen Weg für Novomatic-Einstieg frei

 Casinos Austria: Eigner machen Weg für Novomatic-Einstieg frei

Novomatic kommt langsam aber sicher ans Ziel des Übernahmespiels.

Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic übernimmt 17-Prozent-Anteil von der Casinos-Austria-Aktionärin Bablik. Wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken hat Novomatic bereits ihre halbe Lotto-Beteiligung an die beiden tschechischen Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc verkauft. Wer in Zukunft die Casinos Austria leiten wird, steht noch nicht fest.

Wien/Gumpoldskirchen. Die lange Bieterschlacht um die teilstaatlichen Casinos Austria kommt zu einem Ende. Die Eigentümer der Casinos machten am Mittwoch den Weg für den Einstieg des Erzrivalen Novomatic frei. Die MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik überträgt ihren 17,2-prozentigen Casinos-Anteil an den niederösterreichischen Glücksspielriesen. Das hat die von Bablik einberufene außerordentliche Hauptversammlung der Casinos genehmigt.

Novomatic hatte lange sich mit den zwei tschechischen Lotto-Milliardären Karel Komarek und Jiri Smejc um die Macht bei den Casinos Austria gematcht. Anfang des Jahres einigten sich die Interessenten dann auf eine gemeinsame Vorgehensweise. Den ursprünglich geplanten Deal lehnte das Kartellgericht jedoch im Sommer ab, darum kommt es nun zu einer anderen Lösung.

Damit Novomatic das 17-Prozent-Paket von Bablik übernehmen darf, hat der Konzern seine Lotterien-Beteiligung "vorsorglich" halbiert und an die tschechische Sazka-Gruppe der Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc verkauft. Novomatic war vor mehr als einem Jahr mit 23,11 Prozent indirekt bei den Lotterien eingestiegen. Da die Casinos Austria 68 Prozent an den Lotterien halten, würde Novomatic mit dem Erwerb des Bablik-Casinos-Pakets wettbewerbsrechtlich durchgerechnet auf zu viele Lotterien-Anteile kommen.

Mit der Abgabe von 11,56 Prozent an den Lotterien zugunsten Komarek und Smejc bleibt Novomatic unter 25 Prozent beteiligt. Mit der Abtretung der Hälfte an die Tschechen dürften Wettbewerbsbedenken aus dem Weg geräumt sein. Die Tschechen sind bisher nicht am österreichischen Glücksspielmarkt aktiv, sie dürfen also, im Gegensatz zu Novomatic, unbeschränkt viele Lotterien-Aktien erwerben.

Die tschechische Gruppe und Novomatic hatten sich lange einen Bieterkampf um die Macht bei den Casinos geliefert. Zu Jahresbeginn einigten sie sich schließlich, gemeinsam vorgehen zu wollen. Ende August untersagte jedoch das Kartellgericht das Vorhaben, jetzt liegt das Ganze beim Obersten Gerichtshof (OGH).

Am Ende soll Novomatic 17,2 Prozent an den Casinos und 11,56 Prozent an den Lotterien halten. Die Tschechen sollen auf 38 Prozent an den Casinos kommen.

Novomatic ist ein weltweit aktiver Konzern, der Automaten herstellt und auch selbst betreibt. In den vergangenen Jahren drängen die Niederösterreicher aber auch auf den Lotto-Markt.

Die Casinos Austria erwirtschafteten zuletzt, im Geschäftsjahr 2015, einen Umsatz von 3,6 Mrd. Euro und ein Betriebsergebnis von mehr als 100 Mio. Euro. Für heuer rechnet Stoss "auf Basis signifikanter Verbesserungen in nahezu allen Geschäftsbereichen" mit einer abermaligen Ergebnissteigerung um mehr als 25 Prozent, wie er ankündigte.

Novomatic setzte 2015 mehr als 2 Mrd. Euro um und verdiente unterm Strich 220,7 Mio. Euro. Der Konzern gehört seinem Gründer Johann Graf. Nach der Liste der Superreichen vom US-Magazin Forbes ist Graf mit einem Vermögen von rund acht Milliarden US-Dollar hinter Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz (13,2 Milliarden Dollar) auf Rang 2 der reichsten Österreicher ist.

Die Personalfrage

Die Zukunft von Casinos-Austria-Konzernchef Karl Stoss und seinem Vorstandskollegen Dietmar Hoscher ist nach dem Eigentümerwechsel beim teilstaatlichen Konzern weiter ungewiss. Die Verträge der beiden Manager laufen Ende 2017 aus. Über die Verlängerung will Casinos-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner aber erst im März 2017 entscheiden.

Dies, obwohl eine Vertragsklausel vorsieht, dass es ein Jahr vor Auslaufen Gespräche über eine allfällige Verlängerung geben muss, wie die Casinos Austria am Mittwoch in einer Aussendung erklärten. "Es war geboten, das Thema der Vorstandsverträge erst nach der HV im Frühjahr 2017 zu behandeln, wenn die wesentlichen Entscheidungen zur Eigentümerstruktur bereits gefallen sind", wird Rothensteiner zitiert.

Stoss, der kürzlich seinen 60. Geburtstag feierte und auch Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) ist, ließ sich folgendermaßen zitieren: "Ich kann durchaus nachvollziehen, dass der Aufsichtsrat die beiden Themen auch zeitlich getrennt behandeln und zunächst die Eigentümerfrage näher geklärt haben möchte. Ich bin zuversichtlich, dass in der Sitzung Ende März 2017 eine gute und tragfähige Lösung geschaffen wird."

Stoss hat in der jüngeren Vergangenheit mehrmals betont, dass er gerne Casinos-Chef bleiben würde. Ob ihn die neuen Großeigentümer, die Sazka-Group und der Novomatic-Konzern, weiter an der Spitze haben wollen, wird in Branchenkreisen aber bezweifelt. Seinem Kollegen Hoscher (54) wird nicht das Format des Vorstandsvorsitzenden zugesprochen. Hoscher und Stoss sind seit längerem über Kreuz. Der Vertrag der dritten Casinos-Vorständin Bettina Glatz-Kremsner läuft bis Ende 2019.

Für Novomatic-Chef Harald Neumann ist der Einstieg "ein wichtiger Schritt für eine stabile und nachhaltige Kernaktionärsstruktur der Casinos-Austria-Gruppe. Als international führender und weltweit anerkannter Gaming-Technologiekonzern sind wir an einer werthaltigen Investition und einer guten Entwicklung der Casag interessiert", teilte er in einer Aussendung mit.

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