Cameron: "Rote Alarmlampen der Weltwirtschaft leuchten"

Premier Cameron warnt vor einer weltweiten Rezession, die auch das starke Wachstum in England gefährden würde.

Premier Cameron warnt vor einer weltweiten Rezession, die auch das starke Wachstum in England gefährden würde.

Der britische Premier David Cameron warnt vor einem Rückfall der Weltwirtschaft in die Krise. Schuld seinen geopolitische Risiken, die schwache Konjunktur in der Euro-Zone und den Schwellenländern. Japan bereitet nach dem Rückfall in die Rezession ebenfalls Sorgen.

Sechs Jahre nach dem finanziellen Zusammenbruch, der die Welt in die Knie gezwungen hat, blinken wieder die roten Alarmlampen auf der Schalttafel der Weltwirtschaft", schrieb der Premierminister in einem Artikel in der britischen Zeitung Guardian.

Cameron verwies vor allem auf das Risiko einer Rezession in der Euro-Zone, dem wichtigsten Handelspartner Großbritanniens. Aber auch die Verlangsamung des Wachstums in den Schwellenländern, die stockenden Welthandelsgespräche, die Ebola-Epidemie sowie die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine machten den Ausblick der Weltwirtschaft ungewiss, schrieb er.

Die Wirtschaft Großbritanniens sei anders als viele Volkswirtschaften in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich gewachsen, unterstrich der konservative Regierungschef, dem im Mai eine Parlamentswahl bevorsteht. Tatsächlich schaffte Großbritannien laut EU-Kommission 2014 mit 3,1 Prozent das stärkste Plus der großen Industriestaaten. Allerdings war das Vereinigte Königreich auch mit deutlich stärkeren Blessuren aus der Wirtschafts- und Finanzkrise herausgekommen und wächst nun von einem vergleichsweise niedrigeren Niveau.

Cameron erklärte, seine Regierung werde an ihren Plänen festhalten, das Haushaltsdefizit zu verringern und die Schulden abzubauen. Allerdings liegen Camerons Konservative in den meisten Umfragen knapp hinter der oppositionellen Labour Party.

Japan kämpft vergeblich gegen die Rezession

Für Verunsicherung sorgte auch Japan. Im dritten Quartal schrumpfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent. Experten waren von einem Zuwachs um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen. Hoffnungen auf eine Erholung der Konjunktur haben sich so vorerst zerschlagen. Im Frühjahr war die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt um 1,9 Prozent geschrumpft, da sich die Verbraucher nach der Mehrwertsteuer-Erhöhung mit Käufen zurückhielten. Die neuen Daten schürten die Erwartung, dass Ministerpräsident Shinzo Abe die für kommendes Jahr geplante nochmalige Anhebung wegen der Flaute verschieben, vorgezogene Wahlen ausrufen und neue Konjunkturhilfen beschließen dürfte.

Wirtschaftsminister Akira Amari kündigte an, die Konjunktur mit neuen Maßnahmen zu stützen. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei "sehr hoch". Eine Möglichkeit sei, Geringverdienern zu helfen.

Der japanische Yen fiel wegen der enttäuschenden Daten auf ein Sieben-Jahres-Tief zum Dollar. Die schlechten Nachrichten drückten auch die asiatischen Börsen ins Minus. Vor allem die Anleger in Tokio reagierten enttäuscht: Der Nikkei-Index verbuchte den stärksten Rückgang an einem Handelstag seit August.

Wird Steuererhöhung abgeblasen?

"Das ist absolut nicht die Situation, in der wir über eine Anhebung der Mehrwertsteuer debattieren sollten", sagte Experte Etsuro Honda von der Universität von Shizuoka. Auch in Abes Partei LDP wird laut über eine Verschiebung nachgedacht. "Ich denke, der Ministerpräsident wird die für kommenden Oktober geplante Erhöhung abblasen", sagte ein LDP-Abgeordneter. Der Steuersatz sollte dann auf zehn Prozent steigen, nachdem er bereits im April von fünf auf acht Prozent kletterte. Abe dürfte auch Neuwahlen ausrufen, um mehr Rückhalt für seine Politik zu bekommen. Eine Entscheidung soll noch in dieser Woche fallen.

Abe hatte die Regierung im Dezember 2012 übernommen mit dem Versprechen, durch die nach ihm benannte Politik (Abenomics) die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen - und zwar mit einem Mix aus einer extrem lockeren Geldpolitik, Reformen und Mehrausgaben. Damit sollte die seit Jahren anhaltende Deflation - ein für die Wirtschaft schädlicher Preisverfall auf breiter Front - beendet werden.

Die privaten Konsumausgaben - die für etwa 60 Prozent der Wirtschaft stehen - legten im dritten Quartal mit 0,4 Prozent nur halb so stark zu erwartet. Ein Grund dafür ist, dass die Preise schneller steigen als die Löhne und damit die Kaufkraft der Japaner verringern. Einige Experten sagen aber für das laufende vierte Quartal eine Verbesserung voraus.

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