Zwei Österreicher machen Viagra mit
günstigen Pillen Konkurrenz

Preisschlacht bei Potenzpillen: Mit der neuen Billigmarke Vivanza macht ein österreichisches Duo etablierten Namen wie Viagra Konkurrenz.

Dass es so schnell gehen würde, hätten Erwin Klein und Johannes Schwertner nie gedacht. Anfang 2010 starteten die beiden den Vertrieb von Vivanza, einem vom Pharmakonzern Bayer hergestellten Potenzmittel, dessen Vermarktungsrechte bei der von Klein und Schwertner geführten Firma easypharm liegen. Seither mischen sie die Branche auf. Das Medikament Vivanza hat es innerhalb eines Jahres auf zwanzig Prozent Marktanteil geschafft. Nicht, weil die Pille besser wirkt – aber sie ist billiger. „Der Preis hat uns den Erfolg gebracht“, ist easypharm-Chef Klein überzeugt.

Neue Preispolitik

Es geht immerhin um einen Markt von zwölf Millionen Euro. So viel wird in Österreich mit Potenzmitteln umgesetzt. Das profitable Geschäft liegt in wenigen Händen. Viagra (Pfizer), Cialis (Eli Lilly) und Levitra (Bayer) dominieren den österreichischen Markt. Neuankömmlinge hatten es bislang schwer, sich einen Namen zu machen. Doch mit der scharfen Preispolitik des Duos schob sich Vivanza nun an die dritte Stelle; Marktführer sind Viagra und Cialis mit zirka je dreißig Prozent.

Pfizer und Co nehmen den neuen Nebenbuhler notgedrungen hin. Robin Rumler, Pfizer-Marketingchef, spricht von einer „Markterweiterung“ und meint, an der starken Position von Viagra sei nicht zu rütteln: „Wir sehen das entspannt.“

Bayer, der Hersteller von Vivanza, profitiert zwar vom Durchbruch der Billigmarke, allerdings hat Levitra, das zweite Potenzpräparat der Deutschen, darunter am meisten gelitten. Trotzdem soll an der Strategie mit dem Billigprodukt nicht gerüttelt werden.

Auch immer mehr Urologen empfehlen das günstigere Vivanza. Zum Vergleich: Eine 12er-Packung Viagra kostet in der Apotheke aktuell 198,90 Euro; bei Cialis sind es 205,25 Euro. Die gleiche Menge Vivanza ist für nur 139,90 Euro zu haben.

Neben dem Preis gibt es noch andere Unterschiede: Levitra und Vivanza wirken oft schon nach 25 Minuten – und das für bis zu 10 Stunden. Die Wirkung von Viagra setzt hingegen erst nach 30 bis 60 Minuten ein und dauert „nur“ vier Stunden an, hat aber laut Rumler den Vorteil, bei erektiler Dysfunktion besonders hilfreich zu sein. Bei schlechter Durchblutung werde also noch immer häufig zu Viagra gegriffen. Cialis ist vor allem bei Jüngeren beliebt, bei denen eher der „Leistungsgedanke“ im Vordergrund steht – mitunter wirkt es für 36 Stunden.

Potenzprobleme

Der Markt bleibt hart umkämpft. Knapp eine Million Österreicher leiden an Erektionsstörungen, bei 300.000 davon sind die Probleme schwerwiegend. Potenzpillen, sogenannte PDE-5- Hemmer, sind für viele die einzige Hoffnung, wieder ein normales Sexleben zu führen.

Allerdings übernimmt die Krankenkassa nicht die Kosten für die teuren Medikamente. In der Folge wandern Patienten ins Internet ab, um so an billige Pillen zu kommen. „Jeder Vierte besorgt sich rezeptpflichtige Medizin – darunter viele Potenzmittel – bereits übers Internet“, seufzt Pfizer-Manager Rumler, „aber nur 10 Prozent davon sind Originale. Die Qualität ist also sehr fragwürdig.“ Erst Ende des Vorjahres wurden am Flughafen Wien 23.000 gefälschte Viagra-Pillen beschlagnahmt.

Auch Vivanza-Vermarkter Klein rät zu Vorsicht: Die Qualität der im Netz angebotenen Ware sei mitunter gesundheitsgefährdend. Die EU will deshalb fälschungssichere Merkmale auf den Verpackungen einführen – etwa Hologramme, die Originale von Plagiaten unterscheiden sollen.

Vielen Anwendern ist ein billiges, mit Risiko verbundenes Potenzmittel lieber als keines. Selbst das neue Vivanza will sich nicht jeder leisten.

– Silvia Jelincic

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